Do., 29.08.2019

Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe über ein Projekt der Tochtergesellschaft Ufa Nach »Schtonk!«: Bertelsmann plant Serie über gefälschte Hitler-Tagebücher

Reporter Gerd Heidemann präsentiert auf einer Pressekonferenz des Hamburger Magazins »Stern« am 25. April 1983 die angeblichen Hitler-Tagebücher.

Reporter Gerd Heidemann präsentiert auf einer Pressekonferenz des Hamburger Magazins »Stern« am 25. April 1983 die angeblichen Hitler-Tagebücher. Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein

Gütersloh/Hamburg (WB). Die zum Bertelsmann-Konzern gehörende Filmgesellschaft Ufa bereitet offenbar eine Neuverfilmung des Skandals um die 1983 im »Stern« veröffentlichten gefälschten Hitler-Tagebücher vor. Geplant ist eine Serie. Details wollte Konzernchef Thomas Rabe am Mittwoch anlässlich der Vorlage der Halbjahresbilanz des Konzerns noch nicht nennen.

Der bis dahin größte Medienskandal in der deutschen Nachkriegsgeschichte wurde schon einmal filmisch aufgearbeitet, 1992 in »Schtonk!« von Regisseur Helmut Dietl allerdings sehr humoristisch interpretiert.

»Faking Hitler« als Podcast

Der »Stern« erscheint als Nachrichtenmagazin in der zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Verlagsgruppe Gruner + Jahr. Im vergangenen Jahr wurden einige der 62 gefälschten Tagebücher-Bände in Hamburg und Hildesheim auf Ausstellungen anlässlich seines 70. Geburtstages der Illustrierten präsentiert. Außerdem wurde das Thema unter Leitung des früheren »Stern«-Journalisten Malte Herwig in einer Serie von Podcasts aufgearbeitet. Die zehn Folgen haben den Titel »Faking Hitler« und werden im Internet von der Buchhandelskette Thalia präsentiert. Die Filmserie ist nach Angaben von Bertelsmann das erste Kooperationsprojekt der 2019 neu gegründeten Bertelsmann Content Alliance.

In dem Podcast greift Herwig immer wieder auf Tonbandmitschnitte von Gesprächen zwischen dem 2000 verstorbenen Fälscher Konrad Kujau und »Stern«-Redakteur Gerd Heidemann (heute 87) zurück. Heidemann leitete das Projekt, das selbst im Unternehmen und in der Redaktion unter größter Geheimhaltung lief.

Der Medienskandal

Als Kaufsumme für die 62 Kladden hatte der »Stern« 9,3 Millionen Euro vereinbart. »Hitlers Tagebücher« sollten als Serie erscheinen. Zum Start wurde die Auflage um 400.000 auf 2,2 Millionen erhöht. Bei der vorangegangenen Vorstellung der Tagebücher im April 1983 erklärte die damalige Stern-Chefredaktion, sie sei »vom Eishauch der Geschichte angeweht«. Weite Teile eben dieser Geschichte der Nazi-Zeit müssten »neu geschrieben werden«.

Schon Anfang Mai aber wurde die Fälschung unter anderem durch Untersuchungen des Bundesarchivs offenkundig. Die »Stern«-Chefredaktion trat zurück. Kujau wurde im Juli 1985 vom Landgericht Hamburg wegen Betruges zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Auch Heidemann wurde wegen Betrugs mit einer Haftstrafe belegt.

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