Di., 17.09.2019

LWL-Klinikum Gütersloh investiert zehn Millionen Euro in neue Psychosomatik Eine Klinik für die Seele

Drei Geschosse, zwei abgewinkelte Baukörper mit einem Sockel- und zwei Obergeschossen. Optisch sieht die geplante psychosomatische Klinik wie die bereits fertige Bernhard-Salzmann-Klinik aus. Oben rechts im Bild ist die Kreuzkirche erkennbar.

Drei Geschosse, zwei abgewinkelte Baukörper mit einem Sockel- und zwei Obergeschossen. Optisch sieht die geplante psychosomatische Klinik wie die bereits fertige Bernhard-Salzmann-Klinik aus. Oben rechts im Bild ist die Kreuzkirche erkennbar.

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Burnout, Depressionen, Schmerzen in Magen und Darm – die Zahl psychosomatischer Erkrankungen steigt von Jahr zu Jahr. Das LWL-Klinikum Gütersloh investiert zehn Millionen Euro in einen Neubau, um mit der Behandlung Schritt zu halten.

Durch den Einfluss der Seele (Psyche) auf den Körper (Soma) fühlt sich der Patient krank, doch der Arzt findet keine rein organische Ursache. Das Gefühl, seelisch ausgebrannt zu sein, ist das bekannteste Symptom. Ebenso zählen Rückenschmerzen, Ohrgeräusche oder eine gestörte Wahrnehmung des eigenen Körperbildes hinzu. Krankenkassen schätzen, dass mindestens 25 Prozent der deutschen Erwachsenen einmal oder dauerhaft an psychosomatischen Beschwerden leiden. Im LWL-Klinikum sind die stationären Belegungszahlen in den vergangenen fünf Jahren um zehn Prozent gestiegen.

In Gütersloh werden diese Beschwerden seit 2013 nicht nur psychotherapeutisch, sondern im Zusammenhang mit körperlichen Erkrankungen (zum Beispiel Tumore, Multiple Sklerose), Essstörungen und Traumafolgestörungen behandelt. Ärzte aus der Psychotherapie, der Inneren Medizin und der Neurologie arbeiten eng zusammen – sie werden von den beiden Gütersloher Allgemeinkrankenhäusern auch als Fachärzte in Bedarfsfällen hinzugezogen. Der Neubau soll den interdisziplinären Ansatz architektonisch und arbeitsökonomisch unterstützen.

Suchttagesklinik bleibt erst einmal stehen

Allerdings wird er nicht mehr wie geplant auf dem Areal der stationären Suchtbehandlung und Suchttagesklinik (Haus 08) errichtet werden. Patienten, Pfleger und Ärzte sollten deshalb in die ehemalige Bernhard-Salzmann-Klinik (Haus 55) umziehen. Doch der dort erforderliche Investitionsbedarf in Brandschutz, Ruftechnik und neue Räume wäre so hoch, dass dem Klinikum auf absehbare Zeit hohe Defizite drohen würden. Also bleibt Haus 08 erst einmal solange stehen, bis die neue psychosomatische Klinik fertig ist, zwei Stationen in den Häusern 002 und 006 umziehen können und damit Platz für die Menschen aus Haus 08 schaffen.

Der Neubau wird statt dessen unmittelbar vor der Kreuzkirche errichtet. Mit der gegenüberliegenden, neuen Salzmann-Klinik, dem Haus 010 (Sozialzentrum, Bibliothek, Kiosk, Friseur, Patientenrestaurant) und Haus 007 (Zentrale Aufnahme und Physiotherapie) wird es ein neues Ensemble außerhalb der Gartendenkmal-Zonen bilden. Dafür muss eine 4000 Quadratmeter große Waldfläche gerodet werden, die in Absprache mit dem Regionalforstamt OWL im Verhältnis 1:2 wieder aufgeforstet wird. Standortprägende Bäume sollen erhalten bleiben. Der LWL steuert 591.000 Euro zur Finanzierung bei, das Land 1,5 Millionen Euro.

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