Do., 12.09.2019

Straßen NRW deckt Schmierereien an der B61 aus Sicherheitsgründen ab – mit Video Baum-Parolen werden jetzt verhüllt

Schwarze Folie verdeckt die Schriftzüge auf den Bäumen neben der Bundesstraße 61.

Schwarze Folie verdeckt die Schriftzüge auf den Bäumen neben der Bundesstraße 61. Foto: Carsten Borgmeier

Von Peter Bollig

Bielefeld/Gütersloh  (WB). Die Bäume entlang der Bundesstraße 61, auf denen Unbekannte mit Farbe ihren Protest gegen eine mögliche Abholzung formuliert haben, werden am Donnerstag in Höhe der Schmierereien mit schwarzer Folie umwickelt.»Das machen wir aus Gründen der Verkehrssicherheit«, sagt Sven Johanning, Sprecher des Landesbetriebes Straßen NRW, dem WESTFALEN-BLATT.

Auf mehr als 60 Bäumen an der B 61 im Bereich von Ummeln und Gütersloh wurden Sätze wie »Auto frisst Baum« in heller Farbe geschrieben. Dabei haben die Verursacher die Wörter so an die einzelnen Stämme geschrieben, dass erst im Vorbeifahren an mehreren Bäumen ein Satz erkennbar wird. An anderer Stelle wurden einzelne Buchstaben pro Baum aufgepinselt, die in der Reihung etwa das Wort »Stehenlassen« ergeben.

Initiative begrüßt die Aktion

Straßen NRW befürchtet, dass Autofahrer durch diese Art der Beschriftung über ein langes Straßenstück hinweg zu sehr abgelenkt werden könnten. Bis geklärt ist, ob und wie die Schmiererei von den Bäumen entfernt werden kann, soll schwarze Folie, die sonst üblicherweise nach Beschädigungen – etwa bei Unfällen – an Bäumen angebracht wird, die Beschriftung abdecken.

»Damit sind zwei Straßenwärter von Straßen NRW einen ganzen Tag lang beschäftigt«, sagt Sven Johanning und betont erneut, dass sich der Landesbetrieb rechtliche Schritte gegen die Verursacher vorbehält. Die sieht er – aufgrund des Inhalts der Schmierereien – in den Reihen der Gegner des geplanten vierspurigen Ausbaus der Bundesstraße.

Obwohl der Sprecher, wie berichtet, deutlich gemacht hat, dass die Verursacher nicht bekannt seien, fühlen sich Aktive der Bielefelder Initiative Radentscheid offensichtlich angesprochen. »Uns da etwas in die Schuhe schieben zu wollen, ist unlauter«, schreibt Radentscheid in einer Stellungnahme auf der Kommunikationsplattform Twitter. Gleichzeitig betont die Initiative: »Wir waren es nicht.«

Auch die Gütersloher Bürgerinitiative Energiewende erklärt, dass sie die Aktion nicht zu verantworten habe. »Aber wir finden sie gut«, sagt Felix Kupferschmidt, Sprecher der Arbeitsgruppe Verkehrswende der Initiative, weil offenkundig auch andere Akteure aktiv würden. Die Aktion sei »eine interessante Art, die Meinung zu äußern«.

Gegner befürchten Abholzung

Wie berichtet, hatten Unbekannte in der Nacht zu Mittwoch die Bäume mit Wörtern bepinselt. Der Protest richtet sich offenkundig gegen den geplanten Straßenausbau. Mehrere Initiativen, darunter der Bielefelder Radentscheid und in Gütersloh die Initiative Energiewende, kritisieren die Pläne und halten Straßenerweiterungen für ein falsches Signal, wenn es um die Mobilität der Zukunft geht. Gegner der Erweiterung fürchten zudem um die Bäume der als Allee angelegten Bundesstraße.

Straßen NRW betont indes, dass bislang nicht feststehe, ob dafür Bäume in größerem Umfang gefällt werden müssen. Sven Johanning verweist auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die jetzt erst anstehe.

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WB-Bericht hatte Radentscheid angesprochen

Im vorigen Bericht hieß es: „der Sprecher von Straßen NRW vermutet, dass die Verursacher in den Reihen der Aktivisten zu finden sind“. Da ist er also über die Aussage, die Verursacher seien nicht bekannt, hinausgegangen. Anschließend wurde im Artikel auf die anstehende Fahrraddemonstration hingewiesen, die vom Radentscheid und von der Initiative Energiewende Gütersloh und vom Radentscheid Bielefeld organisiert wird. Sicherlich ist dieser Verweis eigentlich freundlich und im Sinne einer umfassenden Berichterstattung hilfreich. Andererseits legt diese Kombination natürlich nahe, dass die Initiativen sich dadurch „angesprochen fühlen“ und das als Anlass zur Klarstellung ansehen.

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