14-Jährige vergewaltigt: Prozess gegen neun junge Männer startet mit Hindernissen
Verfahrenshaft angedroht

Gütersloh/Bielefeld (WB). Einer der Jungen (17) ist am Mittwochmorgen ganz normal zur Schule gefahren. Er hatte den Prozess-Termin wohl vergessen. Ein zweiter Angeklagter (18) wurde von der Polizei aus Wuppertal in den Gerichtssaal nach Bielefeld gebracht. Das Verfahren konnte also doch noch beginnen.

Mittwoch, 25.09.2019, 19:33 Uhr aktualisiert: 25.09.2019, 19:46 Uhr
Der 16-jährige Angeklagte A. (Mitte) hat sich zum Prozess-Auftakt zu den Vorwürfen geäußert. Links sitzt sein Dolmetscher, rechts Verteidiger Alexander Strato. Foto: Carsten Borgmeier
Der 16-jährige Angeklagte A. (Mitte) hat sich zum Prozess-Auftakt zu den Vorwürfen geäußert. Links sitzt sein Dolmetscher, rechts Verteidiger Alexander Strato. Foto: Carsten Borgmeier

Die Vorsitzende Richterin der Jugendschutzkammer am Landgericht Bielefeld, Beate Schlingmann, machte den insgesamt neun beschuldigten jungen Männern gleich zu Beginn deutlich, dass sie in dem Strafprozess wegen der mutmaßlichen Vergewaltigung einer 14-Jährigen im November 2017 in Harsewinkel absolut keinen Spaß versteht.

Ein Angeklagter wird von der Polizei gebracht

Sollte es erneut zu unpünktlichem Erscheinen oder gar unentschuldigtem Fernbleiben kommen, könne sie auch eine Haft während der Dauer des Prozesses gegen die 16- bis 21-jährigen Angeklagten anordnen. »Dann sitzen Sie bis zum Urteil erstmal in einer Gefängniszelle«, sagte die Vorsitzende der vierten Strafkammer.

Neun Angeklagte, neun Verteidiger, neun Dolmetscher: Da es sich bei der beschuldigten Gruppe durchgängig um Jugendliche mit syrischen Wurzeln handelt und das Gericht sicherstellen will, dass alle auch dem Prozess inhaltlich folgen können, sitzen eben auch die Sprachmittler neben ihnen. Wegen dieses Personal-Umfanges wurde der Prozess kurzfristig von Saal 3 in den größeren Saal 1 verlegt.

Video-Sequenzen als wichtige Beweismittel

Fünf der Angeklagten sollen der Anklage zufolge bei einer spontanen Kellerparty das Opfer aus Gütersloh vergewaltigt und sich dabei gefilmt haben. Die übrigen Vier wollen nur zugeschaut haben, als das offenbar volltrunkene und entkleidete Mädchen wehrlos auf einem Sofa mehrfach missbraucht worden sei.

Ein erster Angeklagter, der von Rechtsbeistand Alexander Strato vertretene 16-jährige A. aus Harsewinkel, versuchte am Mittwoch, die Hauptschuld auf die anderen Beteiligten sowie auf das Opfer abzuwälzen. Das Mädchen habe schließlich von sich aus eine Flasche Wodka zu dem Treffen mitgebracht und ausgetrunken. Der Angeklagte A., dem unter anderem Vergewaltigung vorgeworfen wird, will bei der Sex-Orgie nicht in dem Raum mit dem Sofa gewesen sein.

Er räumte allerdings ein, dass ein Teil der Freunde im Vorfeld der Party angekündigt habe, das Mädchen auch sexuell anzugehen.

Urteil wird am 11. Dezember erwartet

Auf dem Handy von A. wurden allerdings der Anklage zufolge mindestens fünf Video-Sequenzen gefunden, die die Vergewaltigung der Gütersloherin dokumentieren. Diese pornografischen Filme hatten das Strafverfahren vor fast zwei Jahren erst ins Rollen gebracht, weil sie von eben diesem Mobiltelefon des 16-Jährigen an Dritte in Beelen und Bielefeld verschickt worden waren.

Für Staatsanwältin Farwick sind diese sichergestellten Videos mit die stärksten Beweismittel, denn das Mädchen soll in den Sequenzen mehrmals die Jungen angefleht haben, mit dem Vergewaltigen aufzuhören.

Der öffentliche Prozess wird an diesem Donnerstag um 11 Uhr im Landgericht fortgesetzt.

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