Offene Briefe ans ZDF: Klagen über »Lärmblödsinn« durch Hubschrauber-Rundflüge am Wochenende
Gepfefferte Kritik nach fader Grillshow

Halle (WB). Viele Haller fühlen sich buchstäblich verkohlt. Wegen der Hubschrauberflüge zur ZDF-Grillshow am Samstag haben sich erboste Bürger im Rathaus und bei der Polizei scharf beschwert.

Donnerstag, 07.08.2014, 10:12 Uhr aktualisiert: 07.08.2014, 13:21 Uhr
Offene Briefe ans ZDF: Klagen über »Lärmblödsinn« durch Hubschrauber-Rundflüge am Wochenende : Gepfefferte Kritik nach fader Grillshow
Die Kamera ist überall: Johann Lafer blickt sie über die Schulter, vom Heli ins Stadion. Foto: Mike-Dennis Müller

War die große Grillshow auch ein wenig fade – die Klagen über den Lärm waren gepfeffert. Auf der Polizeiwache sollen sogar Anrufe in zweistelliger Anzahl eingegangen sein. Beim Ordnungsamt hat man drei Beschwerden registriert. Und die wiederholte Anfrage, ob die Flüge denn überhaupt genehmigt worden sind.

Vor allem verärgert hat die Haller, dass der Helikopter so lange und so oft geflogen ist. Der hatte nämlich nicht nur am Samstagabend den prominenten TV-Koch Johann Lafer – oder womöglich sein Double – über der Osningkampfbahn abgesetzt und den Fernsehzuschauern den ein oder anderen Blick von oben ins Stadion ermöglicht. Vielmehr hatte der Heli schon am Freitag einige Runden über der Stadt gedreht und seine Flüge am Samstag zwischen 18 und 21 Uhr fortgesetzt – für die Eurovisionssendung, die die Stadt Halle auch in Österreich und der Schweiz bekannt gemacht hat.

Alle hätten geglaubt, es werde wieder »ein verirrter, alter Mensch gesucht oder ein entlaufener Sträfling, Bankräuber etc.«, schreibt Helmut Brendel in einem offenen, ironisch gehaltenen Brief ans ZDF. Weil 8000 Zuschauer scheinbar Spaß an etwas gefunden hätten, »wo detailliertes Zuschauen nur unter Zuhilfenahme von Ferngläsern« möglich sei, falle das bisschen Lärmbelästigung für die Bürger wohl nicht ins Gewicht. Brendel: »Wenn ein Rasenmäher, Motorrad, Auspuff zu laut ist, schickt man uns gleich die Polizei oder das Ordnungsamt auf den Hals.«

Von »Verbrecherjagd oder Vermisstensuche« ist auch Hans-Werner Martens anfangs ausgegangen. »Ein ruhespendender Aufenthalt im Freien – im heimischen Garten – war unmöglich! Unsere private Gartenfete hätte nach zwei Stunden wegen genervter Stimmung abgeblasen werden müssen, so unterträglich war das unablässige Geknatter der Rotoren bzw. der Triebwerke vom ZDF-Hubschrauber«, bemängelt er die »unverhältnismäßige« Lärmbelästigung in seinem ebenfalls offenen Brief an das ZDF. Der Blick ins Stadion könne dem Zuschauer bei allen Veranstaltungen über »Kameras an Laufkatzen« geboten werden. Er appelliert: »Lassen Sie solch einen Lärmblödsinn in Zukunft bitte und nutzen Sie unsere GEZ-Beiträge für emissionsärmere Unterhaltung.«

Die Stadt Halle hat aus den Beschwerden jedenfalls ihre Konsequenzen gezogen. »Die Hubschrauberflüge vom Start- und Landeplatz bei Storck sind mit dem Ordnungsamt schon abgestimmt. Aber nicht in diesem Umfang. Das hat uns ebenfalls überrascht«, sagte Friedhelm Korenke, Abteilungsleiter im Ordnungsamt, auf WB-Anfrage. Im Nachhinein könne man nichts mehr ändern an der Lärmbelästigung. Aber in Zukunft werde die Stadt mit derartigen Anfragen sensibler umgehen.

Kommentare

Michael Schönow  schrieb: 07.08.2014 13:49
was
habt ihr gegen den Lärm, dann kommt zur Hansestadt Herford, da wird mit Erlaubnis der Regierung und den Ordnungsamt es erlaubt, dass dort ein Heavy Metal Konzert an einem Sonntag statt findet. Was soll es, Lärm ist doch so gesund. Ich nehme an, dass die Verantwortlichen Politiker und Ordnungsamtmitarbeiter sich direkt neben die Lautsprecher hinstellen. Und dann wenn sie irgendwas machen sollen, für die Bevölkerung, dann sagen die, wir verstehen sie nicht. Warum wohl.
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