Sa., 16.11.2019

Gütersloh: Vermieter weisen Kindertagespflegen ab – Angst vor Lärm und Auflagen Kinder sind unerwünscht

Janine Nottbrock, Kristin Könighorst (mit Brille), Daniela Wiesowski (nicht auf dem Bild) und die kleinen Racker der Kindertagespflege Bollerbuchse freuen sich, nach zwei Jahren Suche ein neues Domizil gefunden zu haben.

Janine Nottbrock, Kristin Könighorst (mit Brille), Daniela Wiesowski (nicht auf dem Bild) und die kleinen Racker der Kindertagespflege Bollerbuchse freuen sich, nach zwei Jahren Suche ein neues Domizil gefunden zu haben. Foto: Stephan Rechlin

Von Stephan Rechlin

Gütersloh (WB). Eine Gütersloher Tagesmutter ist in ihrer Wohnung nicht mehr erwünscht. Sie muss samt der von ihr betreuten Kinder bis Ende November ausziehen und sich etwas Neues suchen. Den meist älteren Mitbewohnern ist es zu laut. Die Chancen, eine neue Bleibe zu finden, stehen für sie miserabel.

Um die Aussichten, etwas Neues zu finden, nicht noch weiter zu trüben, verzichten sie und die betroffenen Eltern lieber auf ein Gespräch mit der Presse. Doch Erfahrungen wie sie hat auch die Kindertagespflege Bollerbuchse gesammelt. Sie muss ihr Domizil an der Siegfriedstraße wegen eines Wasserschadens verlassen und sucht seit mehr als zwei Jahren nach einer Alternative.

Tagesmutter Janine Nottbrock: »Sobald mögliche Vermieter hören, dass wir Kinder betreuen wollen, ist das Gespräch beendet.« Ihre Taktik, diesen Umstand zu Beginn einer Kontaktaufnahme gar nicht zu erwähnen und erst kurz vor Ende des Gespräches anklingen zu lassen, sei auch nicht aufgegangen. Haus- und Wohnungsbesitzer würden vor allem von zwei vermeintlichen Einschränkungen abgeschreckt.

Angst vor Lärm

Zum einen fürchteten sie sich vor Lärm. Und das sowohl während der Spielzeiten als auch während der Bring- und Abholzeiten am Morgen und am Nachmittag. Bollerbuchse-Mitgründerin Kristin Könighorst: »Wir betreuen kleine Kinder bis zum Alter von drei Jahren. Außerdem haben wir die Qualifikation, ein inklusives Kind mit zu betreuen.« Während eines Vormittags spielten die Kinder miteinander, ließen sich etwas vorlesen oder ruhten sich aus: »So kleine Kinder können gar nicht laut sein.«

Die Bring- und Abholzeiten habe die Bollerbuchse mit den Eltern abgesprochen und gestaffelt. Sie würden die Kinder am Morgen zwischen 8 und 8.45 Uhr bringen und am Nachmittag zwischen 14.30 und 15 Uhr abholen. Janine Nottbrock: »Die Eltern begegnen sich gar nicht. Und falls doch, ist es Zufall. Jedenfalls herrscht vor der Tür kein großer Verkehr und laut ist es auch nicht.« So viel sie wisse würden es alle sechs Großtagespflegen in Gütersloh so halten.

Angst vor Auflagen

Zum anderen hätten Vermieter Angst vor behördlichen Auflagen. Sie müssten eine Nutzungsänderung beantragen und zwei Fluchtwege vorhalten: »Vielen ist das schon zu viel Arbeit.« Darüber hinaus fürchteten sie sich vor einem »Rattenschwanz« weiterer Bedingungen, die ihnen das Ordnungs- oder Jugendamt stellen würde. Nottbrock: »Aber da kommt nichts weiter. Und wir zahlen Miete und Nebenkosten wie jeder andere Mieter auch, es gibt keine Vergünstigungen.«

Janine Nottbrock und Kristin Könighorst berichten das so offen, weil die Bollerbuchse Glück hatte. Sie fand mit der Familie Bischof eine Vermieterfamilie, die keine Angst vor Kindern und Behörden hat. Wohin die Bollerbuchse umziehen wird, möchten sie mitteilen, sobald Jugend- und Bauordnungsamt der Stadt das neue Domizil abgenommen haben.

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