Gemeinde im Gütersloher Norden stimmt für Erhalt der Kirche zum Guten Hirten
Verzicht auf Evangeliumskirche schmerzt

Gütersloh (WB). Zusammen mit dem Gesangbuch erhalten die Besucher des Gottesdienstes diesmal drei Wahlzettel am Eingang der Evangeliumskirche. Auf ihnen müssen sie in einer anschließenden Versammlung ankreuzen, welche Kirche und welches Gemeindehaus sie künftig weiter nutzen, und welche Gebäude sie verkaufen wollen.

Dienstag, 04.02.2020, 05:15 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 05:20 Uhr
213 Gemeindemitglieder stimmen für den Erhalt der Kirche zum Guten Hirten an der Kahlertstraße. Foto: Carsten Borgmeier
213 Gemeindemitglieder stimmen für den Erhalt der Kirche zum Guten Hirten an der Kahlertstraße. Foto: Carsten Borgmeier

Die traurige Botschaft kennen sie seit vergangenem November. Bis 2060 wird die evangelische Kirche die Hälfte ihrer Mitglieder verlieren. Schon 2029 wird es in Gütersloh nur noch sechs statt neun Pfarrstellen geben. Zwei Kirchen samt ihrer Gemeindehäuser sind im Gütersloher Norden darum nicht zu halten. Von eine der beiden wird sich die Gemeinde trennen müssen – von der Evangeliumskirche auf der Benkert oder von der Kirche zum guten Hirten an der Kahlertstraße.

Wirtschaftliche Vernunft

Die Dortmunder Architektin Dortmunder Architektin Imke Sass wohnt weit genug entfernt, um rein sachlich und wirtschaftlich vorzuschlagen, in die Kirche Zum Guten Hirten von einem Investor seniorengerechte Wohnungen einbauen zu lassen. An der Evangeliumskirche sei dann entweder ein neues Gemeindehaus zu bauen oder das Gemeindehaus Zum Guten Hirten weiter zu nutzen.

Doch in einer lebendigen Kirchengemeinde zählen weitere Kriterien. Bei aller Einsicht in den wirtschaftlichen Zwang, eines der beiden Gotteshäuser aufzugeben, hänge das Herz der Gemeindemitglieder an ihrer Heimatkirche. Versammlungsleiterin Ingrid Müller: „Es geht um die Frage, wie wir die Menschen in die Kirche bekommen.“ Gemeindemitglied Wilko Wiesner ergänzt: „Wir müssen den Blick vor allem auf die Jugendarbeit richten. Und die gelingt besonders in der Kirche ‚Zum Guten Hirten‘ ausgezeichnet.“ Kirchmeister Friedhelm Reichert, seit mehr als 30 Jahren ehrenamtlich im Gütersloher Norden aktiv, zieht schweren Herzens eine Bilanz: „Ich bin sehr betroffen von dieser Entscheidung. Wir befinden uns in einem Dilemma. Egal, wie wir entscheiden, die Entscheidung wird Schmerzen verursachen.“

Klares Votum

Die Gemeinde stellt sich dem Schmerz. 213 Mitglieder stimmen für den Erhalt der Kirche Zum Guten Hirten samt Gemeindehaus, 152 Mitglieder hätten lieber die Evangeliumskirche behalten, in zwei möglichen Varianten: 84 sprechen sich für den Erhalt der Evangeliumskirche mit einem neugebauten Gemeindehaus aus. Für den Erhalt der Evangeliumskirche in Kombination mit der Weiternutzung des Gemeindehauses Zum Guten Hirten votieren 68 der Stimmberechtigten.

Diese Abstimmung bindet das Presbyterium nicht, das im März neu gewählt wird. Es sendet ihm nur ein deutliches Signal, für das es gute Gründe geben muss, es zu überhören. Eckhard Heidemann, Vorsitzender des Presbyteriums, hofft auf eine Entscheidung noch in diesem Jahr.

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