Sa., 27.10.2018

Gemeinsamer Aufruf aller Gruppen und Vereine in Halle: Sternmarsch und Kundgebung Demo für eine weltoffene Stadt

Eingerahmt von den beiden Kirchenvertretern, dem katholischen Dechanten und Pfarrer Josef Dieste (links) und dem evangelischen Pfarrer Burkhard Steinebel aus Hörste stehen die Vertreter von Parteien, Institutionen und Vereinen, um zu Sternmarsch und Kundgebung am 9. November einzuladen.

Eingerahmt von den beiden Kirchenvertretern, dem katholischen Dechanten und Pfarrer Josef Dieste (links) und dem evangelischen Pfarrer Burkhard Steinebel aus Hörste stehen die Vertreter von Parteien, Institutionen und Vereinen, um zu Sternmarsch und Kundgebung am 9. November einzuladen. Foto: Klaus-Peter Schillig

Von Klaus-Peter Schillig

Halle (WB). Eine Stadt geht auf die Straße. Das hoffen jedenfalls die Organisatoren, denn für Freitag, 9. November, 17 Uhr hat ein breites Bündnis von Vereinen, Parteien und Institutionen der Stadt zu einem Sternmarsch mit anschließender kurzer Kundgebung aufgerufen. Der Tenor: »Halle ist weltoffen. Für Menschlichkeit. Gegen Ausgrenzung«.

Aktionen rechter Parteien hat es in Halle zwar lange nicht gegeben, insgesamt bewegt doch viele handelnde Personen in Politik und Gesellschaft, dass viele Errungenschaften der Demokratie in Hassekommentaren und sogar von den Führern großer Nationen in Frage gestellt werden. »Demokratie gibt es nur dort, wo sich genug Menschen dafür einsetzen«, steht ganz oben auf dem Flyer, der für die Teilnahme an der Aktion werben soll.

Alle Haller ziehen an einem Strang

Alle Parteien und Gruppen im Stadtrat – von CDU bis UWG – rufen ihre Mitglieder dazu auf, Flagge zu zeigen und sich sichtbar für die Werte und Rechte des Grundgesetzes und für Menschlichkeit einzusetzen. Ebenso wird der Stadtsportverband seine Mitgliedsvereine auffordern, auch die Schülervertretungen von Kreisgymnasium und Berufskolleg, Von AWO, Feuerwehr, Schützengesellschaft Interessengemeinschaft Künsebecker Bürger, SC Halle, die evangelischen und katholischen Kirchengemeinden, das Jugendzentrum, der Landfrauenverband, der Landwirtschaftliche Ortsverband, die TG Hörste und viele mehr hat Jochen Stoppenbrink angerufen und zum Mitmachen bewegt.

»Die Liste auf dem Flyer und auch der Gruppen, die ich angesprochen habe, erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit«, sagte Stoppenbrink auf dem Kirchplatz, wo Vertreter der beteiligten Gruppen für die Veranstaltung warben.Stoppenbrink hat die Initiative der Organisation ergriffen, in diesem Fall aber als Haller Bürger und nicht als Grünen-Fraktionssprecher. Die Überlegung sei vor vier Wochen entstanden, nach den Rundrufen vor 14 Tagen gab es vor einer Woche einen runden Tisch und danach gleich den Auftrag an die Druckerei, Flyer und kleine Aufkleber zu drucken.

Auch junge Leute werden eingebunden

Sternmarsch und Demo sollen nur ein Anstoß sein, hofft Jochen Stoppenbrink auf weitere Infoabende, Diskussionen und das Weiterleben der Aktion auch am Rande künftiger Veranstaltungen wie Nikolausmarkt oder Stadtfest. Eingebunden werden sollen auch die jungen Leute, deshalb die Beteiligung der Schülervertretungen von KGH und Berufskolleg. Und auch das Jugendzentrum will seine Besucher motivieren, vor allem auch im Integrationstreff Welcome und jungen Flüchtlingen dafür werben. Stoppenbrink bittet darum, auch die türkischen Mitbürger über die Aktion zu informieren. Denn der Moscheeverein sah sich wohl wegen unklarer Entscheidungs-Kompetenzen nicht imstande, sich spontan zu beteiligen.

Drei Startpunkte für den Sternmarsch

Die Sternmärsche beginnen um 17 Uhr an der katholischen Kirche, am Rathaus und am Martin-Luther-Haus. Den Startpunkt kann sich jeder selbst aussuchen. Auf kurzen Wegen geht es zum Kirchplatz. »Das Haller Herz soll leuchten«, heißt dort die Devise. Jeder sollte also eine Laterne, Taschenlampe, Lampion, Handy oder Kerze mitbringen. Zwei kurze Ansprachen sind hier geplant: Erst spricht Bürgermeisterin Anne Rodenbrock-Wesselmann, dann Superintendent Walter Hempelmann vom evangelischen Kirchenkreis Halle.

Kommentar

Der 9. November ist in Deutschland ein geschichtsträchtiger Tag. 1918 wurde nach einem revolutionären Aufstand die erste deutsche Republik ausgerufen, was zwei Tage später auch zum Ende des Ersten Weltkrieges führte. 1938 wurde mit der Reichsprogramnacht die systematische Judenverfolgung losgetreten. 1989 führte die friedliche Revolution in der DDR zur Öffnung der Mauer in Berlin.

Einen besseren Tag hätte man kaum aussuchen können für eine Demonstration, die sich deutlich für die demokratischen Grundrechte und für den Erhalt der gesellschaftlichen Werte ausspricht und sich gleichzeitig auch gegen Ausgrenzung von Minderheiten richtet. Vor 80 Jahren hat die große Mehrheit der Bevölkerung den Kopf eingezogen und geschwiegen. Das darf nicht wieder passieren. Klaus-Peter Schillig

 

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