Fr., 17.01.2020

Tobias Hoffmann Trio spielt bekannte Songs auf ungewöhnliche Weise Alles ein bisschen langsamer

E-Gitarrist Tobias Hoffmann, E-Bassist Frank Schönhofer und Schlagzeuger Etienne Nillesen sind zusammen das Tobias Hoffmann Trio. Die drei Musiker spielen im Gütersloher Theater unter anderem Stücke von Jimi Hendrix und den Doors.

E-Gitarrist Tobias Hoffmann, E-Bassist Frank Schönhofer und Schlagzeuger Etienne Nillesen sind zusammen das Tobias Hoffmann Trio. Die drei Musiker spielen im Gütersloher Theater unter anderem Stücke von Jimi Hendrix und den Doors. Foto: Collin Klostermeier

Von Collin Klostermeier

Gütersloh (WB). Die neue Jazzsaison begann in diesem Jahr in Gütersloh ziemlich früh: Bereits in dieser Woche gab das Tobias Hoffmann Trio im großen Saal des Theaters den Startschuss in das Jazzjahr 2020 und stellte dabei die E-Gitarre des Bandleaders konsequent in den Mittelpunkt.

Neben Tobias Hoffmann komplettieren E-Bassist Frank Schönhofer und Schlagzeuger Etienne Nillesen dieses ungewöhnliche Trio, das sich zwar dem Jazz durchaus verbunden fühlt, vor allem aber im Blues und Rock der 1960er- und 1970er-Jahre zuhause ist.

Auf diesem Feld konnte sich Tobias Hoffmann mit seiner E-Gitarre 90 Minuten lang genüsslich austoben, während Frank Schönhofer stoisch Bass-Ostinati unter die Gitarrenläufe legte und Etienne Nillesen dezent, aber sehr fein das Tempo vorgab und zudem immer wieder eine Prise Jazz ins Spiel des Trios streute.

„Wir spielen fast alle Stücke langsamer als die Originale“, erklärte Tobias Hoffmann in einer seiner sympathischen Ansagen, sodass es für die Zuhörer ein sehr entspannter Konzertabend wurde. Nach dem Auftaktstück aus der Feder des Jazzgitarristen Kenny Burrell kamen die nächsten Stücke von Eric Clapton („Politician“) und Neil Young („Harvest Moon“). Es folgte der große Doors-Hit „Riders On The Storm“, den das Trio ordentlich sezierte und derart gekonnt neu zusammensetzte, dass das Original am Ende des Stücks regelrecht verdampft war.

Von den Doors bis Jimi Hendrix

Weitere Höhepunkte waren eine geradezu meditative Interpretation von Bruce Springsteens epischem Klassiker „The River“, der wilde „Death Letter Blues“ des Bluesgitarristen Son House sowie „Voodoo Child“ von Jimi Hendrix. „Das darf man ja eigentlich gar nicht spielen“, bekannte der Gitarrist, „aber ich tu’s trotzdem.“ Gut so, denn auch dieses Kultstück (Kult darf man eigentlich ebenso wenig sagen wie „Voodoo Child“ spielen, aber hier passt es nun wirklich mal) war beim Tobias Hoffmann Trio in guten Händen und erklang in völlig neuer Gestalt, ohne dabei den Kontakt zum Original zu verlieren.

Schön und gut, aber vielleicht wird sich der eine oder andere Leser fragen, was diese Musik denn eigentlich bei der Reihe „Jazz in Gütersloh“ zu suchen hat? In der Tat wurde an dem Abend weniger spontan agiert und weniger improvisiert, als dies üblicherweise der Fall ist. Dennoch ist es wichtig, auch die Randbereiche des Jazz nicht aus den Augen zu verlieren, was in Gütersloh seit ein paar Jahren sehr gut gelingt.

Dieser Meinung waren wohl auch die fast 150 Zuhörer, die nach eineinhalb Stunden noch nicht genug hatten und sich eine wunderbare Zugabe erklatschten: „Albatross“ von Fleetwood Mac-Gründer Peter Green.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7197601?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F