Fr., 14.09.2018

Kreis hat für Konzept schon Förderantrag gestellt - Kritik an mangelnder Beteiligung Eine Deponie wird zum Erlebnisort

Auf der Skizze sind Einzelprojekte vermerkt, die die Mülldeponie neben dem Steinbruch zu einem touristischen Erlebnisort machen sollen. Für das Projekt mussten jetzt sehr eilig Fördermittel beantragt werden. Der Sprengticker soll Beobachtern zeigen, wann die nächste Sprengung im Steinbruch ansteht. Mit Bouldern ist ein Angebot für Kletterfreunde gemeint.

Auf der Skizze sind Einzelprojekte vermerkt, die die Mülldeponie neben dem Steinbruch zu einem touristischen Erlebnisort machen sollen. Für das Projekt mussten jetzt sehr eilig Fördermittel beantragt werden. Der Sprengticker soll Beobachtern zeigen, wann die nächste Sprengung im Steinbruch ansteht. Mit Bouldern ist ein Angebot für Kletterfreunde gemeint. Foto: DTP Landschaftsarchitekten

Von Stefan Küppers

Halle (WB). Die Mülldeponie und der benachbarte Steinbruch in Künsebeck als ein touristischer Erlebnisort? Ja, das geht sogar sehr gut, sagt der Kreis Gütersloh und hat unter dem Projektnamen »Heimat zurückgeben« noch ganz schnell einen Förderantrag für den Landeswettbewerb Naturpark 2021 NRW aufgesetzt. Das Tempo aber, das dabei wohl an den Tag gelegt werden musste, hat in Halle einiges Grummeln ausgelöst.

Künsebecker Projekt wird mit zwei anderen in der Region verknüpft

Unter dem Schlagwort »TERRA.vita - Heimat neu entdeckt« ist bereits Mitte August ein Förderantrag für besagten Landeswettbewerb gestellt worden. Drei Projekte in der Region werden dafür miteinander verknüpft. In Künsebeck geht es um den Umgang mit oberirdischen Bodenschätzen verbunden mit einer konfliktträchtigen Nachnutzung unter dem Titel »Heimat zurückgeben«. Um den Umgang mit unterirdischen Bodenschätzen, verbunden mit einer besonderen Bergbaukultur und -tradition geht es im Museum Kleinenbremen (Kreis Minden-Lübbecke) unter dem Titel »Unsere Heimat -Tor Ost: Natur entdecken, Bergbau erfahren, Geologie erforschen«. Und um Geschichte, Bedeutung und Nutzung von Wäldern auf Grundlage der erdgeschichtlichen Entwicklung in Bielefeld geht es beim dritten Projekt »NatURspur Kahler Berg - Naturerleben um eine Naturwaldzelle«.

Tolle Aussichtspunkte für Wanderer und spannende Angebote für die Jugend

Das vom Kreis konzipierte Projekt Künsebeck hat einen Kostenrahmen von 340.000 Euro, bei potenziellen Fördermitteln von 238.000 Euro. Den Eigenanteil von 102.000 Euro trägt die Stadt Halle. Das Projekt hat sechs wesentliche Punkte. Erstens: Die Schaffung einer Wegeverbindung vom Bahnhof Künsebeck bis zur Deponie und der Bau eines Wanderparkplatzes. Zweitens: Ein Aussichtspunkt für Wanderer oberhalb der Steilwand des Steinbruches. Drittens: Die Schaffung eines Erlebnispfades »Geologie und Geotope erleben« um den Großen Künsebecker Berg mit Ausblicken in den Steinbruch und in Steilwände mit Uhu-Brutplatz. Für Kinder gibt es ein Geolabor. Viertens: Entwicklung eines Naturtrails auf der nordwestlichen Kuppe mit weiten Ausblicken in die Münsterländer Bucht. Besucher finden hier Infos zu Tieren und Pflanzen im FFH-Umfeld. Fünftens: Entwicklung einer Eventfläche am Kummerberg, die sich mit Naturbühne für kleine Veranstaltungen, Jugendcamps und Gottesdienste eignet. Weiterhin soll Bouldern, das freie Klettern an Felsblöcken ermöglicht werden. Sechstens: Der Eingangsbereich soll benutzerfreundlich gestaltet werden mit Abstellanlage für Biker und Stellplatz für Wohnmobile. Bis 2021 soll alles umgesetzt sein.

Künsebecker Bürger sind zu einer Informationsveranstaltung eingeladen

Viele dieser Ideen sind bereits vor Jahren in Workshops mit Künsebecker Bürgern entwickelt worden. Im Haupt- und Finanzausschuss ist das Projekt nun zwar grundsätzlich unterstützt worden. Doch dass der Kreis wegen der nun sehr eiligen Antragstellung weder die Stadt noch die Künsebecker Bürger vorher ausführlich beteiligen konnte, kam nicht gut an. »Die Leute beim Kreis wissen, dass das vom Verfahren her nicht so toll gelaufen ist«, bat Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann um Verständnis. Unabhängig von der Verfahrenskritik will die Politik auch über die Kostenverteilung, zum Beispiel über die Übernahme von Verkehrssicherungspflichten, nochmals ins Gespräch kommen. Schließlich sei der Kreis als ehemaliger Deponiebetreiber auch Verursacher vieler Probleme dort.

Bürger haben Gelegenheit sich bei einer öffentlichen Veranstaltung am Montag, 24. September, 18 Uhr in der Pension Dröge über das Projekt zu informieren.

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