Do., 10.10.2019

»Unsere neuen Nachbarinnen«: Stadtmuseum zeigt sieben Frauen-Portraits Jedes Gesicht erzählt von der Flucht

Auch Yasemin (Foto) gehört zu den portraitierten Frauen im Fachwerkhaus des Stadtmuseums. Die dreifache Mutter stammt aus Syrien, lebt seit Februar 2019 in Gütersloh. »Die Einwohner hier sind nett«, sagt die Muslima.

Auch Yasemin (Foto) gehört zu den portraitierten Frauen im Fachwerkhaus des Stadtmuseums. Die dreifache Mutter stammt aus Syrien, lebt seit Februar 2019 in Gütersloh. »Die Einwohner hier sind nett«, sagt die Muslima. Foto: Carsten Borgmeier

Von Carsten Borgmeier

Gütersloh (WB). In ihrer neuen Heimat Gütersloh wollen sie nicht die Fremden bleiben: Die sieben Frauen auf den großformatigen Fotos im Stadtmuseum möchten sich integrieren. Deshalb haben sie sich von Gertraud Theermann für das Projekt ablichten lassen.

Fast vier Monate geöffnet

Die neue Ausstellung ist noch bis Montag, 27. Januar, zu den üblichen Öffnungszeiten des Stadtmuseums zu sehen.

Fatima (40) aus dem Irak gehört dazu, ebenso wie Layal (33), die vor den Kriegswirren in Syrien geflohen ist und seit zwei Jahren in Gütersloh lebt. Ihre Portraits und die von fünf weiteren Frauen aus dem Nahen und Mittleren Osten können jetzt bis Anfang kommenden Jahres in der Ausstellung »Gesichter Güterslohs – unsere neuen Nachbarinnen« im Fachwerkhaus an der Kökerstraße betrachtet werden. Zu jedem Bild gehört auch eine kleine Info-Tafel, auf der der Lebensweg der Abgebildeten in Kurzform zu lesen ist.

Nicht nur das Flüchtlingsschicksal verbindet diese Frauen – sie alle haben sich im Café Connect an der Kirchstraße erstmals getroffen und kennengelernt. Dort waren sie von Dr. Anna Noack (38) angesprochen worden, die als ehrenamtliche Helferin in der Einrichtung der Diakonie die Idee zu dem Foto-Projekt hatte. Gemeinsam mit ihrer Kollegin, der ebenfalls dort ehrenamtlich tätigen Deutschlehrerin Betty Winter (51), suchte Noack den Kontakt zu den Flüchtlingsfrauen.

Hemmschwellen abbauen

»Wir wollen Hemmschwellen abbauen«, sagt die 38-Jährige, die hauptberuflich beim kommunalen Integrationszentrum des Kreises Gütersloh tätig ist und Einheimische dazu animieren möchte, auf die »neuen Nachbarinnen« zuzugehen, sie anzusprechen. »Doch vielleicht wollen Gütersloher nicht distanzlos wirken oder sie haben Angst davor, mit schlimmen Schicksalen der Flucht konfrontiert zu werden«, mutmaßt Dr. Noack über die Zurückhaltung mancher, einfach mal im Café Connect vorbeizuschauen.

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Doch vielleicht wollen Gütersloher nicht distanzlos wirken oder sie haben Angst davor, mit schlimmen Schicksalen der Flucht konfrontiert zu werden.

Dr. Anna Noack

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Fatima (40) oder Layal (33) jedenfalls würden sich freuen, öfters mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. »Die Menschen helfen uns hier, die Bibliothek und das Café Connect gefallen mir gut«, berichtet Fatina, Ehefrau und Mutter von drei Kindern. Sie sagt allerdings auch, dass es ihrer Familie schwer falle, eine Wohnung auf dem freien Markt zu finden. »Liegt das möglicherweise an Vorurteilen uns Fremden gegenüber? Um dem entgegenzutreten, um sich einer Öffentlichkeit vorzustellen, haben sich die sieben Frauen von der Gütersloher Lehrerin und Hobby-Fotografin Gertraud Theermann (68), die ebenfalls ehrenamtlich im Café Connect tätig ist, ablichten lassen.

Thema Flucht und Zuwanderung hat große Bedeutung

Auch Dr. Franz Jungbluth, Leiter des Stadtmuseums, zeigt sich von dem Projekt angetan: »Das Thema Flucht und Zuwanderung hat große Bedeutung für Stadtgesellschaft und Kommunalpolitik.« Aus diesem Grund seien die Portraits im Stadtmuseum auch genau richtig platziert, so der Leiter. Doch jenseits der manchmal zugespitzten politischen Debatte gehe es immer um einzelne Menschen und ihr Alltagsleben. »Das war vor 500 Jahren genauso wie heute«, so Dr. Jungbluth, »und mit diesen Bildern können wir das der Stadt vor Augen führen.«

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