Do., 12.09.2019

Junges Ehepaar aus Gütersloh angeklagt – 15 Jahre Haft drohen Wenn der Baseballschläger als Waffe gewertet wird

Staatsanwalt Martin Temmen verliest am Donnerstagmorgen im Saal 3 des Bielefelder Landgerichts die Anklage.

Staatsanwalt Martin Temmen verliest am Donnerstagmorgen im Saal 3 des Bielefelder Landgerichts die Anklage. Foto: Archiv

Von Carsten Borgmeier

Gütersloh/Bielefeld (WB). Als Ermittler im Juli 2018 das Einfamilienhaus der jungen Eheleute in Gütersloh-Friedrichsdorf stürmen, stoßen sie nicht nur auf eine illegale Hanf-Plantage. Ein an der Tür stehender Baseballschläger sowie ein Elektroschocker werden dabei als Waffen gewertet. Damit drohen den beiden 27-Jährigen bis zu 15 Jahre Haft.

Vor der 20. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Carsten Glashörster hat am Donnerstagmorgen im Landgericht Bielefeld der Prozess gegen das Ehepaar begonnen. Sichtlich geschockt und kreidebleich hören die gepflegt erscheinenden Angeklagten im Beisein ihrer Verteidiger Martin Lindemann (Bad Oeynhausen) und Dr. Sascha Böttner (Hamburg), was Staatsanwalt Martin Temmen ihnen vorwirft.

Ein Zeuge erscheint nicht vor Gericht

Demnach hatte die Polizei einen Tag vor dem Zugriff in Gütersloh schon die Wohnung eines 32-Jährigen in Zwickau (Sachsen) durchsucht, der als Käufer und Hehler der Drogen der Gütersloher überführt wurde und bereits verurteilt ist. Nach Angaben von Staatsanwalt Temmen betrieben die jungen Eheleute, die ein gemeinsames, 18 Monate altes Kind haben, einen schwunghaften Handel mit diversen illegalen Drogen wie Ecstasy, Crystal Meth und Cannabis.

Prozess-Auftakt kommt nur zäh in Gang

Letztgenanntes Rauschgift sollen die 27-Jährigen auf ihrer Hanf-Plantage in einem Verschlag des Wohnhauses selbst angebaut haben. Ihrem Kunden aus Zwickau übergaben sie nach Überzeugung des Anklägers Anfang Juli 2018 mehr als 4500 aus den Niederlanden eingeführte Ecstasy-Pillen; als Gegenwert erhielten sie demnach das Fiat-Wohnmobil des 32-Jährigen im Wert von rund 8000 Euro. Im Haus konnten zudem viele Utensilien zur Drogenproduktion sichergestellt werden.

Die auf zunächst drei Prozesstage angesetzte Hauptverhandlung kommt am Donnerstag indes nur schwer in Gang. Nachdem Temmen seine Anklage verlesen hat, fragt der Vorsitzende obligatorisch, ob sich die Beschuldigten zu den Vorwürfen einlassen wollen. Ein Geständnis würde schließlich strafmildernd gewertet. Da aber noch der bereits verurteilte Käufer aus Zwickau als Zeuge geladen ist und die Verteidiger dessen Ermittlungsakte vorher hinzuziehen wollen, kommt es zu mehreren Beratungspausen.

Wohnmobil gegen Drogen-Lieferung

Das Ehepaar zieht es dann vor, sich noch nicht zu äußern, und der zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilte Zeuge bleibt dem Verfahren unentschuldigt fern. Staatsanwalt Temmen beantragt daraufhin, ein Ordnungsgeld von 200 Euro gegen den Mann zu verhängen und ihn zum nächsten Prozesstag am Mittwoch, 25. September, polizeilich vorführen zu lassen.

Ein Urteil wird am Mittwoch, 2. Oktober, erwartet.

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