Besonders viele Corona-Neuinfektionen in den vergangenen Tagen – Tönnies kündigt Maßnahmen an
Kreis Gütersloh unter den traurigen Spitzenreitern

Gütersloh (WB/dpa/du).  Der Kreis Gütersloh gehört in der Corona-Entwicklung bundesweit zu den traurigen Spitzenreitern. Grund davon sind besonders viele Infektionen im Umfeld des Fleischwarenriesen Tönnies. Deswegen kündigte Firmenchef Clemens Tönnies am Dienstag im Gespräch mit Landrat Sven-Georg Adenauer weitere Maßnahmen an.

Dienstag, 16.06.2020, 16:11 Uhr aktualisiert: 16.06.2020, 17:30 Uhr
Im Kreis Gütersloh liegt die Anzahl der Neuinfektionen besonders hoch. Foto: Tönnies
Im Kreis Gütersloh liegt die Anzahl der Neuinfektionen besonders hoch. Foto: Tönnies

Wie berichtet, war die Anzahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen im Kreis Gütersloh über das vergangene Wochenende um 48 gestiegen. Allein 46 von ihnen stehen in Zusammenhang mit dem Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda Wiedenbrück .

Am Dienstag vermeldete die Kreisverwaltung 822 laborbestätigte Infektionen, das sind 23 mehr als Montag. 20 von ihnen stehen im direkten Zusammenhang mit dem Schlachtbetrieb, bei drei Personen kann der Kreis noch keine endgültige Zuordnung vornehmen. Insgesamt sind 822 (Vortag 799) Infizierte erfasst, davon gelten 668 (666) als genesen.

Größere Abstände, Belüftung und UV-Licht

In dem Gespräch im Gütersloher Kreishaus sicherten Clemens Tönnies und Dr. Gereon Schulze Althoff, Corona-Krisenstabsleiter des Unternehmens, zu, insbesondere den Personaleinsatz in den betroffenen Bereichen der Zerlegung signifikant zu verringern. So sollen die Abstände bei der Arbeit vergrößer werden. Die hohe Zahl an Neuinfektionen in den vergangenen Tagen sind fast ausschließlich auf Beschäftigte der Zerlegung und Menschen in deren Wohnumfeld zurückzuführen. In der allgemeinen Bevölkerung im Kreis Gütersloh beschränkt es sich auf ganz wenige Einzelfälle.

Der Konzernchef stellte klar, dass es auch im Interesse des Unternehmens liege, das Risiko von Neuinfektionen zu minimieren. Deswegen werde die Firma kurzfristig technische Maßnahmen in der Belüftung mit Frischluft, der Bestrahlung mit UV-Licht und der Raumtemperatur in diesen Betriebsteilen ergreifen. Tönnies hat zudem Vorsorge geschaffen, wenn Infizierte und Kontaktpersonen sich in Quarantäne begeben müssen.

Tests im Unternehmen

Um festzustellen, ob sich weitere Personen infiziert haben, führt der Kreis Gütersloh seit Dienstag wieder eigene Tests auf dem Gelände in Rheda-Wiedenbrück durch. Getestet werden die Personen, die in der Zerlegung, der Kantine und auch das Personal des Kreises Gütersloh, das in der amtlichen Überwachung  tätig ist. „Ob weitere Maßnahmen erforderlich sein werden, hängt insbesondere von den Testergebnissen ab“, kündigte Thomas Kuhlbusch, Krisenstabsleiter des Kreises Gütersloh, an.

Landrat Adenauer hatte sich am Vortag in der Kreistagssitzung besorgt gezeigt und angekündigt, alles zu tun, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und einen zweiten Lock-Down im Kreis Gütersloh zu verhindern. Laut einer Bund-Länder-Vereinbarung sind weitere Beschränkungen zu prüfen, wenn sich mehr als 50 Personen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen neu infiziert haben.

Die Grenze würde der Kreis Gütersloh bei 182 erreichen. Krisenstabsleiter Kuhlbusch schränkte jedoch ein, dass es dabei „keinen Automatismus gibt“. So könne von weitreichenden Maßnahmen abgesehen werden, wenn sich die Neuinfizierten auf einen oder wenige Ausbruchsherde zurückführen ließen. Stand Dienstag liegt die Zahl bei 114, mit wenigen Ausnahmen betrifft dies Personen, die bei Tönnies tätig sind.

149 Landkreise coronafrei

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) gehört Gütersloh mit Aichach-Friedberg (Bayern), Greiz (Thüringen) und Verden (Niedersachsen) zu den Landkreisen mit besonders vielen Neuinfektionen gerechnet auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Im Kreis Aichach-Friedberg stehen die auffälligen Zahlen mit einem Spargelhof, deren Mitarbeiter aus vorwiegend aus Polen und Rumänien stammen und in Sammelunterkünften leben. In Greiz hängt der Anstieg offensichtlich mit mehreren größeren Familienfeiern zusammen. In Verden ist wohl ein Corona-Ausbruch in einem Pflegeheim ausschlaggebend.

Laut RKI haben bundesweit 149 von 412 Landkreise keine Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen registriert.

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