Mi., 09.10.2019

Gütersloh: In ihren Jahresbilanzen verliert Sparkasse kein Wort über Christoph Bender Der verheimlichte Vorstand

Christoph Bender ist 2014 zum Vorstand der Sparkasse Gütersloh berufen und gleich danach wieder entlassen worden. Doch die Kündigung war rechtswidrig. In vier Jahren gewann er 22 Prozesse gegen die Sparkasse.

Christoph Bender ist 2014 zum Vorstand der Sparkasse Gütersloh berufen und gleich danach wieder entlassen worden. Doch die Kündigung war rechtswidrig. In vier Jahren gewann er 22 Prozesse gegen die Sparkasse. Foto: Stephan Rechlin

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Den Sparkassen-Vorstand Christoph Bender gibt es nicht. Den Bilanzen der Sparkasse Gütersloh-Rietberg zufolge hat es ihn auch nie gegeben. Nicht einmal in der jetzt veröffentlichten Jahresbilanz 2018 taucht der Name des 2014 bestellten und gleich wieder entlassenen Vorstandsmitgliedes auf.

Dabei kassierte er in all diesen Jahren sein volles Gehalt – 22.500 Euro im Monat – plus 15 Prozent Leistungszulage, ohne auch nur einen Fuß in sein Büro am Konrad-Adenauer-Platz gesetzt zu haben. Die Gesamtsumme seiner Bezüge und Leistungszulagen bis zum 30. September 2019 bildete die Grundlage des Vergleichs , den die Sparkasse nach vier Jahren Rechtsstreit und 22 verlorenen Einzelprozessen im Oktober 2018 mit Christoph Bender schloss.

Weder dieser Vergleich noch das vorausgegangene Verfahren ist dem Verwaltungsratsvorsitzenden Markus Kottmann (CDU) auch nur eine Silbe im »Bericht des Verwaltungsrates« als Teil der offiziellen Jahresbilanz wert. Dabei dürfte der dadurch erzeugte Schaden noch über dem ausgewiesenen Jahresüberschuss von 2,1 Millionen Euro liegen. Beide Seiten haben zur Höhe der Vergleichssumme Stillschweigen vereinbart, darum sind hier nur Schätzungen möglich. Die belaufen sich bei dem Bender zu zahlenden Ausfall auf entgangene Gehaltszahlungen auf zwei Millionen Euro und bei den in vier Jahren aufsummierten Gerichtsko-sten auf 250.000 Euro.

Verwaltungsrat trägt die Verantwortung

Die alleinige Verantwortung für dieses in der Sparkassengeschichte wohl einmalige Fiasko trägt der Verwaltungsrat. Er war formal für das in den Jahren 2013/2014 durchgeführte Besetzungsverfahren zuständig, auch wenn er die praktische Durchführung in hohem Ausmaß dem damaligen Sparkassen-Vorstand Jörg Hoffend überließ. Der vom Gütersloher Rat in das Gremium gesandte Markus Kottmann vertrat als vom Verwaltungsrat gewählter Vorsitzender die Sparkasse in allen 22 Prozessen vor Gericht. Doch weder zum Prozessverlauf noch zu dessen Ergebnissen verlor er auch nur ein Wort – obwohl die Sparkasse ein öffentlich-rechtliches Institut und er der gewählte Vertreter eines demokratisch legitimierten Gremiums ist. Das Schweigen setzt sich bis in die Jahresbilanzen der Sparkasse für die Jahre 2014 bis 2018 hinein fort, die ja über wesentliche und außergewöhnliche Geschäftsvorgänge Auskunft geben sollen. Einen Vorstand namens Christoph Bender aber hat es danach nie gegeben.

Die Suche nach Spuren Benders in den Zahlen bleibt ergebnislos. Die allgemeine Sicherheitsrücklage als Teil des Eigenkapitals beläuft sich auf 133 Millionen Euro. Vielleicht befindet sich der Fall Bender darunter, vielleicht auch in höheren Beiträgen an die Versicherung.

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