Do., 06.12.2018

IG Metall erlebt Eintrittswelle – Gewerkschaft will Weihnachtsgeld einfordern Dicke Luft bei Gerry Weber

Beim Haller Damenmodekonzern Gerry Weber herrscht wegen des gestrichenen Weihnachts­geldes schlechte Stimmung. Die IG Metall will das Geld für Mitarbeiter notfalls einklagen.

Beim Haller Damenmodekonzern Gerry Weber herrscht wegen des gestrichenen Weihnachts­geldes schlechte Stimmung. Die IG Metall will das Geld für Mitarbeiter notfalls einklagen.

Von Oliver Horst

Halle (WB). Nach der vom angeschlagenen Haller Modekonzern Gerry Weber eigenmächtig gestrichenen Weihnachtsgeldzahlung wächst der Widerstand. Die IG Metall registriert eine enorme Eintrittswelle von Beschäftigten als Mitglieder. Die Gewerkschaft will die ausgebliebene Zahlung einfordern – und notfalls einklagen.

Der Modekonzern hatte, wie berichtet, ohne Absprache mit Betriebsrat oder Gewerkschaft die eigentlich tariflich mit dem Novembergehalt fällige Sonderzahlung einbehalten. Es soll insgesamt um rund 1,6 Millionen Euro gehen. Vorstandschef Johannes Ehling hatte diesen Schritt wenige Tage vor dem Monatsende in einem Schreiben an die Mitarbeiter angekündigt. Das Sanierungskonzept des mit Umsatzrückgängen, Millionenverlusten und dreistelligen Verbindlichkeiten kämpfenden Konzerns verlange eine deutliche Senkung der Personalkosten, erklärte Ehling.

»Tarifbruch«

Die Gewerkschaft spricht von einem »Tarifbruch«. Ute Herkströter, Erste Bevollmächtigte der zuständigen IG Metall Bielefeld, sagt: »Die Vorgehensweise ist unmöglich und der Gerry Weber AG nicht würdig.« Die Gewerkschaft will die vorenthaltene Sonderzahlung für ihre Mitglieder in Reihen der Belegschaft einfordern und geltend machen. »Notfalls werden wir für jedes einzelne Mitglied klagen«, sagt Herkströter. Der Ärger um das Weihnachtsgeld hat der IG Metall großen Zulauf beschert. »Innerhalb von drei Tagen haben wir 150 Beschäftigte des Konzerns in Halle als Mitglieder neu aufgenommen. Und es kommen täglich weitere hinzu.« In einer Mitgliederversammlung am Samstag will die Gewerkschaft nun die Beschäftigten informieren, sich ein Stimmungsbild und Verhandlungsmandat einholen.

Abgang weiterer Leistungsträger befürchtet

Der Schritt, das Weihnachtsgeld kurzfristig zu streichen, obwohl in Kürze aus einem Immobilienverkauf 36 Millionen Euro in die Kasse fließen sollen , hat zu »mieser Stimmung« in der Belegschaft geführt, heißt es aus dem Konzern. Trotz aller Schwierigkeiten und des angekündigten weiteren Stellenabbaus seien die Mitarbeiter motiviert gewesen, unter neuer Führung den Turnaround zu schaffen. Nun wird auch wegen der Vorgehensweise des Vorstands der Abgang weiterer Leistungsträger befürchtet. Das gilt auch vor dem Hintergrund des von Ehling eingeforderten Sanierungstarifvertrags und Verzichts auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld für drei Jahre. Insgesamt sollen die Personalkosten nach WESTFALEN-BLATT-Informationen auf diesem Wege um mehr als zehn Millionen Euro gesenkt werden.

Gute Lösung finden

»Das Grausamkeiten kommen, ist uns klar. Das kann man aber so oder so machen«, sagt Herkströter. »Wir sind gewillt, in Verhandlungen einzutreten und gemeinsam mit dem Unternehmen eine gute Lösung für alle Beteiligten zu finden«, sagt Herkströter. Ziel sei es, dass der Konzern und möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben. Gerry Weber hat von Anleihegläubigern einen Fristaufschub bis Ende Januar zur Zahlung von 31 Millionen Euro erhalten. Zudem erwarten die Banken einen Finanzplan zur Tilgung weiterer Schulden in den nächsten Jahren. Gerry Weber plant, 900 der 6500 Mitarbeiter im Februar zu kündigen, und 170 bis 200 der noch 1233 Filialen zu schließen.

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