Mo., 11.11.2019

Gütersloh: Gedenkfeier an die Reichspogromnacht mobilisiert 200 Menschen Bürger setzen Zeichen gegen Antisemitismus

Gedenkstunde am Gütersloher Synagogenmahnmal mit rund 200 Bürgern: Auch Pater Gabriel als Vertreter der syrisch-orthodoxen Kirchengemeinde zündet eine Kerze an.

Gedenkstunde am Gütersloher Synagogenmahnmal mit rund 200 Bürgern: Auch Pater Gabriel als Vertreter der syrisch-orthodoxen Kirchengemeinde zündet eine Kerze an. Foto: Uwe Caspar

Von Uwe Caspar

Gütersloh (WB). Es ist bitterkalt und ein eisiger Wind pfeift um die Häuser an der Daltropstraße. Gleichwohl sind zur diesjährigen Gedenkfeier an die Reichspogromnacht, die auch die Stadt Gütersloh nicht verschonte, rund 200 Menschen erschienen: So viele kamen bei den Gedenkstunden in den zurückliegenden Jahren nur selten zusammen.

Bürgermeister Henning Schulz sieht in der ungewöhnlich großen Resonanz eine Verbindung zur aktuellen politischen Situation und zum Synagogenanschlag Anfang Oktober im sächsischen Halle. »Gewalt und antisemitische Hetze haben leider zugenommen. Dass heute hier so viele Leute der Pogromnacht gedenken, finde ich als sehr positiv«, sagt Schulz. Auch Pfarrer Reinhard Kölsch wertet die Anteilnahme der Bevölkerung am Synagogenmahnmal als ein »deutliches Zeichen an diesem Tag der Erinnerung und Verantwortung«. Kölsch räumt gleichzeitig ein, dass die Kirche meistens tatenlos zugesehen habe bei den Gräueltaten der Nationalsozialisten und meint kritisch: »Damit hat die Kirche große Schuld auf sich geladen.«

Schüler erinnern ans lokale Geschehen

An das lokale Drama am 8. November 1938 erinnern im Rahmen der von Christenrat und Stadt inszenierten Feierstunde Schülerinnen des Evangelisch Stiftischen Gymnasiums: Anna Remmert, Jessika Szczech, Lillian Kontny und Luise Held wechseln sich bei ihrem Vortrag ab. Sie schildern noch einmal, wie SS-Leute die Synagoge in Brand setzten und später auch die Häuser der Familien Daltrop, Löwenbach und Rotwinkel anzündeten. Von Deutschland aus dürfe nie wieder antisemitische Gewalt ausgehen, fordern die vier jungen Rednerinnen, trotzdem komme es immer wieder zu »beängstigenden Zwischenfällen«.

Für Henning Schulz (»Vor einem Monat standen wir auch schon hier aus Anlass des Anschlags in Halle») ist es wichtig, dass das düsterste Kapitel der Deutschen niemals vergessen wird. Der Bürgermeister: »Diese Geschichte muss weitererzählt werden, zumal es immer weniger Zeitzeugen gibt.« Die auch in Gütersloh vorhandenen »Stolpersteine«, so betont Schulz in seiner Rede, seien ein Symbol der Mahnung und keine »reine Stadtdekoration«.

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