„Keine öffentliche Stigmatisierung“ – Laumann: Ergebnisse aus Massentests Ende der Woche
Laschet fordert Lösungen für Urlauber aus dem Kreis Gütersloh

Gütersloh/Düsseldorf (dpa). Der Landtag Nordrhein-Westfalen beschäftigt sich heute mit dem Corona-Ausbruch in einer Schlachtfabrik der Firma Tönnies im Kreis Gütersloh. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat die anderen Bundesländer aufgefordert, Menschen aus dem Kreis Gütersloh trotz des Corona-Ausbruchs Urlaub zu ermöglichen. Auch eine Aktuelle Stunde stand auf dem Programm, in der sich NRW-Gesundheitsminister Laumann äußerte.

Mittwoch, 24.06.2020, 13:38 Uhr aktualisiert: 24.06.2020, 14:52 Uhr
Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, sitzt in einer Box aus Plexiglas im Plenum des Landtags. Der Corona-Ausbruch beim Fleischriesen Tönnies ist Thema eines Schlagabtausches zwischen Ministerpräsident und Opposition. Zum Schutz vor Ansteckung tagt das Plenum mit Trennwänden. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
Armin Laschet (CDU), Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, sitzt in einer Box aus Plexiglas im Plenum des Landtags. Der Corona-Ausbruch beim Fleischriesen Tönnies ist Thema eines Schlagabtausches zwischen Ministerpräsident und Opposition. Zum Schutz vor Ansteckung tagt das Plenum mit Trennwänden. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

„Eines geht nicht: dass man die Menschen aus dem Kreis Gütersloh öffentlich stigmatisiert“, sagte Laschet am Mittwoch im Landtag in Düsseldorf. In einer Schlachtfabrik der Firma Tönnies im Kreis Gütersloh war es zuletzt zu dem Ausbruch gekommen.

Er habe mehrmals mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) telefoniert, sagte Laschet. Dieser habe versichert, Menschen aus Gütersloh seien willkommen, wenn sie auf das Coronavirus getestet seien. „Ich erwarte auch von den Bundesländern in Norddeutschland, dass wir zu solchen Regelungen kommen und dass wir gemeinsam diese Krise bewältigen“, sagte Laschet in der Unterrichtung des Landtags. Außerhalb der Beschäftigten in der Fleischindustrie sei nur eine kleine Zahl von Fällen bisher bekannt.

In Bayern dürfen Beherbergungsbetriebe keine Menschen mehr aufnehmen, die aus einem Landkreis einreisen, in dem die Zahl der Neuinfektionen in den zurückliegenden sieben Tagen bei mehr als 50 pro 100.000 Einwohner liegt.

Im Kreis Gütersloh liegt dieser Wert weit über 50 – bei 270,2 (Stand: Mittwoch, 26. Juni). Am Dienstag lag der Wert laut NRW-Gesundheitsministerium noch bei 257,4. Im benachbarten Kreis Warendorf stieg er auf 66,2. Am Tag zuvor hatte der Wert dort bei 61,2 gelegen.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern dürfen sie nicht einreisen oder bleiben. Schleswig-Holstein will Reisende aus solchen Corona-Hotspots künftig zwei Wochen in Quarantäne schicken. Ausnahmen soll es jeweils nur für jene geben, die einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen können.

Aufschluss über Verbreitung

In einer Aktuellen Stunde zum Ausbruch in der Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück kündigte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) an, dass mit Massentests in den Kreisen Gütersloh und Warendorf bis Ende der Woche Erkenntnisse über die Verbreitung des Coronavirus vorliegen sollen.

Dann wolle man wissen, „ob das Virus in andere Teile der Bevölkerung übergesprungen ist“, sagte Laumann. Rund 900 Polizisten in beiden Kreisen unterstützen nach Angaben Laumanns die Behörden bei der Durchsetzung der Quarantäne der rund 7000 betroffenen Tönnies-Beschäftigten.

Laumann kündigte erneut einen scharfen Kurs gegen die Zustände in der Fleischindustrie an. „Das hat mit einer humanen Arbeitswelt nichts mehr zu tun“, sagte er.

Der CDU-Politiker wies Vorwürfe zurück, die Behörden hätten Schlachthöfe nicht gut genug kontrolliert. In 30 Schlachthöfen seien bei Kontrollen erhebliche Mängel festgestellt worden, so Laumann. Dazu gehörten auch Tönnies-Betriebe.

„Der Arbeitsschutz war pausenlos unterwegs, gerade in den Hotspots in NRW.“ Das derzeitige „System der industriellen Schlachtung“ habe keine Zukunft mehr, sagte Laumann mit Blick auf das geplante Bundesgesetz.

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7465781?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516079%2F
Krisenstab mietet Wohnsiedlung für positiv getestete Tönnies-Mitarbeiter an
Symbolbild. Foto: dpa
Nachrichten-Ticker