Sa., 13.10.2018

Dr. Carl Schreiner spricht über den Einfluss der Seele auf den Körper Die Macht der Psyche

Dr. Carl Schreiner, Oberarzt an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL Klinikum Gütersloh, hielt den Vortrag »Wenn die Seele den Körper macht«.

Dr. Carl Schreiner, Oberarzt an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL Klinikum Gütersloh, hielt den Vortrag »Wenn die Seele den Körper macht«. Foto: Tibaudo

Von Anna Lisa Tibaudo

Halle  (WB). Wenn die Seele leidet, kränkelt der Mensch. Ist der Kummer anhaltend, kann der Mensch körperlich erkranken. Wie diese Zusammenhänge funktionieren, erklärte Dr. Carl Schreiner, Oberarzt an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des LWL Klinikum Gütersloh, in seinem Vortrag »Wenn die Seele den Körper krank macht«.

Bereits im Altertum wusste der griechische Philosoph Platon: »Willst du den Körper heilen, musst du erst die Seele heilen.« Und dass das zugewandte Wort als Teil der Medizin eine schnellere Heilung bringt, wusste man damals ebenfalls. Der Verlust dieser ganzheitlichen Betrachtungsweise in der Krankheitslehre hing nicht zuletzt mit dem französischen Mathematiker und Philosophen René Descartes zusammen.

Seit den 1970er Jahren begreift die Medizin Körper und Seele als Einheit

In seinen Theorien reduzierte er in der Neuzeit den menschlichen Körper auf seine Mechanik. Er trennte damit die Seele vom Körper. »Diese Denktradition hat sich fortgesetzt und im Zeitalter von Industrie und Technik verfestigt«, erzählt Schreiner. Nun scheint eine Rückbesinnung in der Schulmedizin stattzufinden, die Ende des 19. Jahrhundert bereits ihren Anfang nahm. 1977 fand sie mit der bahnbrechenden Arbeit des amerikanischen Psychiaters George Libman Engel ihren Höhepunkt: Die Theorie über die Einheit von Körper und Seele (Biopsychosoziales Modell von Krankheit und Gesundheit). »Nach diesen Erkenntnissen arbeiten wir in der Psychosomatik noch heute«, sagt der Mediziner. »Jedes seelische Ereignis, jeder Gedanke, jeder Handlungsimpuls, jedes Gefühl ist immer zugleich auch ein körperliches Ereignis.«

Die vermeintlich unsichtbare Seele, auf griechisch: Psyche, die mit dem Mensch eins ist, unterliegt einem sensiblen Wechselspiel aus psychologischen, biologischen und sozialen Wirkfaktoren, die miteinander verwoben sind und sich bedingen: Starke Anspannungen wie Dauerstress oder anhaltende Trauer werden auf die körperliche Ebene übertragen und durch den Körper mitgeteilt: beispielsweise in Form von Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen, Krampfanfällen, Veränderungen der Sinne, Gedächtnisstörungen, Ohnmachtsanfälle, Organfunktionsstörungen (Herz, Magen, Darm, Blase) oder auch Herzinfarkt.

Risikofaktoren psychischer Krankheiten in der Kindheit

Die Risikofaktoren für die Entstehung psychischer und psychosomatischer Krankheiten liegen anscheinend in der Kindheit: Ständiger Streit in der Familie, ein unsicheres Bindungsverhalten zwischen dem 12. und 18. Lebensmonat, sexueller Missbrauch oder psychische Störungen oder schwere körperliche Erkranken eines Elternteils erhöhen die Anfälligkeit. Dagegen wirken verlässliche Beziehungen, ein sicheres Bindungsverhalten, die soziale Förderung (Schule, Kirche, Vereine), ein robustes, aktives, kontaktfreudiges Temperament und nicht zuletzt Humor als Schutzfaktoren.

Der erhebliche Einfluss der Psyche kann beispielsweise unter Hypnose beobachtet werden. In der Medizingeschichte gibt es Beispiele von Versuchsperson, die eine Lähmung im Arm oder Bein ohne organische Ursache hatten. Unter Hypnose konnten sie den Arm problemlos bewegen oder vom Stuhl aufstehen. Sobald aber die Hypnose beendet war, stellte sich das Symptom wieder ein. »Das nennen wir Dissoziation, dass heißt, dass da etwas getrennt worden ist. Und das versuchen wir in der Therapie wieder ineinanderzubringen«, so der Mediziner.

Die Seele ist fähig, eine positive Kraft zu entwickeln, die mitunter zu faszinierenden Spontanheilungen führen kann: zu sehen in dem Dokumentarfilm »Das Geheimnis der Heilung. Wie altes Wissen die Medizin verändert« des TV-Journalisten Joachim Faulstich, wovon Schreiner den 30 Besuchern die ersten zehn Minuten zeigte.

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