Do., 19.09.2019

Gütersloh: Heinz-Werner Miele aus Friedrichsdorf ist doppelt betroffen Befürworter und Gegner in einer Person

Heinz-Werner Miele sieht nur in einem gemeinsamen Vorgehen von Gegnern und Befürwortern die einzige Chance für eine Verkehrsentlastung in Friedrichsdorf.

Heinz-Werner Miele sieht nur in einem gemeinsamen Vorgehen von Gegnern und Befürwortern die einzige Chance für eine Verkehrsentlastung in Friedrichsdorf. Foto: Stephan Rechlin

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Der in Friedrichsdorf wohnende Heinz-Werner Miele (67) kann gegen sich selber demonstrieren. Als Anlieger der Birkheide ist er unmittelbar von Lärm, Gestank und Stau auf der Windelsbleicher- und Buschkampstraße betroffen. Als Besitzer des Gütersloher Teils des Miele-Waldes würde ihn der Bau einer Ortsumgehung direkt treffen.

Den Streit um die Umgehung verfolgt er, seit er kleiner Junge war. Immer wieder sei zu Hause darüber diskutiert worden. Über die Jahrzehnte habe er festgestellt: Beide Seiten haben recht. Es stimme ja, was die Umgehungs-Befürworter über den Verkehr sagten: »Mindestens zweimal am Tag sind Avenwedder, Paderborner, Brackweder und Windelsbleicher Straße durch den Berufsverkehr verstopft.« Falls auf der Autobahn noch ein Unfall passiere, breche im Ortskern alles zusammen: »Die Autobahnabfahrt ist die Büchse der Pandora für Friedrichsdorf. Die hätte nicht gebaut werden dürfen«. Wenn er an solchen Tagen versuche, aus der Birkheide heraus abzubiegen, sei er auf fahrende Samariter angewiesen, die genug Mitleid aufbrächten, um ihn in den Stau einfädeln zu lassen.

Trasse führt direkt durch seinen Wald

So viel Verständnis er für die Befürworter einer Ortsumgehung auch aufbringe – ihn ärgern Behauptungen, wonach durch die neue Straße praktisch keine Natur vernichtet werde. Die Trasse der geplante Umgehung würde direkt durch seinen Wald führen. Der sei nach dem Krieg aufgeforstet worden; damals dort vorfindbare Heide, Magerrasen, Ginster seien heute noch auf einer Lichtung zu sehen. Wald- und Weymouth-Kiefer hätten Stürme und Trockenheit erstaunlich gut überstanden und würden sogar mit dem Borkenkäfer fertig. Zu ihnen hätten sich im Laufe der Jahre Birken, Rotbuchen, Eichen gesellt: »Das ist ein Mischwald wie er in Dürrezeiten vom Regionalforstamt gefordert wird.« Falls es irgendwann mal wieder mehr regne, würden ein durch den Wald fließender Bach und ein nahe gelegener Teich auch wieder mehr Wasser führen. Miele: »Im Biotopverbundsystem Gütersloh ist dieses Wald- und Wiesenstück ein wichtiges Brückenelement. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Umweltverträglichkeitsstudie zur Planfeststellung der Umgehung darüber hinweg gehen würde.«

Im jahrelangen, familieninternen Abwägungsprozess hätten sich zwei Gemeinsamkeiten von Befürwortern und Gegnern einer Umgehung herausgeschält: »Beide wollen den Durchgangsverkehr aus Friedrichsdorf raus haben. Und beide wollen die vorhandene Natur schützen und erhalten, weil sie ja gerne hier leben.«

Statt die Natur durch eine neue, 15 Meter breite Fahrbahn noch weiter zu dezimieren, sollten sich Befürworter und Gegner an einen Runden Tisch setzen und sich gemeinsam für spürbare Verkehrsverbesserungen einsetzen: • Die verheerende Funktion einer Ausweichstrecke im Falle von Autobahnunfällen muss aufgehoben werden. Lkws dürfen nicht mehr länger durch den Ortskern fahren.• Die Ampelschaltung an der Kreuzung der vier Straßen muss flexibel auf das Verkehrsaufkommen reagieren können. Derzeit sorgten abbiegende Lkws dort auch dann für Staus, wenn auf den Straßen gar nicht so viel los sei.• Die Bekelheiderstraße kurz hinter der Autobahnabfahrt muss verbreitert werden, um Umleitungsverkehr verkraften zu können.

Ohne den Runden Tisch würden sich Befürworter und Gegner nur weiter jahrelang gegenseitig blockieren. Gemeinsam entwickelten sie eine höhere Schlagkraft.

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