Erste Ergebnisse aus Diagnosezentrum
Landräte wenden sich gegen Beschränkungen für Einwohner der Kreise Gütersloh und Warendorf in anderen Gegenden

Gütersloh/Warendorf (WB). Die Landräte der Kreise Warendorf und Gütersloh, Olaf Gericke und Sven-Georg Adenauer (beide CDU), kritisieren die Belastungen für Bürger aus den beiden Kreisen durch Verantwortliche in vielen anderen Regionen etwa durch Urlaubsbeschränkungen. Derweil liegen weitere Testergebnisse vor. Und es gibt acht neue Infektionen ohne Tönnies-Bezug.

Mittwoch, 24.06.2020, 15:30 Uhr aktualisiert: 24.06.2020, 16:02 Uhr
Sven-Georg Adenauer (CDU), Landrat im Kreis Gütersloh. Foto: David Inderlied/dpa
Sven-Georg Adenauer (CDU), Landrat im Kreis Gütersloh. Foto: David Inderlied/dpa

„Die Menschen haben auf Deutsch gesagt die Schnauze voll“, fassen sie laut einer Mitteilung vom Mittwoch die Stimmung der Bevölkerung in den beiden Kreisen zusammen.

Rund 670.000 Menschen sind von den seit Mitternacht geltenden Beschränkungen betroffen, die in Folge des Coroanausbruchs bei der Firma Tönnies in Kraft traten. Diese Beschränkungen unterstützen die beiden Landräte laut Mitteilung ausdrücklich und „tragen die gemeinsam mit ihnen getroffenen Regelungen der Landesregierung voll und ganz mit“. „Aber die zunehmende Stigmatisierung unserer Bürgerinnen und Bürger ist in unseren Augen eine Unverschämtheit“, betonen laut Pressetext Gericke und Adenauer.

Durch „die geringe Infektionszahl in der übrigen Bevölkerung“, also jenen, die keinen direkten Bezug zu dem Unternehmen Tönnies haben, seien beispielsweise Urlaubabsagen durch ganze Regionen in Deutschland nicht gerechtfertigt. „Auch im Urlaub gilt es, die allgemeinen Hygieneregeln einzuhalten“, wird Adenauer zitiert. Unter dem Aspekt sei Urlaub absolut vertretbar. „Es ist doch nicht so, dass plötzlich alle wieder auf den Tischen tanzen.“

Als „geradezu grotesk“ bezeichnen beide die laut Mitteilung nicht mit ihnen vorab besprochene Entscheidung des Krisenstabs der Stadt Münster, wonach alle Bürger aus den Kreisen in Münster auch in der Öffentlichkeit und am Arbeitsplatz eine Maske tragen müssten, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden könne . Diese Regelung gelte auch für Berufstätige aus der Stadt Münster, die in einen dieser beiden Kreise wegen des Berufs pendeln. „Wo soll das denn sein?“, fragt dem Pressetext zufolge Gericke. Da fehle ihm die Fantasie. Eigentlich sei das ohnehin nichts Neues. In Schlangen vor dem Kiosk oder der Eisdiele trügen bereits jetzt alle Menschen Masken und das gelte für alle. Dafür extra eine Verfügung zu erlassen, in der die Menschen aus den beiden Kreisen exponiert würden, mute an, als sei sie nur erlassen worden zur weiteren Stigmatisierung. „Außerdem sollte man nur das per Verfügung erlassen, was man auch kontrollieren kann“, so Adenauer. „Man könnte es auch für Satire halten, wenn es nicht so traurig wäre.“

Erste Ergebnisse aus Diagnosezentrum

Bei einer Pressekonferenz am Mittwoch nannte Adenauer erste Ergebnisse aus dem seit Dienstag betriebenen Diagnosezentrum in Gütersloh . Demnach seien bislang 600 Abstriche gemacht worden, 230 Ergebnisse lägen vor, davon seien 229 negativ und eines unklar.

Adenauer kündigte die Eröffnung eines weiteren Diagnosezentrums in Rheda-Wiedenbrück an, über ein drittes werde nachgedacht.

Die Zahl der aktuell Infizierten ohne Tönnies-Bezug im Kreis Gütersloh sei von 24 auf 32 gestiegen.

Weiter nichts zu Infektionen unter Angehörigen der Tönnies-Beschäftigten

Weiterhin gab es keine Angaben über die festgestellten Infektionen unter Angehörigen der Tönnies-Beschäftigten. Als Grund dafür hatte es bei einer früheren Pressekonferenz geheißen, es müsse zunächst ein Datenabgleich vorgenommen werden, um Doppelzählungen zu vermeiden.

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