Mi., 07.02.2018

Konzern spricht über Finanzspritze – Insolvenzantrag für Filialgeschäft Gerry Weber verhandelt über Verkauf von Hallhuber

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Lars Rohrandt

Von Oliver Horst

Halle (WB). Der ums Überleben kämpfende Haller Modekonzern Gerry Weber kommt nicht zur Ruhe. Das Unternehmen verhandelt mit einem Investor über eine Finanzspritze und Kaufoption  für die Tochter Hallhuber. Zudem wurde am Donnerstag – 13 Tage nach der Konzernmutter –  auch die Einzelhandelstochter mit mehreren hundert Filialen in Insolvenz in Eigenverwaltung geschickt.

Ganz überraschend kommt der Insolvenzantrag für die Gerry Weber Retail GmbH & Co. KG nicht. In der Gesellschaft sind die wesentlichen Einzelhandelsaktivitäten des Konzerns gebündelt. Sie ist auch Vertragspartner etlicher Vermieter von Filialen der Modekette. Nach der für Mai geplanten Eröffnung des Insolvenzverfahrens besteht die Möglichkeit, die meist langjährig geschlossenen Mietverträge mit dreimonatiger Sonderkündigungsfrist zu beenden.

Der Sanierungsplan des Modekonzerns sieht, wie berichtet, die kurzfristige Schließung von bis zu 230 defizitären der zuletzt 1200 Filialen vor. Rund 60 der 230 zur Disposition stehenden Filialen sollen auf die Tochter Hallhuber entfallen. Sie betrieb Mitte des vergangenen Jahres 410 Standorte.

Geplant ist auch der Abbau von 900 der konzernweit 6500 Arbeitsplätze. Etwa zwei Drittel der bedrohten Stellen sollen in den Läden wegfallen. Auch die Kündigung der Arbeitsverträge ist mit dreimonatiger Frist möglich. Die Löhne der Mitarbeiter der Tochter sind von Februar bis April durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert.

Kurzfristige Finanzspritze durch Investor?

Das zuständige Amtsgericht Bielefeld gab dem am Nachmittag gestellten Antrag des Unternehmens auf Eigenverwaltung statt. Konzernchef Johannes Ehling und Restrukturierungsvorstand Florian Frank bleiben als Geschäftsführung bei der Tochter im Amt. Unterstützt werden sie vom Generalbevollmächtigten Dr. Christian Gerloff. Zum Sachwalter wurde, wie schon bei der Konzernmutter, Stefan Meyer aus Lübbecke bestellt. Der Geschäftsbetrieb werde in vollem Umfang fortgeführt, betonte der Konzern gestern. Die Finanzierung sei weiterhin nach derzeitigem Stand bis ins Jahr 2020 hinein gesichert.

Derweil tut sich offenbar neuer Finanzbedarf bei der einst als Hoffnungsträger und wachstumsstark geltenden Tochter Hallhuber auf. Gerry Weber verhandelt mit einem Investor über eine kurzfristige Finanzspritze und eine mögliche Kaufoption für das erst 2015 für 86 Millionen Euro übernommene Münchner Unternehmen. Das gab der Konzern gestern Vormittag bekannt. »Mit den angestrebten Mitteln aus der Brückenfinanzierung soll der fortlaufende Geschäftsbetrieb von Hallhuber bis auf Weiteres sichergestellt werden«, hieß es.

Warum jetzt kurzfristig frisches Geld benötigt wird, ließ der Konzern gestern ebenso unbeantwortet wie weitere Fragen. Auch ob es sich bei dem Investor um einen Hedgefonds handelt, der durch das Scheitern der Gespräche über ein Finanzierungskonzept den Insolvenzantrag für die Konzernmutter auslöste, blieb unklar.

Kampf mit Gründerfamilie

Hallhuber setzte in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2017/18, für das am 28. Februar die Bilanz vorgelegt werden soll, 148,2 Millionen Euro um. Der Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) belief sich auf 8,98 Millionen Euro. Ohne Abschreibungen und Finanzaufwendungen fiel indes ein operativer Gewinn (Ebitda) von 1,3 Millionen Euro an.

Derweil tobt dem Vernehmen nach ein Kampf mit der weitgehend entmachteten Gründerfamilie Weber. Sie ist mit rund 32 Prozent größter Aktionär. Firmengründer Gerhard Weber (77) und sein Sohn Ralf (54), Aufsichtsrat und bis Oktober Vorstandschef, sollen den Verkauf von Hallhuber ablehnen. Auch der Insolvenzantrag für die Konzernmutter sei schon ohne ihre Zustimmung gestellt worden. Seither sitzen die Gläubiger am längeren Hebel.

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