Mi., 13.02.2019

Nutrias vermehren sich enorm – Kreis will Bestände regulieren Pflanzenfresser im Pelz

Die Jagdstrecke zeigt es an: Nutrias vermehren sich explosiv an den Wasserläufen im Kreisgebiet.

Die Jagdstrecke zeigt es an: Nutrias vermehren sich explosiv an den Wasserläufen im Kreisgebiet. Foto: Andreas Bader

Von Klaudia Genuit-Thiessen

Halle/Gütersloh (WB). Diese possierlichen Nager ärgern nicht nur die Landwirte: Nutria und Bisamratten breiten sich auch im Kreis Gütersloh so enorm aus, dass eine Arbeitsgruppe bei der Kreisverwaltung bereits ernsthaft über eine arten- und tierschutzgerechte Regulierung der Bestände nachdenkt.

Allein im Jagdjahr 2017/18 wurden schon 1000 Nutrias zur Strecke gebracht, fünf Mal so viel wie vor drei Jahren.

Der Nutria, der mitunter auch Biberratte genannt wird, ist hierzulande ein Einwanderer, der sich allerdings über Lippe und Ems immer stärker nach Norden und Osten ausbreitet. Der klassische Pflanzenfresser, der früher als Pelzlieferant galt, ist vor allem an Gewässern zu finden. »Und zwar inzwischen auch in Revieren, wo er vor kurzem noch völlig unbekannt war«, wie Dr. Wolfgang Schwentker als Leiter der unteren Jagdbehörde beim Kreis Gütersloh im WB-Gespräch sagt.

Nutrias können bis zu 65 Zentimeter groß werden und ausgewachsen acht bis zehn Kilogramm auf die Waage bringen. Sie haben einen runden, schuppenbedeckten Schwanz, der kaum behaart ist. Vorwiegend sind die Fast-Vegetarier in der Dämmerung aktiv. Sie ernähren sich vor allem von Blättern, Wurzeln und Hackfrüchten und gehen ins Getreide. Und um an Maiskolben heranzukommen, knicken sie oft einfach die Stängel ab.

Einwanderer unterhöhlt Bachufer

Kein Wundern, dass viele Bauern nicht besonders gut auf den Nager zu sprechen sind, der womöglich auch die Nester von Bodenbrütern ausräubert. Denn zusätzlich zu den Fraßschäden über Tage unterhöhlt der Kumpel im Pelz unter Tage die Ufer von Bächen und Flüssen und lässt sie mitunter abbrechen. Ob am Ziegenbach im Versmolder Bruch, an der Ems oder an der Dalke – immer größer werden die Kolonien, die jedes Jahr mehrere Würfe hervorbringen. Womit sie natürlich auch die ebenfalls rasante Ausbreitung von Bisams verhindern.

Die sind vom Kopf bis zum Schwanz nur etwa 35 Zentimeter groß und damit wesentlich kleiner als die Nutrias. Die ausgezeichneten Schwimmer können bis zu zehn Minuten tauchen. Sie fressen neben Wasser- und Uferpflanzen, Getreide und Gemüse auch Muscheln und Larven von Wasserinsekten. Wo irgend möglich legen sie Erdbaue an, gern mit einem Zugang unter Wasser.

Die Bestände von Nutria, Bisams, aber auch von Waschbären und anderen invasiven Arten, die hier nicht heimisch sind, die sich aber fast explosionsmäßig vermehrt haben, sollen deshalb reguliert werden. Wie das geschehen soll, damit befasst sich derzeit eine Arbeitsgruppe, in der neben Vertretern verschiedener Kommunen, Unterer Jagdbehörde, Landwirtschaftskammer und Jägern auch bestellte Fänger vertreten sind. »Bis jetzt ist der Nutria nicht ins Jagdrecht aufgenommen und damit können Landwirte auch keinen Wildschaden gegenüber Jagdpächtern geltend machen. Extrem kalte Winter sind bisher die einzige Regulierungsquelle der Bestände«, unterstreicht auch Ralf Reckmeyer, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft, dass Nutria und Co. abgesehen vom Menschen keine natürlichen Feinde haben.

Immer weniger Feldhasen

Nicht nur Nutria und Bisam vermehren sich sprunghaft, sondern auch der Waschbär. Die Jagdstrecke 2017/18 weist 682 erlegte oder als Fallwild im Straßenverkehr getötete Tiere aus. Drei Jahre zuvor waren es nur 261 Exemplare.

Starke Rückgänge verzeichnen heimische Jäger immer noch beim Niederwild. Die Feldhasen-Strecke schrumpfte von etwa 2300 im Jahr 2017 auf 1817 Tiere. Wobei viele Revier-Inhaber sich sogar so verantwortlich zeigten, dass sie Hasen nachts mit Wärmebildkameras auf den Feldern zählten, um die Populationen nicht unnötig zu schwächen, sagte Dr. Schwentker. 357 Wildkaninchen wurden erlegt (2014 ca. 500) und 1650 Fasane (ca. 2100). Die Ringeltaubenstrecke ist im Kreis auf 8792 gestiegen (2014: 7328).

 

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