Do., 22.08.2019

In Gütersloh fallen 770 Stellen weg – Finanzverwaltung in Polen Miele verschärft Sparkurs

Der Stellenabbau beim Hausgerätehersteller Miele in Gütersloh fällt wohl größer aus als bisher öffentlich bekannt war.

Der Stellenabbau beim Hausgerätehersteller Miele in Gütersloh fällt wohl größer aus als bisher öffentlich bekannt war. Foto: Schwabe

Gütersloh (WB/du). Der Stellenabbau beim Hausgerätehersteller Miele in Gütersloh fällt wohl größer aus als bisher öffentlich bekannt war. Bis 2025 sollen beim Gütersloher Gerätewerk (GTG) nicht nur 500, sondern 770 Mitarbeiter gehen. Zudem ist ist in Polen neben dem neuen Waschmaschinenwerk eine Finanzverwaltung (»Shared Service Center«, SSC) geplant.

Wie Unternehmenssprecher Carsten Prudent am Donnerstag bestätigte, sei die Belegschaft bereits Anfang Juli über beide Vorhaben informiert worden. Er betonte, dass der Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen, sondern ausschließlich über Fluktuation und Verrentung erfolgen soll.

Ziel sei, dass im GTG in sechs Jahren 1450 Menschen arbeiten, derzeit sind es 2220. Insgesamt arbeiten bei Miele in Gütersloh 5300 Menschen. Das Werk in Ksawerów bei Lódz (350 Mitarbeiter) soll Anfang 2020 mit der Produktion starten.

»In alle Entscheidungen wird der Betriebsrat einbezogen«

Ebenfalls um den Jahreswechsel herum soll in der polnischen Stadt Posen das »Shared Service Center« den Betrieb aufnehmen. Zunächst 20 Mitarbeiter bearbeiten dann länderübergreifend Routinevorgänge bei der Buchhaltung und im kaufmännischen Berichtswesen.

Ebenso wird erwogen, den Bereich der Rechnungsprüfung, der 2015 an einen polnischen Dienstleister übertragen worden war, dort wieder in Eigenregie durchzuführen. Welche Auswirkungen der SSC-Standort auf Deutschland hat, sei noch offen. »In alle Entscheidungen wird der Betriebsrat einbezogen«, heißt es.

Der immer härter werdende Wettbewerb hat auch Auswirkungen auf die Sonderzahlungen. In diesem Jahr fließen die »freiwilligen und übertariflichen Boni« nicht, wie Miele erklärt. Die Zahlungen hatten in den vergangenen Jahren zwischen zehn und 25 Prozent eines Monatsgehalts gelegen. Der geschäftsführende Gesellschafter Reinhard Zinkann hatte Ende Juni erklärt, dass sich trotz des schwierigen Marktumfelds der Umsatz im Geschäftsjahr von Juli 2018 bis 30. Juni 2019 der Umsatz wieder positiv entwickelt habe.

Auch Bielefeld betroffen

Im Bielefelder Miele-Werk könnten wegen der Arbeitsteilung im Bereich Geschirrspüler mit dem Pendant im tschechischen Unicov zudem etwa 180 von 1900 Stellen bis 2021 wegfallen, hieß es zuletzt.

Miele hat im Herbst 2018 die Unternehmensberatung McKinsey ins Haus geholt, um ein jährliches Einsparvolumen von mehr als 100 Millionen Euro auszuloten bei Gesamtkosten von rund 4 Milliarden. Erste Fokusprojekte hat McKinsey inzwischen benannt. »Mehr als die Hälfte bezieht sich allein auf Material- und Sachkosten«, erklärte Technik-Geschäftsführer Dr. Stefan Breit Ende Februar. Hinzu kämen Vorschläge zu administrativen Prozessen und verschiedenen Doppelstrukturen wie eine Optimierung der Logistik durch mehr länderübergreifende Lagerhaltung. In diesen Wochen sollen konkrete Projekte benannt werden, die dann teils über Jahre umzusetzen wären.

Kommentare

Sehe ich auch so. Vor einem guten halben Jahr habe ich mir in einem Technik-Markt an der Hans-Böckler-Straße für 300 Euro eine Waschmaschine von einem großen deutschen Hersteller (der mit 'S' anfängt und aufhört) gekauft. Das kam daher, dass an meiner ca 17 Jahre alten Maschine das Magnetventil des Wasserschlauches defekt war. Ein neuer Schlauch mit Ventil sollte schon deutlich über 200 Euro kosten. Weil ich das für Wucher halte, habe ich nicht lange überlegt. So versucht Miele offenbar eine Reparatur älterer Geräte unrentabel zu machen und so den "Kunden" dazu zu bringen, ein neues Gerät zu kaufen. Das funktioniert bei immer weniger Leuten, denn die Ersatzteilpreise betreffen irgendwann auch das neue Gerät. Das wollen die dort aber scheinbar nicht wahrhaben.

Qualität

Die sollten nicht den Fehler machen bei der Qualität der Produkte zu sparen.
Die Kunden sind nicht blöd.

2 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6865860?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F