So., 22.09.2019

Demo gegen den Ausbau der B 61 mit deutlich mehr Teilnehmern als erwartet 1500 Radler setzen ein Zeichen

Für eine halbe Stunde ist am Sonntag Nachmittag die Kreuzung am Schenkenhof komplett gesperrt. 1500 Teilnehmer der Rad-Demo kommen dort zu einer Kundgebung zusammen.

Für eine halbe Stunde ist am Sonntag Nachmittag die Kreuzung am Schenkenhof komplett gesperrt. 1500 Teilnehmer der Rad-Demo kommen dort zu einer Kundgebung zusammen. Foto: Stefan Lind

Von Stefan Lind und Peter Bollig

Gütersloh (WB). Mit 400 Teilnehmern hatten sie gerechnet, gekommen sind 1500: Die Fahrrad-Demo der AG Verkehrswende gegen den Ausbau der B 61 hat sich am Sonntag aus Sicht der Veranstalter als unerwartet großer Erfolg erwiesen.

Gut 900 Radler hatten sich kurz nach 15 Uhr am Gütersloher Rathaus auf den Weg gemacht, von der anderen Seite kamen ihnen 600 Demonstranten entgegen, die am Kesselbrink in Bielefeld losgefahren waren. Gemeinsames Ziel war die Schenkenhof-Kreuzung in Isselhorst. Radler auf Renn- und Tourenrädern waren zu sehen, auf Tandems, Liegerädern und Lastenrädern, teils bunt bemalt, ausgestattet mit Fahnen und Anhängern. Besonders augenfällig waren die »Klima-Engel« vom Bielefelder Radentscheid in weißer Montur mit Flügeln und weißen Fahrrädern.

Eine Stunde hatten die beiden Gruppen für die rund zwölf Kilometer bis zum Schenkenhof eingeplant. Noch vor dem Ziel reihten sich die Teilnehmer aus Gütersloh, die am Schenkenhof erst einmal vorbeifuhren, in Ummeln bei der Bielefelder Gruppe ein, um dann gemeinsam am Kundgebungsort anzukommen.

Dort bekräftigte Anette Klee, die die Veranstaltung erst vor knapp drei Wochen angemeldet hatte, in einer kurzen Rede, die immer wieder von Beifall unterbrochen wurde, die Entschlossenheit der Demonstranten: »Wir haben keine Zeit zu verlieren, um zu zeigen, was wir nicht wollen.« Ihre Forderung: »Kein vierspuriger Ausbau, nicht jetzt und nicht später.« Notwendig sei eine echte Verkehrswende: »Wir brauchen nicht immer mehr Autos, die uns die Luft zum Atmen nehmen.«

»Kein Ausbau, nicht jetzt und nicht später«

Die Gütersloher Ortsgruppe von »Fridays for Future« hatte sich an der Demo beteiligt. »Der Ausbau der B 61 ist ein Zeichen einer veralteten Planung, die nicht zur Verkehrsentlastung beiträgt, sondern lediglich das Gegenteil bewirkt. Besonders angesichts der dringend notwendigen Verkehrswende ist dies absolut nicht angemessen«, betonte Aktivistin Michelle Beste.

Die Demonstranten befinden sich in guter Gesellschaft, denn auch die SPD-Fraktion im Gütersloher Rat lehnt die Ausbauplanungen ab, wie sie am Wochenende bekannt gab. Angesichts der anhaltenden Klimadiskussionen sei der vierspurige Ausbau »das absolut falsche Signal«, so Thomas Ostermann, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion.

Einen ganz anderen Blick auf die Dinge haben dagegen die beiden heimischen CDU-Landtagsabgeordneten André Kuper und Raphael Tigges. »Aktuell gibt es keine konkreten Planungen für den Ausbau«, erklärte Tigges in einer schriftlichen Stellungnahme. »Für die heutigen Staus und die Verkehrsprobleme müssen Lösungen gefunden werden, durch die die Bäume am Rhedaer Forst und die Alleestraße Richtung Bielefeld erhalten bleiben können.« Niemand brauche Angst zu haben, dass über die Köpfe der Menschen hinweg mit unerwünschten Baumaßnahmen begonnen werde. Der Ausbau der B 61 sei nicht Teil des NRW-Arbeitsprogramms für 2019. Die Demonstranten mochten das nicht so recht glauben. Als die Stellungnahme während der Kundgebung verlesen wurde, gab es kräftige Buh-Rufe.

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