Gütersloh
Denkmalschutz soll Gebäude erhalten

Gütersloh (din) - Wohl gegen den Willen der Eigentümer soll das Haus Bismarckstraße 51, vielen bekannt als Adresse des Volksgesundheitsvereins, unter Denkmalschutz gestellt werden. Das schlägt die Stadtverwaltung dem Planungsausschuss für seine Sitzung am Dienstag, 11. Februar, vor (17 Uhr, Ratssaal).

Mittwoch, 05.02.2020, 20:21 Uhr
Gütersloh: Denkmalschutz soll Gebäude erhalten

Im Denkmalpflegeplan der Stadt ist das Gebäude vom Beginn des vorigen Jahrhunderts schon als erhaltenswerte Bausubstanz gekennzeichnet. Der Denkmalwert wurde jetzt noch einmal überprüft „aufgrund der aktuellen Entwicklung im Quartier, konkret der Frage nach der Möglichkeit der ergänzenden oder ersetzenden Bebauung“, wie es in der Beschlussvorlage heißt.

Dazu erklärte der Miteigentümer Kai Oltmanns auf Anfrage der „Glocke“: „Unser Anliegen auf dem Grundstück ist die Schaffung erschwinglichen Wohnraums in Innenstadtnähe im Rahmen einer sinnvollen und auch von der Stadt immer wieder geforderten Nachverdichtung großer Grundstücke.“ Die Planungen gingen von einer „sehr zurückgenommenen Bebauung unter Berücksichtigung umliegender benachbarter Immobilien des Grundstückes aus“. Entschieden sei noch nichts. Die Eigentümer seien gesprächsbereit, sagte Oltmanns. Das Grundstück habe eine Größe von etwas mehr als 1500 Quadratmetern. Es reicht von der Bismarckstraße bis zur Deutschen Angestellten-Akademie an der Prekerstraße.

Das Gebäude zähle zur ursprünglichen Bebauung in diesem Abschnitt der Bismarckstraße, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Die Fachbehörde, die LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen, habe den Denkmalwert bejaht und später noch einmal bekräftigt. Die Eigentümer hingegen hätten – vertreten durch ihren Rechtsbeistand – den Denkmalwert angezweifelt (was Oltmanns bestätigt), jedoch „keine stichhaltigen Argumente dagegen benennen“ können, heißt es in der Vorlage.

1911 für Lokomotivführer erbaut

Zur Geschichte: Das Haus wurde 1911 in einem neu ausgewiesenen Wohngebiet nach den Plänen des Maurer- und Zimmerermeisters W. Reckeweg für den Lokomotivführer Heinrich Verleger errichtet. Es verfügt über zwei Etagenwohnungen. Eine Besonderheit für die Bauzeit ist, „dass beide Wohnungen ein Bad haben“. Die Toilette sei damals auf dem Halbstockwerk eingebaut worden. Der Dachraum verfügt über zwei Kammern. Die weitere bauzeitliche Ausstattung wird in der Baubeschreibung als „bescheiden“ bezeichnet. Die sogenannten Viktoriadecken bestehen hingegen schon aus Eisenbeton.

Der Denkmalwert ergibt sich laut Vorlage aus der Bedeutung für die Stadt- und Sozialgeschichte Güterslohs, „weil es verdeutlicht, wie ein Bahnbeamter des mittleren Dienstes lebte und wirtschaftete“. Ein großer Garten diente der Selbstversorgung. Im Garten wurden auch Tiere gehalten. Im Stall gab es eine Düngergrube zur Fruchtbarmachung des Gartens.

Die Wohnungen hätten sich vom Zuschnitt her nicht von denen wohlhabender Bürger unterschieden, wohl aber in ihrer Größe und Ausstattung. Ein Bad in den Wohnungen sei für 1911 „noch nicht gewöhnlich“, heißt es in der Vorlage. Ein Lokomotivführer, der auf einer Dampflok gearbeitet habe, habe sich nach Dienstschluss waschen müssen. Dazu habe es auf den Bahnhöfen Bäder und Waschgelegenheiten gegeben. An der Bismarckstraße „leistete man sich zusätzlich ein Bad zu Hause“, heißt es.

Bedeutend für die Stadtgeschichte

Bedeutend sei das Gebäude auch, weil es sich um eines der ersten Häuser in einem neu erschlossenen Wohngebiet der „aufstrebenden Industriestadt“ Gütersloh handele. Außerdem sei es „ein ganz früher, wenn nicht der erste Bau dieser Art in Gütersloh“. Gleichzeitig entspreche der Bau seiner Zeit: „Die künstlerische Ausgestaltung folgte dem Klassizismus, ist aber auf allen Ebenen sehr zurückgenommen.“

Zum Denkmal sollen das gesamte Innere und Äußere des Etagenwohnhauses gehören, die rückwärtige Garage und die Einfriedung hingegen nicht.

Oltmanns führt im Haus die Geschäftsstelle des Volksgesundheitsvereins (rund 650 Familienmitgliedschaften kreisweit).

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7307828?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Pädophile: Therapie dauert im Schnitt 20 Jahre
Tatort Campingplatz: In diesem Wohnwagen im lippischen Lügde wurden viele Kinder missbraucht. Foto: Althoff
Nachrichten-Ticker