Di., 27.11.2018

Modekonzern Gerry Weber behält Lohn ein – IG Metall empört Gerry Weber: Weihnachtsgeld ausgesetzt

Der Firmensitz der Gerry Weber AG in Halle.

Der Firmensitz der Gerry Weber AG in Halle. Foto: Stefan Küppers

Von Oliver Horst

Halle (WB). Der angeschlagene Haller Modekonzern Gerry Weber überweist seinen Mitarbeitern nicht die eigentlich mit dem Novembergehalt fällige, tariflich zugesicherte Jahressonderleistung. Das hat Vorstandschef Johannes Ehling in einem Schreiben an die Belegschaft angekündigt. Die IG Metall ist über das »ruppige« Vorgehen empört und kündigt Widerstand gegen den Tarifbruch an.

Ehling hatte den Schritt bereits vor zwei Wochen bei einer Mitarbeiterversammlung angekündigt. Er fordert ein Aussetzen von Urlaubs- und Weihnachtsgeld für drei Jahre sowie den Abschluss eines Sanierungstarifvertrags. So sollen dem Vernehmen nach mehr als 10 Millionen Euro eingespart werden. Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall hatten daraufhin bereits Widerstand angekündigt, aber Gesprächsbereitschaft signalisiert. Der Schritt des Konzerns erfolge jetzt einseitig ohne vorherigen Dialog, sagt Manfred Menningen, Ver­hand­lungs­füh­rer der IG Metall für die Textil- und Be­klei­dungsbranche sowie Mitglied im Aufsichtsrat von Gerry Weber.

Die IG Metall werde nun ihre Mitglieder unter den Mitarbeitern befragen und dann Verhandlungen mit dem Vorstand führen oder weitere Schritte einleiten. Das könnte notfalls auch die gerichtliche Geltendmachung der tariflichen Leistungen bedeuten.

Langfristiges Finanzierungskonzept

Ehling zufolge verlange das Sanierungskonzept eine deutliche Senkung der Personalkosten. Darüber und über weitere Details solle mit Betriebsrat und IG Metall in den nächsten Wochen intensiv verhandelt werden. Wie berichtet, muss Gerry Weber im Januar Anleihen über 31 Millionen Euro ablösen, die eigentlich am 5. November fällig waren, aber gestundet wurden. Für den Konzern muss zudem ein langfristiges Finanzierungskonzept vereinbart werden. 900 der 6500 Mitarbeiter sollen im Februar gekündigt, 170 bis 200 weitere der noch 1233 ­Filialen bald geschlossen werden.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6217331?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F