Miele-Stammwerk in Gütersloh steht im Epizentrum der Neuausrichtung
Zittern an der Wäschetrommel

Gütersloh (WB). 240 Arbeitsplätze weniger bis Ende 2021, weitere 650 Arbeitsplätze bis Ende 2025 – der Miele-Stammsitz Gütersloh steht im Epizentrum der Neuausrichtung des Hausgeräteherstellers.

Donnerstag, 31.10.2019, 08:15 Uhr aktualisiert: 31.10.2019, 08:20 Uhr
Viel Platz in der Waschmaschinenfertigung. Bis 2025 sollen in Gütersloh 650 Menschen weniger für Miele arbeiten. Foto: dpa
Viel Platz in der Waschmaschinenfertigung. Bis 2025 sollen in Gütersloh 650 Menschen weniger für Miele arbeiten. Foto: dpa

Miele-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Andreas Bernstein fürchtet sogar noch weitere Hiobsbotschaften in den bevorstehenden Wochen: »So ist das immer bei McKinsey-Aufenthalten in Unternehmen. Es startet mit Stufe eins und endet bei den Stufen drei oder vier, die heute noch nicht mitgeteilt werden.«

Weder ihm noch dem Gütersloher Betriebsratschef Klaus Niebusch etwa sei die Zahl von 650 Stellen bekannt gewesen, die plötzlich im Zuge der Produktionsverlagerung nach Polen in Gütersloh abzubauen seien: »Dieser Abbau wird auch noch als unabänderlich bezeichnet. Damit hat sich doch jedes weitere Gespräch darüber erledigt.« Vom kommenden Montag an werde der Betriebsrat versuchen, mehr über die Stellen aus Vertrieb, Service, Logistik, IT und Finanzdienstleistungen zu erfahren, die abgebaut werden sollen. Klaus Niebusch: »Vielleicht ist durch eine gezielte Nachqualifizierung ja der Arbeitsplatz des einen oder anderen Kollegen zu retten.«

Prophezeiung wird erfüllt

Thomas Wamsler, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in den Kreisen Gütersloh und Warendorf, ist enttäuscht, dass Miele nicht mehr Vertrauen in die eigene Stärke aufbringe: »Um kurzfristig betriebswirtschaftliche Kennzahlen zu retten, wird das Alleinstellungsmerkmal geopfert: Kurze Wege und hohe Innovationskraft.« Mit Personalabbau und Produktionsverlagerung nach Osteuropa vollziehe Miele nur die Rettungsversuche anderer Unternehmen aus der Branche nach, die damit auch keinen Erfolg erzielt hätten: »Mieles Stärke liegt in der Entwicklung von hochtechnologischen Geräteserien wie der Generation 7000. Da hält niemand auf der Welt mit. Doch genau das riskiert Miele nun.«

Mit dem Personalabbau erfüllt Miele exakt die Prophezeiung, mit der Kreis-Wirtschaftsförderer Albrecht Pförtner von Kommune zu Kommune zieht. Danach werden neue, digitale Fertigungstechniken im industriestarken Kreis Gütersloh viele tausend Arbeitsplätze ersetzen. Doch weder sei der Dienstleistungssektor hier so stark aufgestellt, um diese Menschen aufzufangen, noch seien die Weiterbildungsstrukturen so weit entwickelt, um erforderliche, neue Qualifikationen zu vermitteln.

Wertschöpfung 4.0

Inzwischen rollen längst auch bei Miele fahrerlose Gabelstapler durch die Regalsysteme. Im ostwestfälischen Technologie-Netzwerk »It’s OWL« arbeitet Miele gemeinsam mit anderen Unternehmen an der Entwicklung »kollaborierender« (mitarbeitender) Roboter. Mit dem Fraunhofer Institut in Lemgo wurde bereits ein »Smart Assembly Trainer« entworfen, ein intelligenter, elektronischer Arbeitsplatz.

Diese Ansätze fasst Miele seit acht Jahren in seinem Wertschöpfungsprogramm 4.0 zusammen. »Mit den hier zu erzielenden Effizienzvorteilen lassen sich Renteneintritte und Stückzahlwachstum mit der bestehenden Belegschaft bewältigen. Über alle Werke erspart dies eine mittlere dreistellige Zahl an Neueinstellungen«, teilt das Unternehmen mit.

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