Di., 20.08.2019

Baustelle Verler Straße wirkt sich auf Geschäfte aus – Autos fahren Schleichwege Spexard in Sorge

In Richtung Autobahn geht auf der Verler Straße seit vergangener Woche nichts mehr. Die Inhaber der anliegenden Geschäfte machen sich ernsthafte Sorgen um ihre Existenz. Anwohner und Anlieger fragen sich, warum die Arbeiten so lange dauern.

In Richtung Autobahn geht auf der Verler Straße seit vergangener Woche nichts mehr. Die Inhaber der anliegenden Geschäfte machen sich ernsthafte Sorgen um ihre Existenz. Anwohner und Anlieger fragen sich, warum die Arbeiten so lange dauern. Foto: Dunja Delker

Von Dunja Delker

Gütersloh (WB). Nach fünf Tagen »Einbahnstraße Verler Straße« geht es in Spexard noch recht gemächlich zu. Staus ja, von Verkehrschaos kann aber noch keine Rede sein. Ferien sei dank. Doch Geschäftsleute und Anlieger haben schon jetzt »den Kaffee auf«.

Plaßmann

»Uns fehlen die Pendler«, sagt Silke Plaßmann und bedankt sich bei allen Spexardern, die dem Lottogeschäft an der Verler Straße 287 auch in den kommenden 18 Monaten ihre Unterstützung zugesagt haben. »Doch das reicht nicht«, erklärt Silke Plaßmann. Sie schätzt, dass die Anzahl der Kunden in den vergangenen Tagen schon um 60 Prozent zurückgegangen ist.

Esso-Tankstelle

Noch schlechter sieht es schräg gegenüber an der Esso-Tankstelle aus. Esmin Gruda und seine 15 Mitarbeiter haben sonst in erster Linie von den Fahrzeugen, die in Richtung Autobahn wollten, und von den Pendlern auf dem Weg zu Arvato oder Nobilia profitiert. Doch die werden jetzt über Sürenheide oder Varensell umgeleitet. »Ich schätze, dass wir zwischen 50 und 70 Prozent weniger Kunden haben«, sagt Gruda, der die Tankstelle seit sieben Jahren betreibt. Aus seiner Sicht dauern die Umbauarbeiten viel zu lange. Er fragt sich, warum die Straße nicht in Etappen gesperrt wird oder ob man der Einbahnstraßen-Regelung mit einer Ampelanlage hätte vermeiden können.

Shell-Tankstelle

Wenige hundert Meter weiter nutzt der Inhaber der Shell-Tankstelle an der Verler Straße 158 die Flaute für einen Umbau. Immerhin zwei Monate – vom 1. September bis 25. Oktober – bleiben Zapfsäulen und Verkaufsraum zu und werden auf Vordermann gebracht. Denn auch wenn hier der Verkehr noch in beide Richtigen rolle, merke man die Auswirkungen der Baustelle, so eine Mitarbeiterin.

Conkurens

Das Team des Restaurants Conkurens (Verler Straße 250) hat noch keine Auswirkungen feststellen können. Aus der Innenstadt sei das Restaurant nach wie vor gut erreichbar, und die Gäste aus Spexard kämen bei dem Sommerwetter meistens mit dem Fahrrad, sagt Heike Bartling.

Friseur Seidel

Recht entspannt ist auch noch das Haarteam Seidel (Verler Straße 334). »Wir leben in erster Linie vom Termingeschäft. Unsere Kunden kommen gezielt und personenbezogen. Deswegen haben wir noch keine Folgen gespürt«, sagt Julian Seidel im WB-Gespräch.

Bäckerei Thiesbrummel

Ernsthafte Sorgen macht sich Martin Thiesbrummel. »Die vorbeifahrenden Autos halten nicht an, weil sie Angst haben, dass sie nicht wieder auf die Verler Straße kommen«, sagt der Inhaber der gleichnamigen Bäckerei mit Supermarkt an der Verler Straße 336. 80 Mitarbeiter beschäftigt er hier und in weiteren Filialen und ist ganz entsetzt, wie wenige Menschen angesichts der Baustelle den Weg in seinen Hauptladen finden. Martin Thiesbrummel weiß nicht, wie er die kommenden 18 Monate überbrücken soll.

Determeyer-Siedlung

Auch wenn die Planer weiträumige Umleitungen ausgewiesen haben, graut es den Anwohnern der Schleichwege schon vor den nächsten eineinhalb Jahren. Vor allem die Menschen in der Determeyer-Siedlung, die sich gerade erst von den Bauarbeiten am Hüttenbrink erholt haben, dürfte es besonders hart treffen. Da nützt es wohl kaum etwas, dass am Straßenrand gerade erst neue weiße Linien gezogen wurden. Wenn sich zwei Fahrzeuge entgegen kommen, lässt es sich gar nicht vermeiden, die optische Begrenzung zu überfahren. Und auch viele Eltern denken mit Bauchschmerzen daran, dass auf dem Kreisverkehr Neuenkirchener Straße/Bruder-Konrad-Straße demnächst noch mehr Autos unterwegs sind und es ihren Kindern schwer machen, die Straße zu überqueren.

Weserstraße

Wer an der Kreuzung Verler Straße/Auf der Haar nicht mehr geradeaus fahren darf, ist versucht, zunächst nach links und dann sofort wieder rechts in die Weserstraße abzubiegen. Trotz des »Durchfahrt verboten«-Schildes biegen die Fahrzeuge hier ein. Autofahrer wurden sogar schon dabei beobachtet, dass sie die rot-weißen Absperrbaken einfach zur Seite geschoben haben, um die 30er-Zone, an der auch ein städtischer Kindergarten liegt, befahren zu können. Allein am Freitagmorgen wurden binnen fünf Minuten auf der Weserstraße, die derzeit nur für Anlieger frei ist, fünf Fahrzeuge mit fremdem Kennzeichen gesichtet. Fraglich ist auch, ob die Gütersloher selbst die ausgewiesenen Umleitungen nutzen werden, um beispielsweise zur Autobahn zu gelangen.

Vorsicht Blitzer

Ob auf den Schleichwegen demnächst verstärkt Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt werden, werde situationsbedingt entschieden, teilte die Stadt Gütersloh auf Anfrage mit. Die Stadt beobachte die Situation aufmerksam, werde Verkehrszählungen durchführen und auswerten. »Wenn es objektiv Probleme gibt, wird sich der Fachbereich Ordnung mit der Polizei besprechen«, heißt es.

 

 

Kommentare

Wer kommt für den Schaden auf?

Herr Bürgermeister Schulz: Wer entschädigt die Geschäftsleute, die aufgrund der mangelhaften Verkehrsanbindung in finanzielle Schwierigkeiten geraten oder Konkurs anmelden müssen? Ich denke, Sie sind gut beraten, Rede und Antwort zu stehen! Sie sind der Bürgermeister!

1 Kommentare

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