Di., 23.01.2018

Nach Attacke in Obdachlosenheim schwebt 74-Jähriger noch in Lebensgefahr Stadt sah keinen Grund zum vorherigen Eingreifen

In diesem Übergangswohnheim für Obdachlose und Flüchtlinge in Halle-Bokel ist der 74-Jährige schwer verletzt worden.

In diesem Übergangswohnheim für Obdachlose und Flüchtlinge in Halle-Bokel ist der 74-Jährige schwer verletzt worden. Foto: Burkhard Hoeltzenbein

Halle/Bielefeld (WB/hn). Der 74-jährige Mann, der am Samstag mit zahlreichen Verletzungen in einem Wohnheim an der Gütersloher Straße im Haller Ortsteil Bokel aufgefunden worden ist, schwebt weiterhin in Lebensgefahr. Seit Sonntag ermittelt eine Mordkommission. Ein 21-jähriger Tatverdächtiger wurde von der Polizei vernommen, ist aber wieder auf freiem Fuß.

Die Ermittler sicherten diverse Spuren am Tatort. Weitere stellten sie sowohl an der Kleidung des Tatverdächtigen als auch der des Opfers sicher. Polizei und Staatsanwaltschaft stuften die Tat in einer am Montag veröffentlichten Erklärung als versuchtes Tötungsdelikt ein. Unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Markus Mertens gründete die Bielefelder Polizei mit Unterstützung der Polizei Gütersloh die elfköpfige Mordkommission »Bokel«.

Opfer kam nach einem Angriff vor Weihnachten gerade aus dem Krankenhaus zurück

Wie verwaist liegt das abgeschirmte Wohnheim gut einen Tag nach der Bluttat im Nebel. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde der Rentner hier am Samstag durch massive Schläge mit einem noch unbekannten Gegenstand schwer verletzt. Gegen 15 Uhr wurde der Feuerwehr am Samstag laut Polizeiangaben eine schwerst verletzte Person in einem Übergangswohnheim in der Gütersloher Straße gemeldet. Die Rettungskräfte stellten beim Eintreffen fest, dass einem 74-jährigen Bewohner in seinem Zimmer durch einen zunächst unbekannten Täter zahlreiche Verletzungen am Kopf, Oberkörper und den Beinen zugefügt worden war.

Im Verdacht steht ein 21 Jahre alter polizeibekannter Mitbewohner. Erste Ermittlungen ergaben, dass der 74-Jährige bereits im Dezember binnen weniger Wochen bereits zwei Mal Opfer eines schweren, körperlichen Angriffs geworden war. Wegen der Folgen hatte er bis vor einigen Tagen im Krankenhaus gelegen. Der 21-jährige, der der Polizei als Gewalttäter bekannt ist und der wie der schwer verletzte Rentner in der städtischen Unterkunft als Mitbewohner wohnt, hatte den Rentner seinerzeit attackiert. Welche möglichen Handlungen zu dieser Attacke geführt haben, ist unklar.

Tatverdächtiger (21) streitet Attacke ab und wird von Haftrichterin auf freien Fuß gesetzt

Diesen Mitbewohner haben Zeugen am Samstag kurz nach dem Fund des Schwerverletzten in Nähe des Wohnheimes gesehen. Nach intensiver Fahndung meldete sich der Gesuchte am Samstag gegen 20 Uhr bei einer örtlichen Polizeidienststelle. Er wurde vorläufig festgenommen.

Der vorbestrafte Mann streitet die Tat ab. Am Sonntagabend wurde der Verdächtige daraufhin einem Haftrichter in Bielefeld vorgeführt. Die Dienst habende Richterin wies den Antrag der Staatsanwaltschaft zurück. Der 21-jährige Haller wurde daher wieder auf freien Fuß gesetzt.

Opfer hat sich laut Stadtverwaltung weder unsicher noch bedroht gefühlt

»Wir haben vor der Tat keinen Anhaltspunkt gehabt, dass es zu so einem Angriff kommen könnte«, erklärte Regina Bresser. Die Leiterin des Fachbereichs Bürgerdienste der Stadt Halle ist auch für das Übergangswohnheim zuständig. In diesem Haus, das eine Kapazität von 60 Plätzen hat, sind derzeit 30 Menschen untergebracht. Etwa die Hälfte von ihnen sind Flüchtlinge, die andere Hälfte sind Menschen ohne Obdach.

»Sowohl das Opfer als auch der Verdächtige besitzen die deutsche Staatsbürgerschaft«, berichtet Bresser. Der 74-Jährige habe einen bestellten Betreuer, der ihm bei alltäglichen Angelegenheiten wie Behördengängen oder bei der Unterbringung unterstütze.

Der Mann habe nach der Entlassung aus dem Krankenhaus keine Äußerung gemacht, dass er sich bedroht oder unsicher fühle. »Sowohl der zuständige Sachbearbeiter, die Sozialarbeiter und der Hausmeister haben das bestätigt«, erklärte Bresser. Ihr Amt habe daher trotz der Vorgeschichte keine Notwendigkeit gesehen, einen der beiden Männer in eine andere Einrichtung zu verlegen oder in dem weitläufigen Gebäude räumlich zu trennen.

»Streitigkeiten gibt es immer wieder. Auch, weil hier verschiedene Kulturen aufeinander stoßen«, sagte Bresser. Bei Anhaltspunkten für Streit würden Beteiligte getrennt. Das Übergangswohnheim stehe Obdachlosen den ganzen Tag zur Verfügung. »Wir sind gesetzlich verpflichtet, Obdachlosigkeit zu bekämpfen.«

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