Mi., 30.01.2019

In der Anfangsphase auf der Westumgehung von Halle bis zu 400 Temposünder pro Tag erwischt »Nico« wird zum Dauerblitzer

Vor allem bei schönem Wetter ist der mobile Blitzer »Nico« neben der Landstraße 782 schon von Weitem zu sehen. Trotzdem drücken viele Auto- und Lkw-Fahrer zu sehr aufs Gaspedal und lassen sich als Temposünder erwischen.

Vor allem bei schönem Wetter ist der mobile Blitzer »Nico« neben der Landstraße 782 schon von Weitem zu sehen. Trotzdem drücken viele Auto- und Lkw-Fahrer zu sehr aufs Gaspedal und lassen sich als Temposünder erwischen. Foto: Klaus-Peter Schillig

Von Klaus-Peter Schillig

Halle (WB). Seit Freitag ist »Nico« richtig scharf gemacht. »Nico« ist kein bissiger Hund, sondern blitzt auf der Haller Westumgehung rund um die Uhr alle Autofahrer, die sich nicht an das aktuelle Tempolimit von 50 km/h halten. Und das sind viele, wie das Straßenverkehrsamt des Kreises mitteilt. Bis zu 400 pro Tag. Einige Führerscheine sind schon auf der Strecke geblieben.

»Nico« steht seit dem 21. Dezember an der Westumgehung. Als Eingewöhnung praktisch, denn seit dem provisorischen Anschluss der A 33 an die Landstraße 782 gilt hier für einen Kilometer ein Tempolimit von 50. Aus Lärmschutzgründen für die Anlieger der Landstraße. Nur mit diesem Zugeständnis – nämlich Tempo 50 und Überwachung – war die Bezirksregierung Detmold bereit, den provisorischen Anschluss an die Westumgehung überhaupt zu genehmigen. Im Planfeststellungsbeschluss von 2011 ist diese Variante nämlich gar nicht vorgesehen.

Der Schnellste war mit 159 km/h unterwegs

Viele Auto- und Lkw-Fahrer scheinen die jeweils drei »50«-Schilder in jeder Richtung zwischen dem Übergang zur Autobahn und der Abfahrt zur B 68 aber nicht recht ernst zu nehmen. Vielleicht wegen der Zusatzschilder »Lärmschutz«. Zunächst war der Blitzer noch so eingestellt, dass auch bei Tempo 70 nur deutliche Überschreitungen erfasst wurden. Dabei wurden anfangs in der Spitze bis zu 400 Verkehrsteilnehmer mit Autos und Lkw (die dürfen höchstens 60 fahren) geblitzt. Zum Jahresende sank diese Zahl auf 200, um nach dem Jahreswechsel wieder auf 250 täglich anzusteigen. Seitdem gehen aus dem Kreishaus reichlich Bescheide über Verwarngelder und Bußgelder heraus und werden Führerscheine eingefordert. Auch von Lkw-Fahrern übrigens.

Sachgebietsleiter Bernhard Riepe steht uneingeschränkt hinter den Tempomessungen im Kreis Gütersloh durch Polizei und Straßenverkehrsamt. Hier aber wird ihm angesichts der vielen erwischten Temposünder fast ein wenig mulmig, wie er im Gespräch mit dem WB sagt. »Einer ist in Richtung Werther sogar mit knapp 160 Stundenkilometern erwischt worden. Dem ist wirklich nicht zu helfen.« Ganz im Gegenteil: Die Bußgeldstelle zieht zwar drei Prozent Toleranz ab, die Überschreitung von 84 Stundenkilometern – damals galt hier noch 70 – zieht aber die Höchststrafe nach sich: 600 Euro, die wegen des Vorsatzes auf 1200 Euro verdoppelt werden, zwei Punkte in Flensburg, die erst nach fünf Jahren gelöscht werden können, und drei Monate Führerscheinentzug.

Nachfolgende Fahrzeuge fast im Kofferraum

Wer seit Öffnung der Autobahn auf der Westumgehung fährt und sich an das Tempolimit hält, dem sitzen nachfolgende Fahrzeuge »fast im Kofferraum«. Das hat Bernhard Riepe selbst erlebt. Er benennt aber auch die Gefahren an der starken Fahrbahnverschwenkung beim Übergang auf die Autobahn. Dort ist es schon zu mehreren leichten Unfällen gekommen, Lkw mussten rückwärts fahren, weil sie trotz aller Sperren und Blinkleuchten die Kurve nicht bekommen haben – bei vorgeschriebenen 30 Stundenkilometern in diesem Bereich. Die Verkehrs-Experten seien deshalb ständig dabei, die Lage zu analysieren. Immerhin fahren hier täglich 15.000 Fahrzeuge. Nicht auszudenken, was passieren kann, wenn ein zu schneller Lkw mit schwerer Ladung im Übergang zur Autobahn umkippen würde.

Der Kreis geht, so eine Pressemitteilung, davon aus, dass sich die Zahl der geblitzten Fahrzeuge wieder reduzieren wird, wenn sich vor allem die häufigen Nutzer der Westumgehung an »Nico« gewöhnt haben und auch den übrigen Verkehr mit ausbremsen. »Ziel ist und bleibt es, durch eine konsequente Überwachung, den Lärm und die Unfallgefahr auf der L 782 soweit wie möglich zu minimieren. Der Kreis wird deshalb die Entwicklung in diesem Bereich fortlaufend im Blick behalten, um eventuell weitere Maßnahmen zu ergreifen«, heißt es abschließend in der Mitteilung des Kreises.

 

So wird das Bußgeld berechnet

Wenn bei einem Tempolimit von 50 km/h ein Autofahrer mit 75 Stundenkilometern geblitzt wird, werden als Toleranzwert drei km/h abgezogen. Bleibt eine Überschreitung um 22 km/h. Die kostet 70 Euro und einen Punkt in Flensburg. Magische Grenze ist die Überschreitung um 20 km/h. Wer darunter bleibt, kassiert nur ein Verwarngeld zwischen zehn und 35 Euro.

Bei Lkw liegt diese Verwarngeld-Grenze niedriger. Schon ab 16 km/h werden Bußgelder fällig, die wegen anderer gesetzlicher Bestimmungen, beispielsweise wegen der höheren Gefahrenstufe, auch höher liegen. In allen Fällen werden auch noch mögliche einschlägige Voreintragungen herangezogen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6356407?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198389%2F2516076%2F