Mo., 02.09.2019

Von Schulen und Kitas aus dürfen keine gasgefüllten Luftballone mehr aufsteigen Gütersloh wird ballonfreie Zone

Am Karussell sind Luftballone noch erlaubt, solange sie nicht mit Gas befüllt werden. Doch mit einem Adresskärtchen in den Himmel dürfen sie fortan nicht mehr steigen.

Am Karussell sind Luftballone noch erlaubt, solange sie nicht mit Gas befüllt werden. Doch mit einem Adresskärtchen in den Himmel dürfen sie fortan nicht mehr steigen. Foto: Gabriele Grund

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Aus Gütersloher Schulen und Kindergärten werden keine gasgefüllten Luftballone mehr in den Himmel steigen. Der Umweltausschuss schließt sich der Mahnung einer Bürgerin an, wonach nicht abbaubares Ballongummi, Schnüre und Verschlüsse die Umwelt verschmutzen und das Leben von Tieren bedrohen.

Das Ballonverbot bezieht sich erst einmal nur auf städtische Flächen. Privaten Haushalten oder Firmen können Aktionen mit gasgefüllten Luftballonen nicht verboten werden – bislang es gibt es keine Rechtsgrundlage dafür. Sonja Wolters, Leiterin des Fachbereichs Umweltschutz, hält das aber nur für eine Frage der Zeit: »Die Europäische Union hat bereits die Verwendung von Trinkhalmen, Einweggeschirr, Wattestäbchen und dünnen Plastiktüten bis 2021 untersagt. Ich gehe fest davon aus, dass Luftballone folgen werden.« Insofern beziehe Gütersloh mit diesem Beschluss eine Vorreiterposition.

Der Versuch von Thomas Kessenjohann (BfGT), zumindest die traditionelle Ballonaktion zum Auftakt der Michaeliskirmes davon auszunehmen, scheiterte an Umweltdezernentin Christine Lang: »Wenn wir sagen, das ist umweltschädlich, dann gilt das auch für die Kirmesaktion. So konsequent sollten wir schon sein.«

Manfred Reese (Linke) stellte fest, dass die Umweltverschmutzung und die Bedrohung von Tieren nicht bei gasgefüllten Luftballonen ende: »Im Grunde müssen wir uns auch über die Silvesterböllerei und Osterfeuer unterhalten. Deren Auswirkungen sind meist weitaus schlimmer.«

Kommentare

Gerne wird auf FB und auch hier kritisiert, dass man doch lieber erstmal die wirklichen Probleme angehen solle (z.B. Verpackungsmüll reduzieren). Dabei solte man aber zwei Dinge bedenken: Wenn ein Bürgerantrag eingereicht wird, muss sich die Stadt damit beschäftigen und den Antrag annehmen oder ablehnen. Den Zeitpunkt und das Thema des Bürgerantrages sucht sich die Stadt nicht aus. Es wird bearbeitet, was reinkommt. Den viel zu zahlreichen Plastikmüll in den Läden oder Coffee to Go-Becher (oder stinkende Kreuzfahrtschiffe oder sonst irgendwas in der Art) kann die Stadt nicht abschaffen oder ändern. Darauf hat die Stadt gar keinen Einfluss. Das ist Sache der Bundesregierung (oder evtl. sogar der EU? Das weiß ich nicht), nicht die der Stadt. Es ist daher nicht fair, der Stadt vorzuwerfen, dass sie das eine zwar macht ("Luftballons verbieten"), das andere aber nicht (Verpackungen reduzieren). Die Stadt verbietet auch eigentlich genaugenommen nichts, sie ändert ihr Verhalten: Auf Flächen der Stadt und in städtischen Einrichtungen werden keine Luftballonmassenstarts mehr abgehalten. Wo ist da der Aufreger? Ich denke, wir werden es überleben, Natur und Tiere danken es uns. Übrigens sind alte Ballons nicht nur für Vögel ein Problem, auch in der Landwirtschaft: Sie liegen auf Wiesen und gelangen über das Heu ins Futter oder in die Silage. Mahlzeit...

Es ist doch wirklich lächerlich was so manche Behörden sich immer wieder aus dem Kreuz leiern um sich ein politisches und ökologisches Denkmal zu setzten. Es wäre wirklich sinnvoller den Hebel des Plastikmülls woanders anzusetzen als an Luftballons. (die ja nicht wirklich zu tausenden in der Landschaft liegen)

War wieder einmal klar, dass Gütersloh Vorreiter sein will, wenn es ums Verbieten geht. Weil "es ja sein könnte, dass Luftballoons verboten werden", will man vorauseilend Gehorsam leisten. Man hat ja nichts wichtigeres zu tun.

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