Sa., 19.01.2019

Mitarbeiter stimmen Sanierungspaket zu – Hoffen auf Einigung mit Banken Lohnverzicht bei Gerry Weber

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Oliver Horst

Halle (WB). Beim ums Überleben kämpfenden Modekonzern Gerry Weber haben die Mitarbeiter einem millionenschweren Lohnverzicht zugestimmt, um die Sanierung zu unterstützen. 125 anwesende Mitglieder der IG Metall in der Belegschaft des Haller Unternehmens votierten am Samstag mit überwältigender Mehrheit für das Anfang der Woche ausgehandelte Paket.

Der Sanierungstarifvertrag besteht aus mehreren Bausteinen, wie Marc Schneider, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Bielefeld, erläutert. Demnach verzichten die rund 1200 Mitarbeiter der Zentrale und der Logistik in Halle zunächst auf die Auszahlung von Urlaubsgeld in den Jahren 2019 bis 2021 sowie des Weihnachtsgelds in diesem und dem kommenden Jahr. »Der Verzicht ist aber mit einem Besserungsschein verbunden. Das heißt, dass bei gelungener Sanierung des Unternehmens die ausstehenden Gelder ab 2022 noch ausgezahlt werden müssen. Die Beschäftigten stunden also nur ihre Forderungen«, sagt Schneider.

Auch auf im Flächentarifvertrag ausgehandelte Erhöhungen der Jahre 2019 und 2020 verzichten die Mitarbeiter zunächst. »Vereinbart sind mit dem Vorstand aber jeweils zu November 2019 und 2020 Erhöhungen der Tarifentgelte um 2 Prozent.« 2022 soll dann wieder eine Anpassung an den Flächentarif erfolgen.

Künftig 35 statt 37 Wochenstunden

Um den vom Vorstand angekündigten Abbau von rund 900 der konzernweit 6500 Stellen zu reduzieren, hat die IG Metall mit dem Konzern eine kollektive Arbeitszeitverkürzung vereinbart. Die entsprechende Betriebsvereinbarung für die Zeit vom 1. März 2019 bis Ende 2021 greift auch für die Mitarbeiter der Tochter Hallhuber in München. Sie sieht vor, dass Beschäftigte mit einem Jahresbruttolohn zwischen 36.000 und 78.000 Euro künftig 35 statt 37 Wochenstunden arbeiten. Dementsprechend reduziert sich ihr Tariflohn. Bei Gutverdienern mit mehr als 78.000 Euro Jahresbrutto sinkt die Wochenarbeitszeit um drei Stunden und in entsprechendem Maße ihr Gehalt.

»Durch die Änderung der Sollarbeitszeiten werden wir Arbeitsplätze erhalten können«, sagt Schneider. Eine genaue Zahl könne er aber noch nicht nennen.

Eine weitere Komponente ist ein Bonus für Mitglieder der IG Metall. Diese erhalten im Jahr 2020 steuerfrei 156 Euro und womöglich 2021 eine weitere Ausschüttung.

Das widerrechtlich einbehaltene Weihnachtsgeld 2018 wird der Konzern in voller Höhe in vier Raten jeweils zum Quartalsende im laufenden Jahr auszahlen, sagt Schneider.

Bis Ende Januar ein Finanzierungskonzept

Weiter verhandelt werden müsse in den nächsten Tagen derweil noch über die Regelungen beim Stellenabbau. Für den Sozialplan und Interessenausgleich gebe es bislang nur Eckpunkte.

»Wir haben die Forderungen des Vorstands auf kompletten Verzicht von Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Tariferhöhungen für drei Jahre deutlich abgefedert«, sagt Schneider. »Gleichwohl leisten die Beschäftigten mit schmerzhaften Einschnitten ihren Beitrag zur Sanierung des Unternehmens und geben damit ein klares Bekenntnis ab.« Nun seien andere an der Reihe, »zu einer langfristigen Lösung und einer Zukunftsperspektive für Gerry Weber beizutragen«. Damit meint Schneider vor allem die Banken. Bis Ende Januar muss der hoch verschuldete Konzern ein Finanzierungskonzept aushandeln.

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