Gütersloh
Preisgekrönt: „Regeln am Band“ im Bambi

Gütersloh (dop) - In der Provinz kämpfen osteuropäische Leiharbeiter ums Überleben und Aktivisten kämpfen für deren Rechte, derweile eine Theaterklasse ein Brecht-Stück probt und über Wirtschaftsstrukturen nachdenkt. Wie das zusammenhängt, zeigt der Film „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“.

Mittwoch, 16.09.2020, 16:44 Uhr aktualisiert: 16.09.2020, 17:16 Uhr
Gütersloh: Preisgekrönt: „Regeln am Band“ im Bambi

In der preisgekrönten Dokumentation von Yulia Lokshina geht es nicht nur um die Arbeits- und Unterkunftssituationen von Mitarbeitern der Fleischindustrie, es geht insgesamt um Menschen und Moral angesichts der Tatsache, dass offenen Landes- und Marktgrenzen für die einen Gefahr und für die anderen pures Kapital bedeuten. Noch vor dem offiziellen Bundesstart am 22. Oktober, wird der Streifen am Sonntag, 20. September, ab 17.30 Uhr in einer Vorpremiere im Gütersloher Bambi-Kino zu sehen sein – in Anwesenheit der Regisseurin und der Rheda-Wiedenbrücker Aktivistin Inge Bultschnieder (Interessengemeinschaft Werkfairträge). Denn einige Sequenzen des Films wurden bei Tönnies und in Gütersloh gedreht.

Im Abschluss an die Vorführung ist eine Podiumsdiskussion mit den Filmemachern, Inge Bultschnieder sowie Vertretern des deutschen Bundestags geplant. Die Moderation übernimmt Ingo Brüggenjürgen.

Drei Jahre lang hat sich die in München lebende Filmemacherin Yulia Lokshina mit den Lebens- und Arbeitsbedingungen von Werkvertragsarbeitern rund um den Schlachtgiganten Tönnies beschäftigt. „Aber da musste erst eine Pandemie kommen“, wunderte sie sich in einem Interview, „dass über die Missstände gesprochen wird, die doch seit Jahren bekannt sind.“

 Anders als erwartet, zeigt der Film allerdings nicht die Arbeit mit toten Tieren. Stattdessen fokussiert sich die Kamera einerseits auf das Umfeld des Fleischkonzerns, lässt Leiharbeiter ebenso zu Wort kommen wie Kritiker der Fleischindustrie, darunter auch den engagierten katholischen Pfarrer Peter Kossen. Andererseits erzählt der Film, wie Schüler Bertolt Brechts Theaterstück „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ proben. „Ich verknüpfe die Welt der Produktion und der Arbeitsmigranten mit dem Alltag, in dem wir uns bewegen und in dem es uns so gut geht“, erklärt die gebürtige Moskauerin, die an der Münchener Filmhochschule studierte.

So prallen Parallelwelten aufeinander: Hier die Nachfrage und der Konsum von möglichst billigem Fleisch, dort die gewinnbringende Billigproduktion zulasten osteuropäischer Leiharbeiter. Hier die Gedankenlosigkeit, dort das Leid.

„Regeln am Band“ sei der Film der Stunde, urteilte ein Kritiker. Und es ist Lokshinas Diplomfilm, der beim renommierten Max-Ophüls-Festival mit dem gleichnamigen Preis für die beste Dokumentation ausgezeichnet wurde.

Aufgrund coronabedingt begrenzter Teilnehmerzahl empfehlen die Kinobetreiber eine Anmeldung per E-Mail: bambikino@t-online.de

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