Schimmel und undichte Dächer - auch Bauernhöfe überprüft
NRW deckt 2000 Mängel in Werkswohnungen auf

Düsseldorf/Gütersloh/Espelkamp (WB). Das NRW-Arbeits- und Gesundheitsministerium hat im Mai 900 Unterkünfte von Werkarbeitern der Fleischindustrie und landwirtschaftlichen Saisonarbeitern kontrollieren lassen, fast die Hälfte davon in Ostwestfalen-Lippe. Dabei seien mehr als 2000 Beanstandungen festgestellt worden, erklärte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwoch.

Mittwoch, 08.07.2020, 19:21 Uhr aktualisiert: 08.07.2020, 20:08 Uhr
Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Foto: dpa
Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Während man in den Unterkünften auf Bauernhöfen eher geringe Mängel festgestellt habe, hätten Kontrolleure in einigen Werksunterkünften für Fleischarbeiter zum Teil gravierende Dinge gesehen. „Das ging bis zu Schimmelpilzen, undichten Dächern, Ungezieferbefall, Einsturzgefahr, Brandschutzmängeln und katastrophalen Sanitäreinrichtungen”, heißt es in einem Bericht des Ministeriums.

„Unwürdige Unterkünfte”

In Ostwestfalen-Lippe waren die Prüfer in den Kreisen Minden-Lübbecke und Gütersloh unterwegs. Sie kontrollierten etwa 410 Wohnungen, in denen zwischen einem und 20 Arbeiter untergebracht waren. Zwei Wohnungen in Gütersloh sowie eine in Espelkamp wurden wegen Gesundheitsgefahren geräumt, zudem eine in Bochum. Der Minister sprach von „unwürdigen Unterkünften”.

Die Arbeitsschutzbehörden dürfen gewöhnlich nur Unterkünfte inspizieren, die von Arbeitgebern zur Verfügung gestellt werden. In der Fleischindustrie ist es aber oft so, dass Subunternehmer Arbeiter zu bestimmten privaten Vermietern schicken. Offiziell sind das dann keine Werkswohnungen, und niemand prüft, wieviele Menschen der private Vermieter in seinen Räumen unterbringt. Die Corona-Pandemie ermöglicht es den Behörden nun aber, aus Infektionsschutzgründen die Wohnräume aller Werkarbeiter aufzusuchen - und so auch Missstände zu entdecken, die sonst nicht so schnell aufgeflogen wären.

Arbeiter in Lkw-Anhänger untergebracht

Landesweit betrafen die Kontrollen in der Fleischindustrie 650 Unterkünfte von 5.300 Arbeitern. 1.863 mittlere und schwere Beanstandungen wurden dabei nach Angaben des Ministeriums dokumentiert. Außerdem sahen sich die Kontrolleure die Unterkünfte von Fleischarbeitern an, die in NRW leben, aber in Belgien arbeiten. Hier wurden Hygiene-, Brandschutz- und Baumängel entdeckt.

Bei ihren Kontrollen im Mai haben die Arbeitsschützer, die bei den fünf Bezirksregierungen angestellt sind, auch 250 Bauernhöfe überprüft, auf denen 5.800 Saisonarbeiter beschäftigt waren. Dabei wurden 170 Mängel festgestellt wie fehlende Einmalhandtücher oder ein zu kleiner Abstand der Betten. In drei Betrieben wurden aber auch erhebliche Missstände aufgedeckt: Ein Betrieb in Krefeld hatte zwei Arbeiter in einem Lkw-Anhänger untergebracht, in einem Betrieb in Espelkamp lebten acht Saisonarbeiter auf engstem Raum, und in Bornheim waren die Infektionsschutzmängel so groß, dass die Ernte eingestellt werden musste.

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