Gütersloh
Karstadt schließt in Gütersloh

Gütersloh (din/dop) - Erst die Corona-Krise und jetzt das: Das Karstadt-Haus am Berliner Platz in Gütersloh soll geschlossen werden. Das hat Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) am Freitag bekanntgegeben. Auch das Bielefelder Haus soll geschlossen werden.

Freitag, 19.06.2020, 15:57 Uhr aktualisiert: 19.06.2020, 18:01 Uhr
Gütersloh: Karstadt schließt in Gütersloh

In Gütersloh verlieren knapp 80 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz.

Bundesweit schließt der Konzern insgesamt 62 der 172 Filialen, darunter auch die in Hamm, und zwei Schnäppchencenter. Die Galeria-Kaufhof-ilialen in Münster und Paderborn bleiben hingegen erhalten.

Karstadt seit Ender der 1990er-Jahre in Gütersloh

Die Filiale am Berliner Platz in Gütersloh war am 25. März 1965 aus Kaufhaus Hertie eröffnet worden. In der Folge bürgerte sich die Bezeichnung HVP für Hertie-Vorplatz ein. Seit Ende der 1990er-Jahre firmiert das Haus unter Karstadt. Im Jahr 2000 war das Gebäude am Berliner Platz für 22 Millionen D-Mark zuletzt umfassend saniert worden. Seither hat es seine markante spiegelnde Fassade. Der Verkaufsfläche auf vier Etagen beläuft sich auf mehr als 8000 Quadratmeter.

Die Gütersloher Filiale hatte bisher alle Wechsellagen der Warenhaus-Kette überstanden. Das Gebäude ist gemietet. Wenn Karstadt schließt, droht der Innenstadt an zentraler Stelle Leerstand.

Gewerkschaft: „Supergau für Beschäftigte und Städte“

Verdi-Gewerkschaftssekretärin Ursula Jacob-Reisinger sieht die Karstadt-Schließungen in Gütersloh und Bielefeld als „Supergau für die Mitarbeiter und auch für die Städte“. Seit 2005 seien die Kolleginnen und Kollegen durch die Schieflage des Konzerns „im ständigen Verzichtsmodus gewesen und haben die Suppe, die die Unternehmensleitung ihnen eingebrockt hat, auslöffeln müssen. Und nun das. Das ist bitter.“

Die Gewerkschaft habe schon lange vor dieser Entwicklung gewarnt und warne auch jetzt: Eine Schließungswelle bei Galeria Karstadt Kaufhof werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität der Innenstädte bedroht.

Kommentare

Patrick  schrieb: 19.06.2020 21:15
Eine einmalige Gelegenheit, ein neues Wohnviertel zu bauen
Es gibt eine kontinuierliche Entwicklung des Handels: Der stationäre Handel stirbt (in Gütersloh und Bielefeld), der Internethandel dagegen wächst (so schafft er Stellen in Oelde), und wie jedes Mal wäre die neue Form schlecht. Wir haben nicht genügend Grundstücke zum Bauen, was die Preise in die Höhe treibt: Statt die Verkaufsfläche in Gütersloh unbedingt neu vermieten zu wollen (das kann Jahre dauern, wenn überhaupt), könnte man sofort die Entscheidung treffen, das Gebäude abzureißen, und an der Stelle einen neuen Wohnblock zu bauen. Es gibt genügend Kaufinteressenten, und wenn man generell weniger Pendler will (so weniger Umweltbelastung, weniger Bedarf an Verkehrsinfrastruktur), schafft man Wohnräume wo es viele Arbeitsplätze gibt. Es ist auch wichtig, dass es mehr Wohnräume im Kreis Gütersloh gibt: Damit die Unternehmen genügend Arbeitskräfte finden können, müssen diese Arbeitskräfte vor Ort wohnen können, sonst kommen sie oder bleiben sie nicht.
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