Fr., 20.09.2019

13-Jährige aus Gütersloh missbraucht: Lippstädter (22) verurteilt Miese Masche mit Sexting

Der 22-jährige Lippstädter musste sich vor dem Paderborner Landgericht verantworten.

Der 22-jährige Lippstädter musste sich vor dem Paderborner Landgericht verantworten. Foto: Hannemann

Von Ulrich Pfaff

Gütersloh/Paderborn/Lippstadt (WB). Er ist adrett frisiert, kann sich gewählt ausdrücken und gibt sich verbindlich. Aber seine Taten sprechen eine andere Sprache: »Unerbittlich und eisenhart«, sagt eine Anwältin, sei der 22-Jährige auf der Anklagebank – um sich zu holen, was er will. Intime Fotos und Videos, sogar Sex, immer von minderjährigen Mädchen. Das jüngste seiner Opfer lebt in Gütersloh – er bleibt noch eine Zeitlang im Herforder Jugendknast.

Sexting ist mittlerweile ein Begriff aus dem Umgangssprachschatz von Jugendlichen: Kommunikation auf sozialen Medien, in denen es eindeutig um Sex geht. Der 22-Jährige hat daraus eine Masche gemacht, um an Fotos und Videos von minderjährigen Mädchen zu kommen.

Zum vierten Mal musste sich der Lippstädter vor dem Paderborner Landgericht verantworten – stets wegen gleich gelagerter Taten. Nach Verfahren 2015, 2016 und 2017 wäre seine Gesamtjugendstrafe von knapp drei Jahren mittlerweile abgesessen, hätte nicht die Auswertung seiner Handys nach dem letzten Prozess erneut genügend Material für eine weitere Anklage zutage gefördert.

Fotos in einer WhatsApp-Gruppe verbreitet

Verbreitung pornografischer Inhalte und Besitz von Kinder- und Jugendpornografie bis hin zum sexuellen Missbrauch eines Kindes wurden ihm vorgeworfen. Das jüngste Opfer war eine damals 13-Jährige aus Gütersloh: Im Juli 2015 hatte er mit dem Mädchen im Haus seiner Großeltern Sex – nachdem er ihr, wie in vielen anderen Fällen, mit der Veröffentlichung von Nacktfotos gedroht hatte, die das Mädchen ihm zuvor selbst geliefert hatte. Weil die 13-Jährige sich danach weigerte, erneut Sex mit ihm zu haben, verbreitete der 22-Jährige später tatsächlich solche Fotos in einer WhatsApp-Gruppe.

Ein exemplarischer Fall von mehreren: Zwischen Mai 2015 und Oktober 2016 soll der Lippstädter 22 Mädchen, vorwiegend aus Nordrhein-Westfalen, dazu genötigt haben, intime Fotos und Videos von sich aufzunehmen und ihm aufs Handy zu schicken. Mehrmals waren es nicht nur Dateien, die er verlangte, sondern echter Sex – den er auch bekam.

Geständnisse aus taktischen Gründen

Mehr als 50 Fälle waren angeklagt vor der 5. Großen Jugendkammer des Landgerichts. Einen großen Teil der Anklagevorwürfe stellte die Kammer nach der Beweisaufnahme ein und konzentrierte sich auf zehn Opfer, die tatsächlich als Zeuginnen vernommen wurden – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch im Abgleich mit Chatprotokollen und den digitalen Beweismaterial blieb für die Richter kein Zweifel, dass der 22-Jährige die Mädchen massivst unter Druck gesetzt hatte, um seinen Willen zu bekommen.

Am Ende der Beweisaufnahme stand für die Staatsanwaltschaft fest, dass der Lippstädter seine teilweisen Geständnisse lediglich aus taktischen Gründen abgelegt hatte, und seine Entschuldigungen eher formaler Natur waren. Aufgrund seiner bisherigen Uneinsichtigkeit – er hatte einen Teil der jetzt verhandelten Taten während laufender Ermittlungen in den anderen Verfahren begangen ­ – warnte ihn die Staatsanwältin: Wenn er als Erwachsener in ähnlicher Weise straffällig würde, »dann muss man auch über Sicherungsverwahrung sprechen.«

Vier Jahre und neun Monate Haft

Die Anwältin der 13-jährigen Nebenklägerin aus Gütersloh, Gabriele Martens, nahm kein Blatt vor den Mund: »Systematisches, hochgradig manipulatives und gefühlskaltes Verhalten eines jungen Mannes, der junge Mädchen für seine eigene sexuelle Befriedigung ausgenutzt hat.«

Die 5. große Jugendkammer kam im Strafmaß der Staatsanwaltschaft nahe: Vier Jahre und neun Monate Haft, unter Einbeziehung der beiden letzten Verurteilungen. Den Beischlaf mit der 13-jährigen Gütersloherin, auch wenn er einvernehmlich stattgefunden hatte, wertete die Kammer als schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes.

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