So., 17.06.2018

Kommentar zur Situation der Gesamtschule Halle Warum eine Schule Probleme hat

Blick auf das Schulzentrum Masch, in der die neue Haller Gesamtschule sich im Aufbau befindet. Die Anmeldezahlen waren jetzt wiederholt schwach, was für Diskussionsstoff sorgt.

Blick auf das Schulzentrum Masch, in der die neue Haller Gesamtschule sich im Aufbau befindet. Die Anmeldezahlen waren jetzt wiederholt schwach, was für Diskussionsstoff sorgt.

Von Stefan Küppers

Der Posten der Haller Gesamtschuldirektorin ist in derzeit gewiss nicht vergnügungssteuerpflichtig. Almuth Burkhardt-Bader dürfte schon angenehmere Termine als den Auftritt im jüngsten Schulausschuss erlebt haben. Denn die Anmeldezahlen sind ziemlich schlecht, übrigens nicht das erste Mal. Mehr als eine ganze Klasse Haller Kinder hat zuletzt die relativ weit entfernte Steinhagener Realschule der nahen und gut ausgestatteten Gesamtschule an der Masch vorgezogen.

Jetzt steigt spürbar die Nervosität in der Politik, und auch die Tonlage verändert sich. Da ist die Rede davon, dass die Schule sich schon selbst gefährde. Und die Schulleiterin möge doch bitte ihre Verantwortung für die Entwicklung von Konzepten wahrnehmen, damit diese Gesamtschule wieder attraktiver wird. Bislang war von solchen Konzepten in der Tat wenig zu hören.

 

Die Probleme nur an einer Schulleiterin festzumachen, greift viel zu kurz

Doch die Akzeptanzprobleme, die jetzt mehr und mehr sichtbar werden, nur bei einer Schulleiterin festzumachen, greift viel zu kurz. Bei der Analyse, warum die Gesamtschule trotz millionenschwerer Investitionen bislang nicht die gewünschte Strahlkraft entfaltet hat, sollten sich einige politische Akteure ein Stück weit ehrlich machen. Es waren SPD, Grüne und auch die UWG, die diese Gesamtschule gegen viele gute Argumente und gegen den juristischen Widerstand von drei Nachbarkommunen und des Kreises Gütersloh durchgesetzt haben. Wegen des großen Streits und der damit verbundenen Unsicherheit wollte sich schon damals kaum jemand für die Schulleitung bewerben. Personalprobleme, so ist zu hören, sind leider auch heute noch Thema.

Ein weiteres kommt hinzu. Wenige Jahre nachdem Halle auf eine Gesamtschule mit Oberstufe gesetzt hat, ist andernorts zu beobachten, dass gerade die gute alte Realschule eine Renaissance in der Elterngunst erlebt. Weiterhin hat nicht nur die Debatte um die Georg-Müller-Schule deutlich gemacht, dass viele Eltern »auf dem Lande« für ihre Kinder eine klassische Halbtagsschule bevorzugen. Entsprechende Hinweise, dass eine Ganztags-Gesamtschule von einem maßgeblichen Teil der Eltern gar nicht gewünscht war, sind von der damaligen Ratsmehrheit schlicht ignoriert worden.

Die Gesamtschule hat mit vielen Problemen zu kämpfen

Es kommen weitere Probleme hinzu, mit denen die Gesamtschule zu kämpfen hat. Da ist der Lehrermangel, der die strukturellen Überforderungen bei der Inklusion oder der Integration von Flüchtlingskindern nochmals verschärft. Und schließlich haben die Gymnasien mit ihrer Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren die Gesamtschulen eines Alleinstellungsmerkmals beraubt.

Apropos Abitur: Zwei Jahre vor Anlaufen der neuen Oberstufe ist überhaupt noch nicht absehbar, wie die von der Haller Bürgermeisterin fröhlich geforderte Kooperation zwischen Gesamtschule und KGH in den oberen Klassen aussehen könnte. Die Konfliktpunkte beim Zusammenwachsen von KGH und Gesamtschule aber sind so vielschichtig, dass man sich fragen muss, ob dies überhaupt jemals gelingen kann. Viele der Probleme waren vor Jahren absehbar. Dass sie sich nun in einer Akzeptanzkrise zugespitzt haben, dafür tragen die politischen Gesamtschulgründer große Mitverantwortung

 

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