Mo., 04.11.2019

Entertainer Götz Alsmann und seine Band spielen in Gütersloh Zu Gast im »fernen Osten«

Die gestreiften Anzugjacken mögen gewöhnungsbedürftig sein, die Musik ist es nicht, denn Götz Alsmann und seine Band (hier Markus Paßlick und Ingo Senst) haben wohlbekannte Canzoni aus Italien in ihrem Programm.

Die gestreiften Anzugjacken mögen gewöhnungsbedürftig sein, die Musik ist es nicht, denn Götz Alsmann und seine Band (hier Markus Paßlick und Ingo Senst) haben wohlbekannte Canzoni aus Italien in ihrem Programm. Foto: Stefan Lind

Von Stefan Lind

Gütersloh (WB). In Paris ist er mit seinem Publikum schon gewesen, in New York, jetzt in Rom - allerdings nur auf musikalischer Entdeckungsreise, denn die Rede ist von Götz Alsmann, dem Grandseigneur der deutschen Unterhaltungsszene; einem der wenigen heimischen Künstler, für die der Begriff Entertainer nicht zu groß ist. Jetzt hat er Gütersloh, der »Perle Ostwestfalens« (O-Ton), einen Besuch abgestattet.

Alsmann und seine Band sind spät dran, denn die Tournee, die nach dem dazugehörigen Album schlicht »In Rom« betitelt ist, läuft schon seit zweieinhalb Jahren. Allerdings lassen sich das die Herren in ihren gewagt gestreiften Anzügen vor den fast ausverkauften Stuhlreihen in der Stadthalle nicht anmerken. Im Gegenteil: Alle Beteiligten haben so richtig Spaß an dem, was sie da mehr als zwei Stunden lang zelebrieren, und so mancher von Alsmanns Sprüchen kann nicht bereits von Anfang an im Programm sein angesichts des Grinsens auf den Gesichtern seiner musikalischen Mitstreiter.

Der Vieleskönner aus Münster hat angekündigt, es bei der Städte-Trilogie belassen zu wollen, und es ist ihm durchaus hoch anzurechnen, dass er dieses Erfolgsrezept nicht bis zum Exzess weiter verfolgt. Alle drei Alben verkauften sich bestens, die Hallen sind stets hervorragend gefüllt – wer aber alle drei Programme erlebt hat, der merkt schnell, dass es etliche Parallelen gibt, ja geben muss. Denn stets sucht sich Alsmann, der auch als Musikhistoriker einen guten Ruf hat, Schlagerpretiosen aus dem jeweiligen Land aus, zu denen irgendwann mal ein deutscher Text geschrieben wurde. Dazu ein unverwechselbares Arrangement, hin und wieder aufgelockert mit ein paar Kabinettstückchen, fertig.

Von »Azzuro« bis »Marina«

In Gütersloh funktioniert dieses Prinzip wie andernorts auch, das Auditorium ist begeistert. Hinzu kommt, dass Götz Alsmann all die Nummern ausgesucht hat, die der deutsche Musikkonsument mit Italien verbindet: »Quando, Quando, Quando«, »Ciao, Ciao Bambina«, »Azzuro«, »Come prima«, »Marina«, »Volare«, die Capri-Fischer (aus deutscher Feder) und und und. Zugegeben: Bei einem abendfüllenden Programm bleibt auch Platz für ein paar Raritäten, zum Beispiel aus der Feder des von Alsmann so sehr verehrten Fred Buscaglione. Und ein Ausflug in die Klassik (Verdis »Troubadour«) sitzt ebenfalls noch drin.

Die Götz Alsmann Band spielt all diese Hits und Sammlerstücke hoch kompetent, auf den Punkt genau und trotzdem mit dem nötigen Swing. Allein dafür gehört Alfrid Maria Sicking (Vibraphon), Ingo Senst (Kontrabass), Markus Paßlick (Perkussion) und Rudi Marhold (Schlagzeug) Respekt. Der Chef betätigt sich als Pianist, Sänger und Geschichtenerzähler, wobei er erfreulicherweise nicht mehr so ausufernd plaudert wie in den Vorjahren, was dem Ablauf des Abends nachhaltig hilft, vor allem im ausgesprochen kurzweiligen zweiten Teil.

Natürlich holt Alsmann für die heftig erklatschte Zugabe seine Ukulele heraus. Mehr noch: Er improvisiert anschließend ein bisschen am Klavier und kramt seine Erinnerungen an Gütersloh hervor, zum Beispiel an einen Dixieland-Frühschoppen vor Jahrzehnten in der alten Heuwaage, als auf der Bühne mehr Leute als im Publikum waren. Ansonsten liege diese Stadt von seiner Heimat Münster aus gesehen im fernen Osten, »fast in der Mongolei«. Und wie kriegt man die Leute endgültig rum? Natürlich mit einem Kompliment: »Wo hat das Publikum Niveau? Nirgends wie in Gütersloh.«

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