Besuch von Kinos und Schwimmbädern verboten, kein Bier an der Theke - erweiterte Maskenpflicht in Münster
Osnabrück erlässt strenge Regeln für Menschen aus dem Kreis Gütersloh

Gütersloh/Osnabrück (WB/dpa). Nach dem Ausbruch von Corona rund um die Fleischfabrik Tönnies und den Beschränkungen in den Kreisen Gütersloh und Warendorf haben Landkreis und Stadt Osnabrück strenge Regeln für die Bewohner der beiden Kreise erlassen. Münster erweiterte die Maskenpflicht.

Dienstag, 23.06.2020, 21:02 Uhr aktualisiert: 23.06.2020, 22:36 Uhr
Eine Ortsschild weist auf die Ortsausfahrt Rheda-Wiedenbrück hin. Der nächste Ort ist Gütersloh. Foto: David Inderlied/dpa
Eine Ortsschild weist auf die Ortsausfahrt Rheda-Wiedenbrück hin. Der nächste Ort ist Gütersloh. Foto: David Inderlied/dpa

So wurde angeordnet, dass alle Vorschriften, die vom Land Nordrhein-Westfalen für die beiden betroffenen Kreise erlassen worden sind, für alle Menschen aus Gütersloh und Warendorf genau deckungsgleich ab Mittwoch, 24. Juni, und befristet bis zum 30. Juni 2020 auch in der gesamten Region Osnabrück gelten.

Konzerte, Theater, Kinos verboten

Damit ist es nach Behördenangaben Personen aus Gütersloh und Warendorf untersagt, in Landkreis und Stadt Osnabrück Freizeitanlagen aller Art oder Veranstaltungen wie Konzerte, Theateraufführungen, Kinovorstellungen oder andere öffentliche oder private Kultureinrichtungen zu besuchen.

Museen, Fitnessstudios, Sportanlagen verboten

Auch der Besuch von Museen, Kunstausstellungen, Galerien, Schlössern, Burgen, Gedenkstätten und ähnlichen Einrichtungen in geschlossenen Räumen ist verboten. Nicht erlaubt sind auch der Besuch von Sportangeboten einschließlich Fitnessstudios, Kontaktsportarten im Freien und das Betreten von Sportanlagen.

Für Personen aus Gütersloh und Warendorf nicht erlaubt sind der Mitteilung des Landkreises Osnabrück zufolge Besuche von Bars und die Bewirtung an Theken in Gaststätten, der Besuch von Indoorspielplätzen oder von Schwimmbädern, Saunen und vergleichbaren Wellnesseinrichtungen auch zum Beispiel in Hotels.

Nicht besucht werden dürfen Spielhallen, Wettbüros und ähnliche Einrichtungen und auch das Picknicken und Grillen im öffentlichen Raum ist für Menschen aus Gütersloh und Warendorf in der Region Osnabrück nicht gestattet. Alle Arten von Festen und Versammlungen sowie Fahrten mit dem Reisebus oder sonstige Gruppenreisen mit Bussen fallen ebenfalls unter dieses Verbot.

Geldbußen von bis zu 25.000 Euro

Verstöße gegen diese Auflagen werden als Ordnungswidrigkeiten geahndet und können mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro bestraft werden. Darüber hinaus müssen alle Schüler aus den Landkreisen Gütersloh und Warendorf, die Schulen in Landkreis und Stadt Osnabrück besuchen und alle Kinder, die in Kindergärten und Kitas oder von Tagesmüttern in Landkreis und Stadt Osnabrück betreut werden, vom 24. bis 30. Juni 2020 zuhause bleiben.

Verdrängungseffekt befürchtet

Wie werden diese Regeln begründet: „Nach Einschätzung des Landkreises und der Stadt Osnabrück sind diese sofortigen Maßnahmen zum Schutze der Bevölkerung in direkter Nachbarschaft zu den beiden Kreisen in Nordrhein-Westfalen notwendig. Es gelte, einen Verdrängungseffekt zu unterbinden und zu verhindern, dass die Menschen aus diesen beiden Kreisen nun in den direkt benachbarten niedersächsischen Gebieten einkaufen gingen, Freizeiteinrichtungen wie den Zoo nutzten oder in die Kneipen gingen.“

