Gütersloh
Elmendörfer Fass soll nach Hamburg umziehen

Gütersloh (eff) -  Noch steht das große Elmendörfer Fass mit seinem Fassungsvermögen von 20 000 Litern im Museum neben der Gaststätte „Zur Linde“ in Isselhorst. Kai Elmendorf, der in Hamburg eine Brennerei eröffnen will, möchte das Prunkstück jedoch an die Elbe holen. Begeisterung löst dieser Plan im Gütersloher Ortsteil nicht aus.

Freitag, 12.06.2020, 21:06 Uhr aktualisiert: 12.06.2020, 21:46 Uhr
Gütersloh: Elmendörfer Fass soll nach Hamburg umziehen

Im Gegenteil: „Hier war die Hölle los, als das Vorhaben bekannt wurde“, berichtet Henner Schröder, der Vorsitzende des Dorf- und Heimatvereins Isselhorst. „Denn alle, die 2013/2014 daran beteiligt waren, eine neue Bleibe für das Fass zu schaffen, haben gegen den Umzugsplan protestiert.“ Als damals im Jahr 2000 die Brennerei Elmendorf ihren Betrieb einstellte und ein neues Nutzungskonzept entwickelt wurde, musste das imposante Eichenfass seinen Platz räumen. „Es kamen 50 000 Euro zusammen, dazu wurden unzählige ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet, um das Nebengebäude der Gaststätte Ortmeier als Fassmuseum herzurichten“, erinnert sich Schröder.

Werbeträger für Brennerei in der Hansestadt

Und weil sich die Familie Elmendorf damals wie alle Isselhorster darüber gefreut hätten, dass das Fass nach 112 Jahren einen neuen Standort in Isselhorst gefunden habe, sei man jetzt völlig überrascht. „Ich muss mich an meine eigene Nase fassen, ich habe mich bei einem Online-Tasting verplappert“, sagt Kai Elmendorf auf Nachfrage. Nach der Abwicklung des Betriebs in Isselhorst war der Sohn des 2018 gestorbenen Brennereibesitzers Knut Elmendorf in Hamburg viele Jahre später als Korn-Veredeler tätig geworden. Jetzt will der 49-Jährige eine eigene Brennerei betreiben und ist in der Hansestadt nach wie vor auf der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten. Und das große Elmendörfer Fass sei als Aushängeschild der neuen Brennerei gedacht. „Ich wollte erst mit dem Heimatverein sprechen, wenn klar ist, wann es losgeht, und auf keinen Fall die Pferde scheu machen“, bedauert der Wahl-Hamburger seinen Faux-pas.

Heimatfreunde prüfen alle Möglichkeiten, den Umzug abzuwenden

Abfinden wollen sich die Heimatfreunde mit diesem Umzug noch nicht. „Wir werden alles prüfen, auch steuerrechtlich, und überlegen besonnen in alle Richtungen“, sagt Henner Schröder. Eine Anfrage im Rathaus habe bereits ergeben, dass das Fass nicht unter Denkmalschutz stehe. Zwar sei die Bereitschaft der Familie Elmendorf, das Fass als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen, mit einer schriftlichen Vereinbarung bekundet worden. „Doch rechtlich gehört es Kai Elmendorf. Als Leihgeber habe er jederzeit das Recht, das Objekt zurückzufordern. Moralisch sei das jedoch verwerflich, sagt Schröder.

Entscheidung beim Familientreffen

Ein Gespräch zwischen Kai Elmendorf und Vertretern des Dorf- und Heimatvereins Isselhorst sei noch nicht zustande gekommen, sagen beide Parteien. Schriftlich hat der Kornbrand-Spezialist von der Elbe seine Beweggründe bereits erläutert. Im Sommer 2017 sei bei einem Familientreffen in Isselhorst erörtert worden, dass im Dorf die Erinnerung an die alte Brennerei schwinde. In diesem Zusammenhang sei beschlossen worden, in Hamburg die lange Familientradition fortzuführen und dort wieder eine echte Brennerei aufzubauen. Für den Vater sei wichtig gewesen, dass die Tradition fortgeführt werde, betont der Sohn und räumt ein: „Damals beim Aus des alten Betriebs habe ich gedacht, meine Generation fängt das Brennen nicht mehr an.“

Reifeprozess in ausgewählten Fässern

Eine Brennerei, wie sie früher in Isselhorst gestanden habe und die nur Massen von Alkohol produziert habe, könne heutzutage nicht mehr überleben, erklärt Kai Elmendorf. „Deshalb wollen wir Korn machen, der Würde hat“, weist der Geschäftsmann auf die Reifeprozesse in ausgewählten 400-Liter-Fässern hin. Andererseits solle das Brennen mit der Möglichkeit verbunden werden, dass Besucher das Werk besichtigen. „Und um das attraktiv zu machen, brauchen wir das große Fass als Werbeträger leider in Hamburg“, bittet Elmendorf um Verständnis. Wann er es holen lassen will, kann der Spirituosenhersteller noch nicht sagen. Wegen Corona sei ein vorgesehener Standort noch nicht realisiert worden. „Wir brauchen das Fass in ein bis fünf Jahren“, sagt Elmendorf und fügt hinzu: „Die Enttäuschung in Isselhorst ist nachvollziehbar.“

Heimatverein sieht Standort des Fasses in Isselhorst

Der Dorf- und Heimatverein sieht den Standort des Fasses aufgrund der gemeinsamen geschichtlichen Tradition in Isselhorst. Dass die Rettungsaktion 2013 nun Hamburg zugute kommen soll, ist für sie schwerlich nachvollziehbar.

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