Di., 15.01.2019

Haller Modekonzern muss Wert der Tochter Hallhuber berichtigen Gerry Weber: Verlust noch höher

Die Gerry-Weber-Tochter Hallhuber rechnet in den nächsten Jahren mit weniger Gewinn. Das führt beim Mutterkonzern zu Wertberichtigungen von rund 40 Millionen Euro.

Die Gerry-Weber-Tochter Hallhuber rechnet in den nächsten Jahren mit weniger Gewinn. Das führt beim Mutterkonzern zu Wertberichtigungen von rund 40 Millionen Euro. Foto: Andreas Schnadwinkel

Von Oliver Horst

Halle (WB). Hiobsbotschaft oder Großreinemachen? Weil die Tochter Hallhuber, wie berichtet , ihre Gewinnerwartung für die nächsten Jahre gesenkt hat, muss der um die Existenz kämpfende Haller Modekonzern Gerry Weber weitere Wertberichtigungen vornehmen. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017/18 (31. Oktober) wird unter dem Strich nun ein Verlust von rund 200 Millionen Euro erwartet – 44 Millionen mehr als zuvor.

An der Börse sorgte die Nachricht am Montagmittag für einen Kurssprung. Der Schritt wurde zunächst als weiteres Aufräumen in der Konzernbilanz gewertet. Das zwischenzeitliche Plus von 12 Prozent gab die Gerry-Weber-Aktie bis zum Abend aber wieder vollständig ab.

Am 7. Dezember hatte der Konzern vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2017/18 bekannt gegeben. Seinerzeit war von einem operativen Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 148,1 Millionen Euro die Rede. Jetzt sollen es 192,3 Millionen sein. Davon entfallen unverändert auf – noch nicht zahlungswirksame – Rückstellungen für Personalabbau, Filialschließungen und Beratungskosten 63,3 Millionen. Für außerplanmäßige Abschreibungen und Wertberichtigungen hatte Gerry Weber 69,3 Millionen veranschlagt. Dieser rein bilanzielle Wert steigt nun um 44,2 auf 113,5 Millionen Euro.

Hallhuber habe seine Gewinn­erwartungen in einer Größenordnung von 0,5 bis 1,5 Millionen Euro im Jahr gesenkt. Das habe im Wesentlichen zur Erhöhung der Wertberichtigung geführt, sagte ein Konzernsprecher. Ein kleinerer Teil der Anpassung entfalle auf den Einzelhandel von Gerry Weber in Norwegen und Finnland.

Firmenwert von 54 Millionen Euro in Bilanz

Ohne die Einmaleffekte liege der vorläufige operative Verlust weiterhin bei 15,5 Millionen Euro. Im Jahr zuvor war noch ein operatives Plus von 19,9 Millionen angefallen. Damals stand nach Zinsen und Steuern ein Fehlbetrag von 800.000 Euro – der erste Jahresverlust in der Firmengeschichte.

Mit dem Anfang 2015 erfolgten Kauf der vergleichsweise wachstumsstarken Tochter Hallhuber, die aber noch kein Geschäftsjahr mit einem Nettogewinn abschließen konnte, stand ein Firmenwert von 54 Millionen Euro für die Marke in der Bilanz. Dieser Posten wird nun massiv reduziert.

»Uns ist bewusst, dass die Anpassung unserer vorläufigen Ergebnisse für Irritationen sorgen könnte«, erklärte Restrukturierungsvorstand Florian Frank. Es sei aber wichtig, in voller Transparenz und Konsequenz auf Änderungen zu reagieren, »um damit für die Zukunft des Unternehmens ein starkes und vertrauensvolles Fundament zu legen.«

Langfristiges Finanzierungskonzept

Wie berichtet, steht Gerry Weber aktuell in Verhandlungen mit Kreditgebern. Der hoch verschuldete Konzern muss bis Ende Januar ein langfristiges Finanzierungskonzept vereinbaren. Dann endet der Aufschub für eigentlich im November fällige Schuldscheindarlehen über 31 Millionen Euro. Bis 2025 müssen weitere 164 Millionen Euro abgelöst werden.

Am Montag liefen in vierter Runde auch wieder Verhandlungen für einen Sanierungstarifvertrag zur Senkung der Personalkosten und für einen Sozialplan und Interessenausgleich für den Stellenabbau. Die Gespräche könnten bis in die Nacht dauern, hieß es.

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