Geht es nach den Osnabrückern, könnten bald in ganz Niedersachsen Reisebeschränkungen für Bewohner der Kreise Gütersloh und Warendorf gelten, denn: „In diesem Zusammenhang schlagen Landkreis und Stadt Osnabrück dem Land Niedersachsen vor, die in Mecklenburg-Vorpommern geltenden Reisebeschränkungen für Personen aus Lockdown-Gebieten oder Gebieten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 50 auch für ganz Niedersachsen zu übernehmen.“

Landkreis und Stadt Osnabrück hatten direkt nach Bekanntwerden des massiven Ausbruchs bei Tönnies im Kreis Gütersloh eine Quarantäne angeordnet für alle Mitarbeiter von Tönnies, die ihren Wohnsitz in Landkreis und Stadt Osnabrück haben. Außerdem war der Personaltransfer zwischen dem Betrieb in Rheda-Wiedenbrück und dem Standort in Badbergen im Landkreis Osnabrück untersagt worden.

Die Schüler aus Gütersloh, die im Landkreis Osnabrück zur Schule gehen, waren ebenfalls kontrolliert worden.

Im Rahmen der laufenden Reihentestungen in Alten- und Pflegeheimen sollen nun die Einrichtungen an der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen bevorzugt getestet.

Erweiterte Maskenpflicht in Münster

Sorgen macht man sich auch in Münster, wo die Stadt mit neuen Regeln zur Maskenpflicht reagiert. «Wer aus dem Großraum Gütersloh und Warendorf kommend Münster besucht, ist ab morgen (Mittwoch, 24. Juni) im öffentlichen Raum und am Arbeitsplatz im gesamten Stadtgebiet zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtet», teilte die Stadt am Dienstagabend mit. Jedenfalls dann, wenn man den Mindestabstand von 1,50 Meter zu anderen Menschen nicht sicher und durchgehend gewährleisten könne. Betroffen von der per Allgemeinverfügung angeordneten Maskenpflicht seien Personen mit Wohnsitz im gesamten Kreis Gütersloh und im gesamten Kreis Warendorf.

Ebenso seien Personen im Stadtgebiet Münster zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beziehungsweise Einhalten des Mindestabstandes verpflichtet, die in Münster wohnen und sich regelmäßig im Raum Gütersloh und Warendorf als Berufspendler aufhalten, hieß es. Die Maßnahmen sollen bis 1. Juli gelten. «Die Corona-Pandemie breitet sich in unserer Nachbarschaft mit erschreckender Geschwindigkeit aus. Die jetzt beschlossene Maßnahme dient nur einem Zweck: die Ausbreitung des Virus zu begrenzen», erklärte der Leiter des Corona-Krisenstabes der Stadt Münster, Wolfgang Heuer.

Tests für Bewohner des Kreises Gütersloh auch beim Hausarzt

Bewohner der Kreises Gütersloh, die sich mit einem Attest ausstatten wollen, haben es derweil jetzt leichter: Seit Dienstag können sich nach Angaben des Kreises Gütersloh alle Bürger, die keine Symptome haben, auch bei ihrem Hausarzt auf das Coronavirus testen lassen. Das sehe eine Vereinbarung vor, die die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWK) auf den Weg gebracht habe.

Bisher musste man ohne Symptome ein Diagnosezentrum ansteuern. Das erste hatte die KVWL am Carl-Miele-Berufskolleg in Gütersloh am Dienstag in Betrieb genommen : Dort kann man ohne Anmeldung Abstriche machen, es ist aber mit Wartezeiten zu rechnen.

Der Kreis Gütersloh rät: Seinen Hausarzt sollte man vorher telefonisch kontaktieren, um unnötige Wartezeiten in der Praxis zu vermeiden.

Kommentare

Wolfgang Klein  schrieb: 24.06.2020 05:29
Quarantäne für Familie Tönnies
Schön, dass sich die Entscheidungsträger dazu durchgerungen haben, dass Herr Tönnies und die übrige Führungsriege der Firma auch in Quarantäne müssen. Gerecht wäre es, wenn man sie dazu verdonnern würde, dies auch wie die meisten von ihnen Geschädigten in einer kleinen 50 Quadratmeter-Wohnung erleiden zu müssen, ohne den Luxus ihrer Villen und privaten Schlössern, damit sie wirklich am eigenen Leib erfahren, was sie den Leuten eingebrockt haben.
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