E-Mail-Versand verboten – Befunde können älter als 48 Stunden sein
Datenschutz bremst Corona-Tests

Gütersloh (WB). Menschen aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf, deren Urlaub von einem negativen Corona-Test abhängt, droht ein Problem: Datenschutzbestimmungen können dafür sorgen, dass der Test älter als 48 Stunden ist, wenn er am Urlaubsziel vorgezeigt wird.

Freitag, 26.06.2020, 04:41 Uhr aktualisiert: 26.06.2020, 12:52 Uhr
Corona-Abstrich: Im Carl-Miele-Berufskolleg nehmen zwei Mitarbeiterinnen der Kassenärztlichen Vereinigung die Daten eines Mannes auf. Der Ansturm auf die für Bürger kostenlosen Tests ist gewaltig. Der Kreis hat jetzt weitere Testzentren eingerichtet und will auf 10.000 Abstriche pro Tag kommen. Foto: dpa
Corona-Abstrich: Im Carl-Miele-Berufskolleg nehmen zwei Mitarbeiterinnen der Kassenärztlichen Vereinigung die Daten eines Mannes auf. Der Ansturm auf die für Bürger kostenlosen Tests ist gewaltig. Der Kreis hat jetzt weitere Testzentren eingerichtet und will auf 10.000 Abstriche pro Tag kommen. Foto: dpa

Aktuell verlangen Schleswig Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg und Bayern von Touristen aus den beiden Landkreisen einen negativen Test, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Dabei soll das Datum des Abstrichs entscheidend sein. Die Labore, die die Corona-Abstriche auswerten, dürfen den Bürgern das Testergebnis aber nicht per E-Mail mitteilen. Das bestätigte Prof. Dr. Carsten Tiemann vom Labor Krone in Bad Salzuflen, das unter anderem Abstriche aus dem Kreis Gütersloh auswertet. „Befunde per E-Mail zu verschicken ist verboten. Wir müssen den Postweg nutzen”, sagt der Laborleiter für Molekulare Diagnostik.

Zum Zeitablauf erklärte Tiemann, das Labor verfüge 24 Stunden nach Eingang des Abstrichs über das Ergebnis. Einmal am Tag würden die Befundberichte gesammelt zur Post gebracht, sie seien in der Regel am nächsten Tag beim Patienten.

Da aber zwischen der Entnahme des Abstrichs in den Abstrichzentren und dem Eintreffen im Labor Zeit vergeht und nicht jeder Urlauber an dem Tag verreist, an dem er das schriftliche Ergebnis in der Hand hält, sind die 48 Stunden schnell überschritten.

Eine Internistin aus dem Kreis Gütersloh, die seit Mittwoch Abstriche bei ihren Patienten nimmt, sagte, das Verfahren lasse sich unter Umständen beschleunigen, wenn man nicht die Abstrichzen­tren nutze, sondern zu einem Arzt gehe. „Ich möchte keinen Run auf die Praxen auslösen, aber Fakt ist: Jeder Arzt ist online mit seinem Labor verbunden und erhält einen Befund, sobald er vorliegt. Dann entfällt natürlich der eine Tag, den die Post braucht.”

Über die beiden Kreise war am Dienstag der Shutdown verhängt worden, weil die Infektionszahlen im Schlachtbetrieb Tönnies durch die Decke gegangen waren. Wie das Virus in den Betrieb gekommen sei, sei noch unklar, sagte Jan Focken, Sprecher des Kreises Gütersloh, am Donnerstag. Eine Rolle könne aber eine Kirche in Herze­brock-Clarholz gespielt haben. Die evangelische Gemeinde hat ein großes Einzugsgebiet und bietet Gottesdienste und andere Veranstaltungen für Rumänen an. Mehrere Tönnies-Mitarbeiter, die später positiv getestet wurden, hatten dort am 17. Mai an einem Gottesdienst teilgenommen.

Innerhalb des Schlachtbetriebs könnte sich das Virus dann nach Meinung des Bonner Hygienikers Prof. Martin Exner über eine Klimaanlage verbreitet haben, die keine Frischluft zuführt, sondern die Luft nur kühlt und umwälzt. Das Unternehmen Tönnies kündigte an, diese mögliche Quelle mit technischen Nachrüstungen auszuschalten.

Kommentare

Matthias F.  schrieb: 26.06.2020 10:43
Herr Stephan Behrens:
Sie haben nicht ganz verstanden, worum es geht. Die Zielorte wollen keine Gütersloher haben. Das Problem mit den 48 Stunden ist Kalkül und kein Zufall. Auf diese Weise kann man es schaffen, eine Frist zu setzen, die niemand einhalten kann, zumindest nur die wenigsten. Für die 48h-Regelung unterstelle ich volle Absicht. Würden sie nämlich offen sagen, dass Gütersloher generell unerwünscht sind, könnte dies schnell zum Prozess führen. So lässt sich das umgehen. Im Mittelalter wurde beispielsweise ein Test durchgeführt, um zu prüfen, ob eine Frau eine Hexe ist: Ist sie dabei ertrunken, war sie keine Hexe und hat eben Pech gehabt. Den umgekehrten Fall gab es logischerweise nie.
Stephan Behrens  schrieb: 26.06.2020 07:21
Besser Attest über gesicherten Server downloaden
Wendet doch das gleiche Verfahren an mit dem jeder Kunde der Sparkasse seine Kontoauszüge herunterlädt.
Einen gesicherten Webserver aufsetzen und das Attest als PDF unter einer individuellen URL bereitstellen, die der Patient beim Abstrich mitgeteilt bekommt. Steht das Attest bereit, bekommt der Patient eine kurze email-Nachricht, dass er das Dokument unter seiner individuellen URL herunterladen kann.

Das Verfahren ist erprobt (Banken), schnell und sicher!
2 Kommentare
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