Mi., 09.10.2019

Friedrich-Ebert-Straße: Feuerwehr will Raubtier von Baum retten Waschbär lehnt Hilfe ab

Sieht putzig aus: Ein Waschbär hat sich am Mittwochmorgen von der Gütersloher Feuerwehr nicht von einem Baum retten lassen wollen.

Sieht putzig aus: Ein Waschbär hat sich am Mittwochmorgen von der Gütersloher Feuerwehr nicht von einem Baum retten lassen wollen.

Von Carsten Borgmeier

Gütersloh (WB). Die Gütersloher Feuerwehr ist am Mittwochmorgen zu einem Einsatz ausgerückt, um mutmaßlich eine hilflose Katze aus einem Baum an der Friedrich-Ebert-Straße zu retten. Doch es stellte sich heraus, dass es sich bei dem pelzigen Vierbeiner um einen höchst kletterfähigen Waschbären handelte.

Die Drehleiter war schon ausgefahren und das Tier zum Greifen nahe: Doch dann habe sich der Waschbär wohl dazu entschlossen, die Hilfe der Feuerwehr abzulehnen und den Baum direkt gegenüber des Sparkassen-Gebäudes im Kreuzungsbereich von Friedrich-Ebert- und Eickhoffstraße auf eigenen Pfoten zu verlassen, wie Stadtsprecherin Susanne Zimmermann auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage mitteilte.

Der Waschbär sei heruntergeklettert und habe unverzüglich das Weite gesucht, so Zimmermann. Nach Angaben von Feuerwehr-Chef Hans-Joachim Koch soll es der erste Rettungseinsatz in Gütersloh für ein solches Tier überhaupt gewesen sein.

Doch was hat ein solches Raubtier, das laut Wikipedia zur Familie der hundeartigen Kleinbären gehört, überhaupt in der Stadt zu suchen?

Selbst Hunden können Waschbären gefährlich werden

Nach Angaben von Dieter Schönknecht von der Gütersloher Kreisjägerschaft treibt Nahrungssuche die Waschbären zunehmend in urbane Gebiete. »Auf den Terrassen von Wohnungen finden sie Hundefutter in Näpfen, sie machen sich über Essensreste in Mülltonnen her, auf der Straße liegen Tüten mit Pommes oder Döner – einfacher geht es doch nicht«, so Schönknecht.

Seiner Ansicht nach stellt die zunehmende Population dieser aus Nordamerika stammenden Waschbären ein wachsendes Problem für die heimische Tierwelt dar: »Er frisst alles, was er kriegen kann. Besonders betroffen ist das Niederwild«, sagt der Jäger.

Auf Nahrungssuche in der Stadt

Schönknecht nennt Beispiele: »Waschbären haben keine Angst vor Wasser, sie können gut klettern und sind extrem anpassungsfähig. Sie plündern Fasanengelege, sie fressen Junghasen und gehen auch an Nester der Feldlerche heran.« Die nachtaktiven, wehrhaften Raubtiere hätten in der heimischen Region keine natürlichen Feinde, deshalb würden sie bejagt. Selbst Hunden könnten Waschbären gefährlich werden, so der Jäger aus Rheda-Wiedenbrück.

Der Obmann nennt Zahlen: 2018 seien im Kreisgebiet 798 Waschbären erlegt und 34 im Straßenverkehr getötet worden. Mit 295 erlegten Waschbären 2015 habe sich die Zahl erlegter Waschbären aktuell nahezu verdreifacht, so Dieter Schönknecht.

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