21 Unternehmen und ein Krankenhaus im Kreis haben mit radioaktiven Stoffen zu tun
Was geschieht bei einem Atom-Unfall?

Gütersloh (WB). Mit seinem selbstgebauten Geigerzähler und der Messstelle für Radioaktivität will der Gütersloher Umwelt-Aktivist Kurt Gramlich Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken, das in der Öffentlichkeit kaum noch diskutiert wird: „Wer ist zuständig, wer warnt und schützt uns, sollte es in der Region zu einem atomaren Zwischenfall kommen?“, fragt der 67-jährige, ehemalige Dozent. Das WESTFALEN-BLATT hat sich um Antworten bemüht.

Donnerstag, 16.01.2020, 08:15 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 14:56 Uhr
Nur etwa 60 Kilometer Luftlinie östlich vom Kreisgebiet entfernt an der Weser liegt das Atomkraftwerk Grohnde: Sollte es dort zu einem sogenannten Super-GAU kommen, wäre die radioaktive Wolke schnell über der heimischen Region. Foto: dpa
Nur etwa 60 Kilometer Luftlinie östlich vom Kreisgebiet entfernt an der Weser liegt das Atomkraftwerk Grohnde: Sollte es dort zu einem sogenannten Super-GAU kommen, wäre die radioaktive Wolke schnell über der heimischen Region. Foto: dpa

Die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl (Ukraine) vom 26. April 1986 liegt lange zurück und ist weit weg, „doch noch immer sind Pilze im Bayerischen Wald deswegen verstrahlt und dürfen nicht verzehrt werden“, holt Gramlich, Sprecher der Bürger-Initiative Energiewende, Unterstützer der Bewegung „Fridays for Future“ (FFF) und Vorstandsmitglied am Gütersloher Klimatisch, den atomaren Super-GAU von damals in die Gegenwart.

Kreisverwaltung richtet Krisenstab ein

Und gleich zwei Atomkraftwerke (AKW), Lingen im Emsland und Grohnde an der Weser, lägen keine 60 Kilometer Luftlinie vom Kreis Gütersloh entfernt, betont er. Darüber hinaus fragt der 67-Jährige: „Wie viele Unternehmen und Krankenhäuser hier bei uns haben eigentlich mit radioaktiven Stoffen zu tun? Und was ist, wenn ein Transport mit solchen Materialien auf unseren Straßen verunglückt?“

Von der zuständigen Detmolder Bezirksregierung antwortet Sprecher Andreas Moseke: „Im Kreis Gütersloh nutzen vier Betreiber radioaktive Stoffe zu medizinischen Zwecken und 18 Betreiber zu technischen Zwecken, damit sind technische Prüfungen, Qualitätssicherung und ähnliches gemeint. Nähere Angaben sind aus Gründen des Datenschutzes nicht möglich“, so Moseke. Er fügt an: „Die Aufsicht über diese genehmigten Betriebe nimmt die Bezirksregierung Detmold wahr. Die Bezirksregierung kontrolliert, ob die Betriebe die gesetzlichen Regelungen und Vorschriften einhalten.“

Focken: Feuerwehren üben Ernstfall regelmäßig

Wie konkret der Ablauf im Falle eines radioaktiven Unfalls aussieht, dazu äußert sich Jan Focken als Sprecher der Gütersloher Kreisverwaltung: „Die allgemeinen Schutzkonzepte des Landes NRW finden auch im kerntechnischen Notfallschutz Anwendung. NRW verfügt über ein ABC-Schutzkonzept, auf dessen Grundlage auch im Kreis Gütersloh bei den Feuerwehren eine ABC-Einheit aufgestellt ist“, so Jan Focken. Diese speziell geschulte Truppe messe im Schadensfall nukleare Belastungen und könne Personen, Fahrzeuge und Geräte dekontaminieren. Entsprechende Übungen zu simulierten Unfällen mit radioaktivem Material finden nach Angaben des Sprechers regelmäßig statt. Focken: „Dadurch ist sichergestellt, dass sich im Bereich der Kreis-Feuerwehren immer entsprechend ausgebildete Fachleute befinden.“

Im Fall eines Atom-Unfalls werden seinen Angaben nach beim Kreis ein Krisenstab und eine Einsatzleitung eingerichtet, in den betroffenen Kommunen gebe es zudem eine örtliche Einsatzleitung. Die für die Bevölkerung dann überlebenswichtigen Jod-Tabletten seien „zentral und in ausreichendem Maße für das komplette Kreisgebiet gelagert“, so Focken, ohne einen genauen Ort dafür zu nennen.

Weitere Informationen im Web:

https://www.umwelt.nrw.de/umwelt/umwelt-und-gesundheit/radioaktivitaet/

Klinikum Gütersloh setzt radioaktive Stoffe ein

„Bei uns werden radioaktive Stoffe in erster Linie in unserem Versorgungszentrum für Nuklearmedizin eingesetzt, wo sie den Patienten für Untersuchungen gespritzt werden“, sagt Marie Schönknecht, Sprecherin des Klinikums Gütersloh.

„Die dort genutzten Stoffe haben eine Halbwertszeit von nur sechs Stunden und weisen deshalb schon nach wenigen Tagen eine sehr geringe Strahlung auf. Alle Reste und die damit in Berührung gekommenen Utensilien – wie zum Beispiel die Spritzen – werden sofort in einem speziellen, strahlungsdichten Behälter entsorgt. Dieser steht in einem speziellen Raum, der gekennzeichnet und geschützt ist. Dort werden die Stoffe gelagert, bis die Strahlung ganz abgeklungen ist. Dies wird gemessen und dokumentiert, bevor der Abfall entsorgt wird.“

Im St.-Elisabeth-Hospital gibt es keine Strahlentherapie oder Nuklearmedizin, bei denen radioaktive Abfälle entstehen.

 

 

Kommentare

Matthias F.  schrieb: 16.01.2020 10:14
Bitte weniger Aktionismus
„Wie viele Unternehmen und Krankenhäuser hier bei uns haben eigentlich mit radioaktiven Stoffen zu tun? Und was ist, wenn ein Transport mit solchen Materialien auf unseren Straßen verunglückt?“

Hier glaubt wohl jemand, das würde wie eine Atombombe in die Luft fliegen.

Genau dieses Zeug wird dem Patienten in die Blutbahn gespritzt und beim Transport in speziellen Behältern so gesichert, dass das Risiko einer Kontaminierung verschwindend gering ist! Das würde man alles nicht machen, wenn es so tödlich wäre. Außerdem beträgt die Halbwertzeit dieser Kontrastmittel nur wenige Stunden, teilweise sogar weniger. Hier wird wieder einmal Hysterie geschürt, mit einer Messmethode, die zudem noch leicht zu manipulieren ist, um Panik zu verursachen. Ein alter Rauchmelder (ja, die gab es mit radioaktivem Material), zerlegt und in der Nähe der Messstelle verteilt, und in Gütersloh bricht heilloses Chaos aus! Wollen Sie das? Weniger Aktionismus wäre hier einmal angebracht!
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