Di., 20.08.2019

Oliver Juhnke hat als Bauleiter die Glenne in Langenberg renaturiert Er gibt dem Wasser wieder mehr Platz

Langenberg/Gütersloh (WB). Wer nicht vom Fach ist, denkt beim Anblick der Glenne vermutlich so etwas wie: »Bin ich hier an der Nordsee gelandet?!« Und tatsächlich erinnert der helle Sand stark an die Strände von Oostkapelle oder Westerland.

Tatsächlich aber befindet sich das Renaturierungsgebiet am südlichsten Teil des Kreises, in Langenberg. »Die Glenne ist ein sandgeprägter Tieflandfluss«, erklärt Oliver Juhnke, Bauleiter des Projekts beim Kreis Gütersloh. »Der ganze Sand war schon hier. Nur eben unter einer 1,5 Meter dicken Schicht Erdreich. Den Oberboden haben wir abgetragen und als eine Art natürlichen Dünger auf den umliegenden Feldern verteilt. Insgesamt waren das rund 70.000 Kubikmeter.«

Fläche hat eine Größe von sechs Hektar

Mit sechs Hektar Fläche ist die Maßnahme an der Glenne ein besonderes Projekt für den Wasserbauingenieur: »So viel Platz haben wir selten.« Seit März 2015 ist Juhnke bereits beim Kreis Gütersloh. Davor leitete er fast 15 Jahre sein eigenes Ingenieurbüro. »Wenn ich ehrlich bin, hatte ich anfangs etwas Bedenken, was den Sprung von der Selbstständigkeit in eine Behörde anging«, gibt er zu. »Ich habe aber schnell gemerkt, dass ich hier genau richtig bin. Die Arbeit gefällt mir gut und mein Sachgebietsleiter Stefan Sibilski lässt mir viel freie Hand. Dafür bin ich sehr dankbar!“

Tatsächlich wollte er das, was er im Dezernat 4 jetzt macht, schon immer machen. In der Abteilung Tiefbau ist er vor allem für die Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie zuständig. Das von der EU im Jahr 2000 verabschiedete Abkommen legt fest, dass bis 2027 alle Gewässer ab einem Einzugsgebiet von zehn Quadratkilometern in einem »guten, ökologischen und chemischen Zustand« sein müssen und sich nicht verschlechtern dürfen. »Heute geht die Tendenz wieder in Richtung naturnahe Gewässer«, erklärt Juhnke.

Schon im 19. Jahrhundert wurden Flüsse begradigt

Ursprünglich war die Glenne etwa dreimal so breit wie sie jetzt ist und nur rund 80 bis 120 Zentimeter tief. Um das Land urbar zu machen, hat man aber schon im 19. Jahrhundert damit angefangen, diesen und viele andere Flüsse zu begradigen. Was auf den ersten Blick vielleicht »natürlich« aussehe, sei in Wahrheit gar nicht so. Den Gewässern und seinen Lebewesen wieder mehr Raum zu verschaffen, das ist Juhnkes Job. Und den macht er gerne: »Ich finde es klasse, dass ich der Natur etwas wiedergeben kann, dass wir heutzutage sensibler an die Sache herangehen. Das wollte ich schon immer machen. Hier beim Kreis habe ich ganz andere Möglichkeiten als vorher.« Nach der Renaturierungsmaßnahme soll die Glenne sich selbst überlassen werden und sich so entwickeln, wie sie es ohne Zutun des Menschen tut.

Oliver Juhnke arbeitet derzeit an acht Maßnahmen gleichzeitig

Langweilig wird es Juhnke so schnell jedenfalls nicht: Derzeit arbeitet er an acht Maßnahmen gleichzeitig. Und das ist auch nötig, denn die ziehen sich teilweise gewaltig. Zwischen sechs und acht Jahre können zwischen dem Beginn und der Fertigstellung vergehen. Wenn feststeht, wo renaturiert werden kann, das heißt wo Flächen hierfür zur Verfügung stehen, lässt Juhnke eine Entwurfsplanung erstellen.

Sobald die Planung von der Unteren Wasserbehörde genehmigt ist, kann der Förderantrag bei der Bezirksregierung gestellt werden. Erst wenn der Förderbescheid vorliegt, was durchaus mehrere Monate dauern kann, kann die Ausführungsplanung in Auftrag gegeben werden. Auf dieser Grundlage kann anschließend die Ausschreibung der eigentlichen Baumaßnahme stattfinden.

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