Bekanntgabe des Kreises Gütersloh am Montagabend
Corona-Ausbruch bei Tönnies: Zahl der festgestellten Infektionen nun bei mehr als 1500

Gütersloh (WB/dpa). Die Zahl der festgestellten Corona-Infektionen im Zusammenhang mit dem Tönnies-Fleischwerk ist auf mehr als 1500 gestiegen. Das gab der Kreis Gütersloh in einer Pressekonferenz am Montagabend bekannt.

Montag, 22.06.2020, 18:50 Uhr aktualisiert: 23.06.2020, 06:42 Uhr
Sven-Georg Adenauer (CDU), Landrat im Kreis Gütersloh. Foto: David Inderlied/dpa
Sven-Georg Adenauer (CDU), Landrat im Kreis Gütersloh. Foto: David Inderlied/dpa

Im Laufe des Dienstags soll ein Abstrich- und Diagnosezentrum in Gütersloh seinen Betrieb aufnehmen. Betreiber sei die Kassenärztliche Vereinigung, sagte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU). Details nannte er noch nicht.

Von den Tönnies-Beschäftigten lägen nun 6650 Test vor. Davon hätten 1553 eine Infektion nachgewiesen, hieß es.

Der Kreis gab später in einer schriftlichen Mitteilung zu bedenken: „Durch Doppelabstriche, also Mehrfachtestungen ein und derselben Person, Listenabgleiche von Namen und Adressen unterschiedlicher Herkunft sowie weitere Faktoren habe es in der Vergangenheit schon mehrfach Korrekturen geben müssen – und wird es weiterhin geben.“

Es rieche nach einem „Lockdown“

Die Frage, ob es nun nach einem „Lockdown“ rieche, bejahte Adenauer in der Pressekonferenz. Die mobilen Teams, die in den Wohnungen und den Unterkünften unterwegs seien und auch Familienangehörige ansprächen, stießen jetzt in ein gewisses Dunkelfeld. «Insofern ist das für mich schon eine neue Situation», erklärte Adenauer. Die mobilen Teams hätten einige positive Fälle bei ihrem Einsatz gefunden. Eine Zahl wollte der Landrat aber zunächst noch nicht nennen, da zunächst ausgeschlossen werden solle, dass es doppelte Zählungen gebe. Die Entscheidung über einen „Lockdown“ werde zwischen der Landesregierung und ihm abgestimmt.

Bereits vor der Pressekonferenz im Kreishaus hatten sich weitere Schritte zur Eindämmung des Infektionsherdes abgezeichnet. Fachleute des Robert-Koch-Instituts und andere Wissenschaftler sind laut Behörden im Kreis Gütersloh im Einsatz. «Deren Empfehlungen folgen weitere Maßnahmen», teilte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Montag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, ohne dabei Details zu nennen.

Kritik von SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte einen kurzen Lockdown mit massiven Tests in der Region. Er warnte vor einem freien Reiseverkehr der Menschen aus der Region Gütersloh und kritisierte das bisherige Vorgehen der NRW-Landesregierung. «Ich bin sicher, dass deutlich mehr Menschen außerhalb der Mitarbeiterschaft inzwischen infiziert sind», sagte er der «Rheinischen Post». Das Virus könnte sich so potenziell sehr weit verteilen. Deshalb sei es ein Fehler, «dass es jetzt keinen kurzen Lockdown mit einem massiven Testaufgebot gibt». Das sei nötig, um das tatsächliche Infektionsgeschehen in der Region genau einschätzen zu können.

Im gesamten Kreis Gütersloh sind derweil nach Behördenangaben (Stand 22. Juni, 0 Uhr) 1.696 laborbestätigte Corona-Infektionen erfasst. Davon gelten 685 Personen als genesen und 990 als noch infiziert. 21 Patienten werden laut Kreisverwaltung stationär behandelt, sechs auf der Intensivstation, zwei müssen demnach beatmet werden. Die Zahl der Todesfälle ist von 20 auf 21 gestiegen.

 

 

 

 

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