Gütersloh
So geht es mit der Marten-Brache weiter

Gütersloh (din) - Seit mehr als einem Jahr liegt die ehemalige Wurstwarenfabrik Marten verlassen an der Bismarckstraße. Eigentlich hätte für das rund 1,3 Hektar große Gelände schon eine Planung vorgelegt werden sollen. In der jüngsten Übersicht der Stadt über potenzielle Wohnbauflächen taucht das Gelände nicht auf.

Mittwoch, 05.02.2020, 07:20 Uhr
Gütersloh: So geht es mit der Marten-Brache weiter

 „Die Familie legt großen Wert darauf, dass beim Abriss die Umwelt so weit wie möglich geschont wird“, erklärte ein Sprecher des Eigentümers Robert Tönnies auf Nachfrage der „Glocke“. Es handele sich um einen früheren Produktionsstandort. Daher sei ein Gutachten in Auftrag geben worden, wie der Abriss am besten zu bewerkstelligen sei. Sobald das vorliege, sollen Aufträge vergeben werden.

Ein zweiter Grund, aus dem die Planung nicht weiter fortgeschritten sei, seien zwei Mobilfunkantennen, für die die Verträge noch bis 2021 beziehungsweise 2026 liefen. „In diesem Jahr passiert nichts mehr“, erklärte der Sprecher. Ansonsten gelte nach wie vor, was bei früherer Gelegenheit zu der Liegenschaft gesagt worden sei.

Bisher hatte es geheißen, dass Robert Tönnies eine Nachnutzung mit dem Schwerpunkt Wohnen anstrebe. Im Planungsausschuss war vor gut einem Jahr gesagt worden, im Verlauf des Jahres 2019 solle ein städtebauliches Konzept erarbeitet werden und die Umsetzung könne vielleicht schon 2020 erfolgen.

Mitglieder des Ortskuratoriums Gütersloh der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hatten vor einem Jahr darauf hingewiesen, dass der Bürokomplex an der Moltkestraße prägend für das Gütersloher Stadtbild und erhaltenswert sei. Daraufhin ließ Robert Tönnies durch seinen Sprecher erklären, die Familie teile diese Einschätzung. Es gebe keinerlei Pläne für einen Abriss der Bürogebäude.

Der Bürotrakt entlang der Moltkestraße ist im Denkmalpflegeplan der Stadt Gütersloh als erhaltenswert eingestuft, weil er als typisch für die Baukultur der 1930er-Jahre gilt.

„Wir stehen immer wieder im Austausch mit der Familie Tönnies zu der Fläche“, erklärte Stadtsprecherin Susanne Zimmermann. Eine aktive Planung werde zum jetzigen Zeitpunkt dort nicht betrieben. Vielmehr sei die Eigentümerfamilie zunächst mit vorbereitenden Analysen und Untersuchungen beschäftigt.

Sowohl im Flächennutzungs- als auch im Bebauungsplan sind das Betriebsgelände und der zugehörige Parkplatz als Gewerbefläche ausgewiesen. Vor einer Nutzungsänderung müssten die Pläne geändert beziehungsweise neu aufgestellt werden.

Die Stadt-Sprecherin verwies auf die Lage an der Bismarckstraße, die von rund 14 000 Fahrzeugen am Tag befahren wird, sowie am Marktplatz, auf dem Großveranstaltungen wie die Kirmes sowie das Oktoberfest stattfinden, und neben der neuen Feuer- und Rettungswache. „Aufgrund der beschriebenen Nutzungen, insbesondere dem Straßenverkehr, der Feuerwehr, den Parkplatzverkehren sowie den Großveranstaltungen ist der Planbereich verschiedenartigen Lärmeinwirkungen ausgesetzt, die besondere Anforderungen an eine zukünftige Nutzung dieses Areals stellen“, so Zimmermann weiter – ohne sich allerdings auf eine konkrete Nutzung festzulegen.

Bürotrakt gilt als erhaltenswert

Das ehemalige Firmengelände ist weitgehend mit Fabrikations-, Lager- und Verwaltungsgebäuden mit entsprechenden Hof- und Betriebsflächen überbaut. Zu den Betriebsanlagen gehört auch ein Schornstein. Hinzu kommt der Parkplatz nebenan.

Das Verwaltungsgebäude entlang der Moltkestraße gilt als ein „prägnantes Beispiel historischer Architektur aus den 1930er Jahren“, so Stadt-Sprecherin Susanne Zimmermann. Es werde im Denkmalpflegeplan der Stadt Gütersloh folglich als erhaltenswert eingestuft.

2017 hatte die zum Tönnies-Konzern gehörende Zur-Mühlen-Gruppe den Wursthersteller Marten an der Bismarckstraße und den Tochterbetrieb Vogt & Wolf an der Herzebrocker Straße einschließlich der Liegenschaften übernommen. Die Marten-Immobilie gehört der Familie von Robert Tönnies. Die Produktion wurde 2018 an der Herzebrocker Straße konzentriert und an der Bismarckstraße eingestellt.

Weil bei der Baulandstrategie nur die Flächen aufgenommen wurden, die im Flächennutzungsplan und/oder im Bebauungsplan als Wohnbaufläche ausgewiesen sind, taucht Marten dort nicht auf. Die Fläche sei nicht vergessen worden, so Zimmermann.

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