Gerry Weber arbeitet an Normalität – Bafin untersucht Kursbewegung des Haller Unternehmens
Lohn soll pünktlich kommen

Halle(WB). Der Haller Modekonzern Gerry Weber ist nach dem Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung um Normalität bemüht . Alle Mitarbeiter sollen möglichst pünktlich zum 1. Februar den Januarlohn erhalten. Derweil sind auffällige Bewegungen beim Aktienkurs ein Fall für die Finanzaufsicht Bafin.

Dienstag, 29.01.2019, 06:51 Uhr aktualisiert: 29.01.2019, 16:26 Uhr
Der Konzernsitz von Gerry Weber in Halle. Betriebsratschef Lutz Bormann gibt sich kämpferisch – und zuversichtlich Foto: Ulrich Fälker
Der Konzernsitz von Gerry Weber in Halle. Betriebsratschef Lutz Bormann gibt sich kämpferisch – und zuversichtlich Foto: Ulrich Fälker

Das Unternehmen war gestern auf allen Ebenen aktiv, um den Geschäftsbetrieb wie angekündigt in gewohnter Weise fortzusetzen. Vorstandschef Johannes Ehling führte bei der Modemesse CPD in Düsseldorf weitere vertrauensbildende Gespräche mit Handelskunden. Sanierungsvorstand Florian Frank und der neue Generalbevollmächtigte Christian Gerloff stimmten die nächsten Gespräche mit Banken und Gläubigern ab.

Zudem wurde ein Dienstleister eingeschaltet, der das Insolvenzgeld vorfinanziert, damit die Mitarbeiter in den nächsten Tagen ihren Lohn erhalten und nicht Wochen warten müssen. »Es ist ganz wichtig, dass die Kollegen jetzt nicht in ein finanzielles Loch fallen, sondern sich auf ihre Arbeit konzentrieren können«, sagt Betriebsratsvorsitzender Lutz Bormann. »Wir wollen an die vergangenen Wochen anknüpfen, in denen das Geschäft so gut gelaufen ist wie seit Jahren nicht.«

»Einige Mitarbeiter sind noch in Schockstarre«

Weitere Gespräche über Regelungen zum geplanten Abbau von 900 der konzernweit 6500 Stellen wurden auf nächste Woche vertagt. Dann dürfte auch klar werden, ob der schon ausgehandelte Sanierungstarifvertrag mit Lohneinbußen und reduzierter Arbeitszeit umgesetzt werden soll.

»Einige Mitarbeiter sind noch in Schockstarre und müssen für sich erst einmal sehen, was die Insolvenz bedeutet«, sagt Bormann. »Andere sind schon wieder kämpferisch und sagen: Jetzt erst recht.« Der Betriebsratschef selbst sieht den Schritt inzwischen als Chance: »Er gibt dem Konzern die Möglichkeit, die geplante Schließung von Filialen oder auch Verhandlungen mit den Gläubigern einfacher und schneller zu lösen.«

Derweil hat die Bafin – zunächst routinemäßig – eine Analyse des Handels mit Aktien des Modekonzerns eingeleitet. Geprüft wird, ob es Anhaltspunkte für unerlaubten Insiderhandel gibt. Das heißt, ob sich Anleger mit dem Wissen um das Scheitern der Verhandlungen mit den Geldgebern und dem bevorstehenden Eigenverwaltungsantrag einen Vorteil verschafft haben.

Von 2,33 Euro auf 45 Cent

Auffällig ist, dass schon Donnerstagmittag und damit gut 24 Stunden, bevor der Konzern in einer Pflichtmitteilung über den Insolvenzantrag informierte, der Kurs bei 2,33 Euro plötzlich absackte – bis zum Abend um 27 Prozent. Freitagvormittag rauschte die Aktie um weitere 30 Prozent in die Tiefe – bis der Handel gegen 13 Uhr bei einem Kurs von 1,33 Euro ausgesetzt wurde. Um 13.18 Uhr veröffentlichte Gerry Weber die Pflichtmitteilung. Der Handel wurde um 14.20 Uhr wieder aufgenommen – zum Kurs von 45 Cent.

»Sollten sich konkrete Anhaltspunkte ergeben, wird ein förmliches Verfahren eingeleitet«, sagt Bafin-Sprecherin Anja Schuch­hardt. Das läuft bereits in anderem Zusammenhang: Im September hatte es Auffälligkeiten gegeben im Vorfeld der Mitteilung, dass ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben wird. Damals war der Kurs um 25 Prozent gefallen.

In beiden Fällen sind ausdrücklich keine Aktiengeschäfte von Führungskräften des Konzerns bekannt, die meldepflichtig sind.

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