Gütersloh
48.826 Gütersloher gehen nicht zur Wahl

Gütersloh (din) - Bei der Analyse des Wahlergebnisses in Gütersloh stechen mehrere Dinge ins Auge. So hat Henning Schulz (CDU) im ersten Wahlgang am 13. September mit fünf Kandidaten 13 772 Stimmen (36,13 Prozent) bekommen. Bei der Stichwahl gegen Nobby Morkes (BfGT) votierten zwei Wochen später noch 12 761 Wähler für ihn (42,14 Prozent).

Montag, 28.09.2020, 20:19 Uhr aktualisiert: 28.09.2020, 21:01 Uhr
Gütersloh: 48.826 Gütersloher gehen nicht zur Wahl

Schulz hat 1011 Stimmen verloren. Der scheidende Amtsinhaber konnte also nicht einmal alle Wähler mobilisieren, die anfangs ihn favorisiert hatten, geschweige denn, andere Wähler für sich gewinnen. Ganz anders Nobby Morkes: Der Herausforderer gewann 7941 Stimmen hinzu. Hatte er beim ersten Wahlgang noch 9580 Stimmen erhalten (25,13 Prozent), waren es bei der Stichwahl am Sonntag 17 521 (57,89 Prozent). Der Schluss liegt nahe, dass viele, die im ersten Wahlgang für Gitte Trostmann (Grüne), Volker Richter (SPD) oder Manfred Reese (Linke) votiert hatten, nun Morkes gewählt haben. 

Die Linken hatten als Partei aus ihrer Präferenz für Morkes keinen Hehl gemacht. Anders die Grünen: Sie gaben zwar offiziell keine Wahlempfehlung, Funktionsträger wie die Landtagsabgeordnete und Ratsfrau Wibke Brems und Ratsherr Hans-Peter Rosenthal hatten aber ihre Ablehnung von Morkes und Präferenz für Schulz offen geäußert. Auch Gitte Trostmann gab am Freitag noch eine Pressemitteilung heraus, die man als Wahlempfehlung für Schulz verstehen konnte. Die Fraktionsvorsitzende Birgit Niemann-Hollatz hoffte am Sonntagabend bei der Auszählung bis zum Schluss, dass sich das Blatt noch wenden würde. 

Von den 8124 Stimmen, die Trostmann im ersten Wahlgang erhielt, dürfte ein Großteil nicht bei Schulz, sondern bei Morkes angekommen sein. Den größten Anteil mit 61,86 Prozent hatten am Sonntag allerdings die Nichtwähler. 48.826 wahlberechtigte Gütersloher haben von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht, damit aber trotzdem indirekt Einfluss auf die Entscheidung genommen. Denn auf diese Weise wirkte sich aus, wer seine Unterstützer besser mobilisieren konnte – und das war eindeutig Morkes. 

Der scheidende Amtsinhaber Schulz hat bei der Stichwahl am Sonntag nur in einem Wahlbezirk mehr Stimmen bekommen als der künftige Bürgermeister Morkes: im Bezirk 220, Freie Waldorfschule, Friedrichsdorf/Avenwedde. Mit 51,66 Prozent lag Schulz dort knapp vorn. Die Wahlbeteiligung dort betrug 40,01 Prozent und lag damit über dem Durchschnitt von 38,14 Prozent. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich auch Schulz vor der Wahl aus ökologischen Gründen gegen eine Umgehungsstraße ausgesprochen und entsprechende Schritte angekündigt hatte. Morkes und die BfGT hatten die Umgehung schon länger abgelehnt. Morkes erzielte sein bestes Ergebnis erwartungsgemäß mit 68 Prozent in seinem Heimatwahlbezirk 30 in Pavenstädt. 

Was vor fünf Jahren für Schulz galt, trifft jetzt auch auf Nobby Morkes zu. Wegen der geringen Wahlbeteiligung hat unter dem Strich nicht einmal jeder vierte Gütersloher für ihn gestimmt. Die Quote beträgt 21,75 Prozent aller Wahlberechtigten.

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