Do., 10.10.2019

Friesland-Campina verhandelt über Verkauf der Gütersloher Immobilie Alte Molkerei weckt frisches Interesse

Auf dem neuesten Stand: Bis zuletzt hat Friesland-Campina in den Gütersloher Standort investiert.

Auf dem neuesten Stand: Bis zuletzt hat Friesland-Campina in den Gütersloher Standort investiert. Foto: Dunja Delker

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Von den Immobilienportalen im Internet ist der mächtige Friesland-Campina-Komplex verschwunden. Nur ein Verkaufsschild an der Hans-Böckler-Straße erinnert derzeit daran, dass eine der größten Industrieanlagen in der Stadt leer steht.

Auf Anfrage bestätigt die Pressestelle, dass derzeit Gespräche mit möglichen Kaufinteressenten geführt werden: »Da sich potenzielle Interessenten gemeldet hatten, haben wir das Angebot zunächst einmal aus dem Netz genommen, um die ersten Gespräche in Ruhe führen zu können. Ob sich daraus konkrete Verhandlungen ergeben und eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Vereinbarung, wird sich zeigen«, lautet die Botschaft vom Konzernsitz aus Heilbronn.

Im Gütersloher Planungsausschuss tritt Bauordnungs- und Planungsamtsleiterin Inga Linzel Gerüchten entgegen, der Hornbach-Baumarkt würde dort einziehen. Ein Umzug der Baumarktkette sei planungsrechtlich nicht möglich, da sich ein großflächiger Einzelhandelsbetrieb nur in einem Sondergebiet innerhalb eines allgemeinen Siedlungsbereiches niederlassen dürfe. Auch im künftigen Bebauungsplan werde dort jedoch Gewerbe ausgewiesen. Linzel: »Demzufolge müsste es zunächst einen Antrag von Hornbach geben, dann den politischen Willen für eine Umsiedlung und daraufhin umfassende Planänderungsverfahren.« Alles sehr unwahrscheinlich.

Auf dem neuesten Stand

Darüber hinaus sprechen Ausdehnung, Ausstattung und Zustand der Immobilie gegen die Nutzung durch einen Baumarkt. Insgesamt stehen an der Hans-Böckler-Straße 5,3 Hektar zur Verfügung, davon wurden zuletzt 2,5 Hektar genutzt. Die Abfüllanlagen, eine Bakteriologie, die Abwasserreinigung, sämtliche Leitungen im Gebäude und die Elektronik – alles hat Friesland-Campina in den vergangenen 14, 15 Jahren auf den neuesten Stand gebracht. Herbert Strothmann hat die Produktionsanlagen 1974 selbst mit entworfen und ist mit seiner Molkerei vor 45 Jahren an diesen Standort umgezogen: »Die Anlagen hier können vom Investor aus irgendeiner anderen Branche leicht modifiziert genutzt werden. Und sei es, um Spinat in Dosen abzufüllen.« Er wünsche sich, dass das Werk möglichst schnell wieder in Betrieb genommen werde, damit das automatische Hochregallager wegen des Stillstandes keinen Schaden erleide.

Tönnies ist offen für Gespräche

Die ganze Ausrüstung erinnert an die Produktionsanlagen des Tönnies-Konzerns. Der aber sei nicht an den derzeit geführten Gesprächen beteiligt, teilt Sprecher Dr. André Vielstädte auf Anfrage mit: »Konkrete Gespräche gibt es nicht. Wir sind aber immer offen für potenzielle Standorte und Erweiterungsmöglichkeiten an unseren Betriebsstätten.«

Mit der Aufgabe des Standortes Gütersloh haben 220 Mitarbeiter von Friesland-Campina im vergangenen Jahr ihre Arbeitsplätze verloren. Ein Teil hatte sich mit dem Konzern verglichen, 70 Angestellten klagten. Ein Teil dieser Verfahren wird noch verhandelt.

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